Bayer 04 Leverkusen: Paulinho setzte erst Akzente

Siegtor im Testspiel : Paulinho setzt erste Akzente

Der 18-jährige Brasilianer von Bayer 04 kommt nach Anlaufschwierigkeiten immer besser in Fahrt. Beim Testspielsieg gegen Ajax Amsterdam köpft Paulinho nach der Pause den Siegtreffer – und überzeugt auf ungewohnter Position.

Es war einer der schönsten Spielzüge der gesamten Partie. Nach Pass von Isaac Kiese Thelin behauptete Lucas Alario den Ball stark gegen einen herangeilten Ajax-Profi, spitzelte das Spielgerät zu Sam Schreck weiter, der dann wiederum Karim Bellarabi auf der Außenbahn fand. Der Torschütze zum 1:1-Ausgleich umkurvte gleich zwei Amsterdamer und chippte den Ball in den Strafraum, wo dieser einmal aufstolzte und Paulinho ihn schließlich mit Geschick und etwas Fortune per Kopf über die Linie beförderte. Sein 2:1 (1:1)-Siegtreffer im Test gegen Ajax Amsterdam war ein weiterer Beweis dafür, dass das brasilianische Talent langsam aber sicher Fuß im Rheinland fasst.

Bereits am vergangenen Sonntag, beim 1:3 der Werkself gegen Werder Bremen, deutete Paulinho nach seiner Einwechslung an, was für Qualitäten er mitbringt. „Es war ein guter Einsatz von ihm“, lobte Simon Rolfes. Leverkusens Sportdirektor betonte, dass der 18-Jährige für Belebung gesorgt habe. „Er kommt immer besser hier an, aber wir müssen ihm auch Zeit geben.“ Sein erstes halbes Jahr unter dem Bayer-Kreuz verbrachte der im Sommer für 18,5 Millionen Euro ins Rheinland gewechselte brasilianische U-Nationalspieler zumeist auf der Ersatzbank. Keine 90 Minuten ließ ihn Bayers Ex-Trainer Heiko Herrlich in der gesamten Hinrunde in der Liga spielen. Lediglich in der Europa League durfte sich Paulinho des Öfteren beweisen – mit mäßigem Erfolg.

Wendell sprach seinem sieben Jahre jüngeren Landsmann nach dem Bremen-Auftritt Mut zu. „Jetzt wird er vielleicht mit mehr Selbstvertrauen spielen“, erklärte Bayers Linksverteidiger. „In der Bundesliga ist die Intensität viel höher als in Brasilien, aber Paulinho wird jetzt immer besser.“ Der junge Profi sei zwar zuletzt „ein bisschen traurig“ darüber gewesen, nur selten eingesetzt worden zu sein, doch er könne es nachvollziehen. Wendell: „Die gute Halbzeit gegen Bremen hat seine Stimmung verbessert. Er muss lernen, dass ihm alle vertrauen, auch der Trainer.“

Bislang kam Paulinho vorangig auf den Flügelpositionen zum Einsatz. Beim Test gegen eine B-Elf des niederländischen Rekordmeister ließ ihn Trainer Peter Bosz auf den Halbpositionen im offensiven Mittelfeld spielen. Nach zwei Ballverlusten zu Beginn der Begenung pfiff Bosz seinen Schützling zusammen. Unzufrieden war der Bayer-Coach mit der Leistung seines jungen Profis, der sich anschließend steigerte, aber nicht. „Er hat keine Ahnung, wie er das machen muss, weil es das erste Mal auf dieser Position war. Aber das ist kein Problem.“

Der 55-Jährige kann sich vorstellen, Paulinho künftig öfter in der Offensivzentrale spielen zu lassen. Bosz: „Ich sehe Paulinho auch in Zukunft als Option für das Mittelfeld.“ Die Konkurrenz für den Brasilianer ist jedoch groß. Julian Brandt und Kai Havertz harmonieren gut auf den Achterpositionen, auf den Außenbahnen sind Leon Bailey und Karim Bellarabi derzeit gesetzt. Paulinho wird sich weiter anbieten müssen – so wie gegen Bremen und Amsterdam.

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