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Bayer 04 Leverkusen: Marwin Hitz raubt den Sieg

Bayer Leverkusen : Augsburgs Torwart raubt Bayer den Sieg

In der Nachspielzeit trifft Marwin Hitz zum 2:2 gegen Leverkusen. Er ist erst der dritte Torhüter in der Geschichte der Bundesliga, der einen Treffer aus dem Spielverlauf erzielt.

SGL-Arena Augsburg, 17.20 Uhr am Samstagabend. Roger Schmidt dreht sich mit sorgenvoller Miene vom Spielfeld ab und geht Richtung Trainerbank. Es wirkt so, als ahne der Trainer von Bayer 04 Leverkusen was gleich kommen würde. 60 Minuten hatte sein Team den FC Augsburg im Griff gehabt, strauchelte kurz, führte schließlich verdient mit 2:1 und hatte zig Gelegenheiten das Spiel zu entscheiden. 93 Minuten sind gespielt, als Schmidt sich wieder umdreht, sieht, wie ein Eckball des FCA zunächst abgewehrt wird und die zweite Flanke vom Knie von Simon Rolfes unglücklich vor die Füße des nach vorne aufgerückten Augsburger Torhüters Marwin Hitz springt. Dann muss der Trainer mitanschauen, wie der Schweizer Keeper den Torjägerinstinkt zeigt, der seinem Team wieder einmal völlig abging.

Hitz schreibt mit seinem satten Schuss zum späten 2:2 Bundesliga-Geschichte als erst dritter Torhüter, dem ein Treffer aus dem Spiel heraus gelingt. Einzig Jens Lehmann (1997) und Frank Rost (2002) war dies zuvor gelungen. Die Augsburger Spieler und Trainer Markus Weinzierl rennen wild jubelnd über den Platz, während die Leverkusener nach dem 4:5 gegen Wolfsburg zum zweiten Mal in Folge ein schmerzhaftes Tor in der Nachspielzeit hinnehmen müssen. Am Ende kann Bayer sogar noch für den Punkt dankbar sein, da Halil Altintop in der 95. Minute beinahe noch den Augsburger Siegtreffer erzielt. Nur der Pfosten verhindert das gegen paralysierte Leverkusener.

"Wir machen Fußballhelden. Ich wäre froh, wir würden mal eigene Helden machen", klagte Schmidt anschließend. Für die Werkself ist das Remis in mehrerer Hinsicht ein heftiger Nackenschlag. In der extrem gedrängten Bundesliga-Tabelle hätte Leverkusen mit einem Sieg an Augsburg vorbeiziehen, ein Zeichen im Kampf um die Champions-League-Plätze setzen können.

Noch wichtiger dürfte die psychologische Komponente sein. Auch wenn alle Verantwortlichen betonen, dass die anstehende Partie im Achtelfinale der Königsklasse gegen den spanischen Meister Atlético Madrid (Mittwoch, 20.45 Uhr, live im ZDF) gerade zur rechten Zeit komme. "Wir freuen uns auf Madrid. Die Champions League ist das Beste, was es gibt. Das wird uns helfen, das Augsburg-Spiel abzuhaken", sagte Schmidt. Im Bauch der Augsburger Arena war allerdings zu beobachten, dass einige Spieler an den Ereignissen heftig zu knabbern haben. Während sich die per Sonderzug angereisten Bayer-Fans für aggressive Unmutsbekundungen in Richtung der Akteure entschieden, entschlossen sich die Verantwortlichen umgehend für Streicheleinheiten als psychologische Schnellhilfe. "Man kann der Mannschaft nur einen Vorwurf machen: die guten Angriffe, besser zu Ende zu spielen", sagte Sportdirektor Rudi Völler und fügte hinzu: "Wir müssen in dieser Art und Weise weiterspielen". Dieser sanfte Umgang überraschte doch etwas. Nach der Niederlage gegen Bremen vor zwei Wochen hieß es, dass es nun vor allem um Ergebnisse ginge. Diese fährt Leverkusen aber weiterhin nicht ein. In der Rückrunde holte Bayer nur fünf von 15 möglichen Punkten. Für richtig Tacheles scheint die Zeit aber wohl dennoch noch nicht gekommen. Einzig Verteidiger Ömer Toprak sagte: "Es muss alles besser werden."

(RP)