Bayer 04 Leverkusen: Mit Fleiß gegen den Ziehharmonika-Effekt

Bayer will weniger Räume bieten: Mit Fleiß gegen den Ziehharmonika-Effekt

Am Samstag empfängt Bayer 04 Borussia Mönchengladbach zum Derby. Trainer Heiko Herrlich mahnt, nicht die Fehler der vergangenen Partien zu wiederholen. Mit Disziplin und Konzentration soll die aktuelle Heimschwäche behoben werden.

Wenn Heiko Herrlich über Fußball spricht, greift er gerne zu bildhaften Vergleichen. Beim 2:1-Sieg in Wolfsburg habe sein Team in der Schlussphase zu viel zugelassen, resümierte der Trainer der Werkself: "Wir sind in der Tiefe auseinandergegangen wie eine Ziehharmonika - und in der Breite auch." In den so entstandenden Räumen hätte problemlos auch ein Hubschrauber landen können, sagt Herrlich. Im Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach (18.30 Uhr) dürfe sich seine Mannschaft keine Fehler dieser Art leisten. "Der Fleiß in der Defensivarbeit darf über 90 Minuten zu keinem Zeitpunkt nachlassen", fordert er. Auch beim 0:2 gegen den FC Schalke sei das großzügige Gewähren von Freiräumen ein kardinaler Fehler gewesen.

Der 46-Jährige weiß genau, warum er nun eindringlich vor der Elf vom Niederrhein warnt. Zu lebendig sind die Erinnerungen an den knappen 1:0-Erfolg im Pokal kurz vor Weihnachten, bei dem sich Herrlich eine slapstickartige Flugeinlage an der Seitenlinie leistete. Die Schwalbe brachte ihm eine Geldstrafe in Höhe von 12.000 Euro ein - und reichlich Spott. Gladbach war im Dezember über weite Strecken die bessere Mannschaft und kreierte eine Vielzahl an Chancen, doch am Ende bejubelte die Werkself durch einen Treffer von Leon Bailey den Einzug ins Viertelfinale. "Gladbach hat momentan eine Durststrecke, was die Ergebnisse angeht. Aber sie sind auf Augenhöhe mit uns."

Die Borussia, für die Herrlich einst selbst die Fußballschuhe schnürte, sei trotz des derzeitigen Sechs-Punkte-Abstandes in der Tabelle ein "absoluter Mitkonkurrent" um das internationale Geschäft. Der 5:1-Sieg im Hinspiel sei kein Maßstab. Das Ergebnis sei damals zu hoch ausgefallen, nachdem sich Bailey, Brandt und Co. in einen Rausch gespielt hatten. Im Gegensatz zu seinem von Verletzungspech geplagten Pendant Dieter Hecking kann Herrlich personell aus dem Vollen schöpfen. Nur Tin Jedvaj fällt aus.

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Für die Werkself geht es gegen Mönchengladbach nicht nur darum, den Abstand zu vergrößern. Auch die jüngste Heimschwäche soll behoben werden. Von vier Partien in der BayArena in diesem Jahr gingen drei verloren - gegen München, Berlin und Schalke. Neben dem von ihm bemängelten Ziehharmonika-Effekt beim Gegentor in Wolfsburg kann Herrlich dem 2:1-Sieg in Niedersachsen aber auch Positives abgewinnen. Das 2:0 durch Julian Brandt nach kongenialem Zusammenspiel mit Lucas Alario sei etwas für Feinschmecker gewesen: "So was sieht man normalerweise nur in der spanischen Liga, wenn Lionel Messi im Gegnerischen Straffraum ist."

Diese Szene entsprach dann wohl der kreativen Kür zwischen all der Fleißarbeit im Räumeverdichten - und heute Abend ist beides gefragt.

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(RP)