Bayer 04 Leverkusen: Nach dem Derby ist vor dem Derby

Bayer 04 am Sonntag in Köln: Nach dem Derby ist vor dem Derby

Der 2:0-Sieg gegen Mönchengladbach ist Geschichte. Nun richtet sich der Fokus von Bayer 04 auf das nächste Nachbarschaftsduell am Sonntag in Köln. Martialische Töne kommen diesmal nicht aus dem Leverkusener Lager. Das war beim Hinspiel anders.

Nur etwas mehr als 13 Kilometer Luftlinie liegen zwischen der BayArena und dem RheinEnergie-Stadion. Sportlich trennen Leverkusen und Köln allerdings Welten: Während die Werkself mit 44 Punkten auf Rang vier liegt und die Segel Richtung Champions League setzt, taumeln die "Geißböcke" mit 17 Zählern als Tabellenletzter dem Abstieg aus der Bundesliga entgegen. Nach der 1:3-Niederlage in Bremen am Montag sind die realistischen Chancen der Domstädter auf den Klassenerhalt im Grunde nicht mehr messbar.

Die Favoritenrolle weißt Bayers Trainer Heiko Herrlich aber dennoch weit von sich. Er wähnt den FC "auf Augenhöhe" mit seiner Mannschaft. "Derbys laufen immer anders als gedacht. In so einem Spiel können sie natürlich viel gutmachen bei ihren Fans", sagt der 46-Jährige. Auch in Bremen hätten die Kölner nicht schlecht gespielt. "Sie haben durch individuelle Fehler die Chance verpasst, Punkte mitzunehmen." Das passe zu der schwierigen Situation in Köln. "Ich hatte nicht das Gefühl, dass da zwei Teams aus dem unteren Drittel spielen. Köln hat viel Qualität", betont der Coach und verweist auf die Europa-League-Teilnahme des Rivalen.

Das wurde auch im Hinspiel deutlich. Köln stand damals schon im Tabellenkeller, ging aber in Leverkusen in Führung und musste sich letztlich nur knapp mit 1:2 geschlagen geben. Damals sorgte Julian Brandt für einen Aufreger, als er vor dem Spiel vollmundig verkündete, dass man auf die Kölner "weiter drauftreten" müsse, wenn sie ohnehin schon am Boden lägen. Das hat freilich vielen Fans der Werkself gefallen, aber im Kölner Lager stießen die provokanten Aussagen des Nationalspielers naturgemäß auf wenig Gegenliebe.

Vor dem Rückspiel am Sonntag (15.30 Uhr) ist Brandt deutlich diplomatischer unterwegs: "Wir werden eine Mannschaft vorfinden, die sehr stark ist", sagte Brandt nach dem 2:0-Sieg gegen Mönchengladbach. Er erwarte in Köln ein interessantes Spiel mit "viel Hitze". Aufgegeben hätten sich die Kollegen aus der Nachbarstadt noch lange nicht. "Es sind jetzt noch acht Bundesliga-Spiele, in denen man viele Punkte sammeln kann. Deswegen stehe ich dazu, dass es ein schweres Spiel wird. Sie werden alles geben, um uns zu schlagen."

Mit speziell gegen ihn gerichteten Anfeindungen der Heimfans rechnet Brandt nicht. Er gehe "ganz normal" in die Partie. Beim Länderspiel in Köln gegen Frankreich im November habe es ebenfalls keine Pfiffe gegen ihn gegeben. "Ich weiß nicht, ob sie nachtragend sind, aber ich denke nicht." Bei einer Sache ist er sich allerdings vollkommen Sicher: "Ich werde alles versuchen, damit wir das Spiel gewinnen. Es geht nicht um mich, sondern um die Mannschaft." Weiter kontinuierlich Punkte sammeln und sich nachhaltig in den Champions-League-Rängen festsetzen sei die Mission in der Nachbarstadt.

Die ist auch ohne die obligatorische Derby-Folklore schwierig genug. Nach wie vor geht es im oberen Tabellendrittel eng zu. Hinter dem längst einteilten Rekordmeister aus München (66 Punkte) kämpfen weiterhin vor allem sechs Teams um einen der begehrten Plätze, die für die Königsklasse qualifizieren. Hinter Bayer lauern Frankfurt (42), Leipzig (40) und Hoffenheim (38), davor stehen Dortmund (45) sowie der FC Schalke (46).

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(RP)
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