Bayer-Profi im Zwiespalt Amiri verwundert mit Wechsel-Wirrwarr

Leverkusen · Die Posse um den – vermutlich – endgültig gescheiterten Transfer von Bayer Leverkusens Mittelfeldspieler Nadiem Amiri zu Leeds United ist um ein weiteres Kapitel reicher. Stand jetzt droht dem 26-Jährigen eine Saison zwischen Bank und Tribüne.

 Will nicht zu Leeds United: Leverkusens Nadiem Amiri (l.).

Will nicht zu Leeds United: Leverkusens Nadiem Amiri (l.).

Foto: dpa/Marius Becker

Flankiert von Nationalparks und Grünanlagen gehört das 310 Kilometer nordwestlich von London gelegene Leeds zu den attraktivsten Metropolen Großbritanniens. Die größte Stadt in West-Yorkshire ist nach wie vor ein zentraler Anlaufpunkt für die Industrie, hat seinen Besuchern aber auch abseits davon viel zu bieten. Da wäre zum Beispiel die im viktorianischen Stil errichtete Corn Exchange, ein riesiges Shopping-Center im Herzen der Stadt, oder der mit einer Fläche von 700 Hektar zu einem der größten Grünflächen Europas zählende Roundhay Park. Hinzu kommen Ausflugsziele wie die am Flussufer der Aire gelegene Abtei Kirkstall sowie eine florierende Musik-, Kunst- und Theaterszene – und natürlich die Elland Road, die Heimspielstätte des dreifachen englischen Meisters Leeds United.

Mit all dem kann einer aber offenbar nicht wirklich etwas anfangen: Nadiem Amiri. Eigentlich hätte der Profi von Bayer 04 schon bald in dem 37.608 Zuschauer fassenden Stadion für die „Whites“ auflaufen sollen. Ex-Gladbach-Coach Daniel Farke, seit dieser Saison für United verantwortlich, wollte den 26-jährigen Mittelfeldspieler gerne verpflichten. Nachdem sich beide Klubs auf eine Ablöse von rund sechs Millionen Euro geeinigt hatten, soll Amiri Leeds zunächst zu-, und dann wieder abgesagt haben.

Am trainingsfreien Montag flog Amiri samt Entourage nun aber doch noch nach Nordengland, um sich die Stadt anzuschauen und mit den Klubverantwortlichen zu sprechen – nur um dann erneut abzulehnen und den Deal wohl endgültig platzen zu lassen. Am Dienstagvormittag stand der 2019 für rund neun Millionen Euro aus Hoffenheim unters Bayer-Kreuz gewechselte Profi bereits wieder mit der Werkself auf dem Trainingsplatz. Unter Trainer Xabi Alonso droht ihm nun ein Jahr zwischen Bank und Tribüne.

Aus sportlicher Sicht hätte ein Wechsel für Amiri durchaus Sinn ergeben. Leeds United gilt gemeinsam mit den Mit-Absteigern Leicester City und FC Southampton als Favorit auf den Aufstieg in die Premier League. Mit nur zwei Punkten aus den ersten drei Partien in der zweitklassigen Championship startete die Farke-Elf zwar schwach, bezwang am Wochenende nun aber den vorherigen Tabellenführer Ipswich Town. Mit einem geschätzten Kader-Marktwert von rund 212 Millionen Euro würde sich United in der Bundesliga auf Rang sieben einsortieren – knapp hinter Wolfsburg und noch vor Champions-League-Teilnehmer Union Berlin.

Im Gespräch war offenbar ein Vier-Jahres-Vertrag für Amiri, der finanziell wohl keine Abstriche hätte machen müssen und zudem deutlich mehr Spielpraxis bekommen hätte. Angesichts der jüngsten Verpflichtungen für Mittelfeld und Angriff beim Werksklub bleibt kaum noch Platz für den fünffachen deutschen Nationalspieler, der in Leverkusen immer wieder gute Phasen erlebte, sich aber nachhaltig keinen Stammplatz erarbeiten konnte.

Dem Vernehmen nach soll sich Amiri Sorgen gemacht haben, in Leeds womöglich länger als ein Jahr in der Zweitklassigkeit verweilen zu müssen. Zudem steht in zwei Wochen die Geburt seines ersten Kindes an, was ebenfalls in seine Entscheidung einfloss. Andererseits dürften die Interessenten auch im Sommer 2024 nach Vertragsende bei Bayer – und falls nicht doch noch ein Transfer mit einem anderen Klub bis Freitag zustande kommt – nicht gerade Schlange stehen.

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