Bayer 04 Leverkusen: Peter Bosz erklärt die Methode Bosz

40 Jahre Erfahrung im Profi-Fußball : Leverkusen-Trainer Bosz erklärt die Methode Bosz

Bayer-Trainer Peter Bosz lässt vergleichsweise wenig, aber dafür intensiv trainieren. Das gilt für Kopf und Körper.

Peter Bosz schaut immer genau hin. Die erste Trainingseinheit auf dem Rasen des Alois-Latini-Stadions am Montagnachmittag in Zell am See besteht zu einem großen Teil aus verschiedenen Passformen. Immer wieder ruft der Niederländer seinen Spielern zu, dass sie die Bälle noch schneller, noch schärfer, noch präziser spielen sollen. Es ist eine intensive Einheit, aber noch lange nicht die intensivste, die den Profis der Werkself in der alpinen Woche bevorsteht.

Schnelle, kurze Pässe unter Druck und auf engstem Raum stehen dabei oft im Mittelpunkt. Ohnehin wird fast immer mit Ball trainiert. Es geht freilich auch um Kondition, Balleroberung, Vorwärtsverteidigung, Kompaktheit des Spielgefüges, und „Vororientierung“, wie es Bosz nennt. Das heißt: Je weniger Zeit die Spieler haben, desto schneller müssen sie reagieren. Damit in jeder Situation auf dem Feld umgehen zu können, ist ein zentraler Inhalt seiner betont offensiven und rasanten Fußballphilosophie.

In seiner Zeit bei Borussia Dortmund wurde dem 55-Jährigen bisweilen vorgeworfen, die Mannschaft zu wenig zu trainieren. Bis auf wenige Ausnahmen belässt er es auch in Leverkusen bei einer Einheit am Tag – im Gegensatz zu seinen Vorgängern. Der Niederländer begründet das mit einer simplen Formel. „Einmal 100 Prozent sind besser als zwei Mal 50 oder sogar 60 Prozent“, sagt er. Je höher und intensiver das Niveau im Training sei, desto besser.

„Ich versuche, es schwieriger zu machen als es in einem Spiel wäre. Wenn es zu einfach wird, lernen die Spieler nichts.“ Bosz beruft sich auf seine rund 40 Jahre Erfahrung im Profifußball, 20 als Spieler und 20 als Coach. Sein Training sei nicht extensiv, sondern kurz und intensiv – „in allem was wir machen“, betont der Trainer der Werkself.

Die Übung „Sieben gegen Sieben“ auf deutlich verkleinertem Spielfeld sei dafür ein gutes Beispiel. „Da ist immer Druck auf dem Ball und man hat keine Zeit, nachzudenken. Das ist für Körper und Kopf sehr anstrengend. Zwei Einheiten dieser Art an einem Tag führen zu Verletzungen. Das ist unmöglich“, sagt Bosz.

Im Grunde sollen seine Spieler schon eine Idee haben, was sie mit dem Ball machen, ehe sie ihn haben. Ohnehin ist dem Niederländer wichtig, dass sie auch ihr Gehirn einsetzen. Im Trainingslager hält er jeden Abend eine maximal 15-minütige Sitzung ab, in denen er spezifische taktische Themen lehrt. „Ich nehme ein Prinzip unserer Spielweise heraus und verdeutliche es mit Bildern und Videos“, erklärt der Coach. „Ich fordere die Spieler auf, nachzudenken. Ich erwarte, dass sie voll fokussiert sind.“ Im Trainingslager laufen die Sitzungen, die Bosz als „zweite tägliche Einheit“ bezeichnet, als Monolog – also klassischer Frontalunterricht. In den folgenden Wochen holt sich Bosz aber auch das Feedback seiner Spieler ein, um seine Ideen zu verfeinern und gegebenenfalls anzupassen.

Dass seine Methoden mit denen anderer Trainer verglichen werden, nimmt er gelassen. „Viele Wege führen nach Rom“, sagt er. Seiner sei nicht besser oder schlechter als andere. Aber es ist eben seiner.

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