Bayer 04 Leverkusen: Peter Bosz entfesselt die Flügelzange

Neuer Spielstil: Peter Bosz entfesselt Bayers Flügelzange

Drei Testspiele, drei Siege, 11:3 Tore – etwas mehr als eine Woche nach dem Amtsantritt von Trainer Peter Bosz wird klarer, in welche Richtung sich die Werkself entwickeln wird. Vor allem die Flügelspieler scheinen aufzublühen.

Für Peter Bosz waren die Testspielsiege gegen Twente Enschede (4:0), PEC Zwolle (3:1) und Preußen Münster (4:2) erkenntnisreich, aber ohne große Bedeutung. „Mir war wichtig, dass wir die Fehler aus dem ersten Spiel im zweiten und dritten Spiel nicht mehr machen“, sagte der Trainer der Werkself. Er habe genau das festgestellt und sprach daher von einer „guten Woche“ für sich und seine Mannschaft.

Auffällig bei den Tests war der Torhunger der Außenspieler. Leon Bailey traf drei Mal, Paulinho zwei Mal. Und im Grunde fielen fast alle Treffer durch Abschlüsse und Vorarbeiten über die Außenbahn. „Im modernen Fußball schießt nicht mehr nur der Stürmer die Tore“, betonte der Niederländer. „Man sieht mehr und mehr, wie die Spieler von außen in die Mitte kommen und den Abschluss suchen. Das haben wir auch bei uns gesehen.“

Das forcierte Angriffsspiel über die Außenbahn ist angesichts der seit Jahren stark besetzten Flügel bei Bayer 04 nicht unbedingt ein taktischer Paradigmenwechsel. Aber Bosz scheint zumindest die vorderste Reihe seines 4-3-3-Systems von defensiven Aufgaben weitgehend zu entbinden. Man könnte auch sagen: Er entfesselt die Offensivkraft von Bailey, Karim Bellarabi, Julian Brandt oder Paulinho.

Bailey ist damit mehr als zufrieden. Nach seinem Doppelpack betonte der Jamaikaner, wie wohl er sich mit der Spielweise des neuen Coaches fühle. „Das ist genau mein Spielstil. Ich bin ein Offensivspieler, der vorne den Unterschied ausmachen kann“, sagte der 21-Jährige. „Ich versuche immer, die gegnerische Defensive vor Probleme zu stellen. „Wir adaptieren das neue System schnell und auch, wenn noch viel Arbeit vor uns liegt, sind wir auf dem richtigen Weg.“ Der niederlandetypische Ansatz des pressingbetonten 4-3-3 liege ihm sehr. „Meine beste Position ist auf der rechten Seite. Wenn ich dort spiele, fühle ich mich sicher und habe das Gefühl, machen zu können, was immer ich will.“

Allerdings haben die Testspiele auch offenbart, dass es in der Abwehr noch einiger Feinjustierung bedarf. Boszs Stil ist offensiv, schnell und riskant. Durch das hohe Verteidigen entstehen bei Ballverlusten schnell brandgefährliche Kontersituationen. Dessen ist sich auch der 55-Jährige bewusst. „Es gibt noch einiges zu verbessern und wir werden daran arbeiten“, sagte er.

Derweil gab der Verein am Samstag bekannt, dass der bis Sommer datierte Vertrag mit Co-Trainer Xaver Zembrod bis Juni 2022 verlängert wurde. „Xaver hat seit seinem Amtsantritt ausgezeichnete Arbeit bei uns geleistet. Er hat ein hervorragendes Verhältnis zur Lizenzmannschaft und einen sehr guten Blick für unsere Talente aus dem Nachwuchsbereich“, erklärte Sportdirektor Simon Rolfes.

Für den 52-jährigen Zembrod bedeutet die Vertragsverlängerung „die Fortsetzung eines Vertrauensverhältnisses“. Der Werksklub sei ihm, der gemeinsam mit Tayfun Korkut im März 2017 unters Bayer-Kreuz gewechselt war, ans Herz gewachsen. Zembrod: „Ich fühle mich hier wohl und möchte künftig mit dem Klub noch einiges entwickeln und erreichen.“

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