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Bayer 04 Leverkusen pendelt zwischen Spektakel und Realismus

Veränderte Spielweise : Bayer 04 pendelt zwischen Spektakel und Realismus

Nur sieben Tage liegen zwischen Bayer Leverkusens 6:2 gegen Nizza und dem 0:1 in Prag. Am Sonntag geht es für die Werkself beim SC Freiburg weiter.

Für Lukas Hradecky war der Donnerstagabend in Prag ereignisreich. Erst verursachte er einen Elfmeter, den er allerdings inklusive Nachschuss parierte, dann wehrte er einen gefährlichen Distanzschuss zu einer Ecke ab, die Slavia das 1:0-Siegtor durch Peter Olayinka ermöglichte. Als „vogelwild“ beschrieb der Torwart seine Aktion vor dem Strafstoß, bei dem er sich „gottseidank selber gerettet“ habe. Aber eine Sache habe ihm gefallen: „Unsere Einstellung war gut. Wir sind nach der Roten Karte gegen Karim Bellarabi kompakt geblieben und haben kaum etwas zugelassen. Darauf können wir stolz sein.“

In der Tat wusste im zweiten Europa-League-Gruppenspiel vor allem die Defensive der Werkself zu überzeugen – und das trotz durchrotierter und nicht eingespielter Viererkette mit Wendell, Aleksandar Dragovic, Jonathan Tah und Tin Jedvaj. Ein Sonderlob für ihren Auftritt in Tschechien erteilte Bosz Tah und Jedvaj. Das täuscht aber nicht darüber hinweg, dass es im Spiel nach vorne an Spielwitz und Kreativität mangelte.

Das ist nach Aussage des Trainers auch eine Spätfolge des Verlustes von Kai Havertz an den FC Chelsea. Bosz gilt als Coach, der den offensiven Fußball liebt, Spektakel sehen und die Fans begeistern will – wenn auch inzwischen vor dem Bildschirm und nicht live im Stadion. Doch davon ist der Niederländer ein Stück weit abgerückt. „Es ist deutlich, dass das Spiel anders ist, wenn man ohne Kai Havertz spielt“, sagte er vor dem Sonntagsspiel beim SC Freiburg (15.30 Uhr). „Das bedeutet, dass wir nach vorne weniger Kreativität haben, aber in der Defensive stärker sind, weil er weniger nach hinten gearbeitet hat.“ Es gehe darum, welche Spieler man zur Verfügung habe. „Und daraus muss man das Maximale herausholen“, betonte der 56-Jährige.

Doch wo liegt das Maximum? Wohl irgendwo in der Mitte zwischen dem 6:2 gegen Nizza und dem 0:1 in Prag. „Wir müssen unsere Spielweise in der Offensive nicht zurückschrauben, aber anders angehen“, erklärte Bosz. „Als Fußballliebhaber hat man am liebsten 50 Torchancen und Spektakel, aber auf der anderen Seite muss man realistisch sein.“ Subtext: Bei weniger Kreativität muss eben ein kontrollierter, geduldiger Ansatz her, um gegnerische Defensivreihen zu überwinden.

In Freiburg wartet die nächste gut organisierte Mannschaft darauf, Bayers Angreifern das Leben schwer zu machen. Nicht mit dabei sind Santiago Arias (Wadenbeinbruch) Paulinho (Reha nach Kreuzbandriss), Charles Aránguiz (Achillessehnenreizung) und Patrik Schick (Trainingsrückstand nach Faserriss). Hinter Lars Bender (Nackenprobleme) steht noch ein Fragezeichen, Exequiel Palacios (Erkältung) dürfte in den Kader zurückkehren.

„Es geht darum, dass wir ein Tor mehr machen als der Gegner. Das kann ein 4:3 oder ein 1:0 sein“, sagte Bosz. Von mangelnden Optionen in der Offensive will er nichts wissen: „Wir haben die Qualität – auch gegen tief stehende Mannschaften“, betonte er. „Das wird kein Problem sein.“