Bayers Nummer eins Kapitän Hradecky wird zum Risikofaktor

München · Bayer Leverkusens Torhüter Lukas Hradecky strahlt aktuell viel Unsicherheit aus. Geschäftsführer Fernando Carro stärkt dem Finnen den Rücken – mit einem Aber.

Bayers Nummer eins Lukas Hradecky kniet enttäuscht von sich selbst auf dem Rasen der Münchner Arena.

Bayers Nummer eins Lukas Hradecky kniet enttäuscht von sich selbst auf dem Rasen der Münchner Arena.

Foto: IMAGO/ULMER Pressebildagentur/IMAGO/ULMER

Thomas Müller war die Situation sichtlich unangenehm. Gleich zwei Mal hob der Bayern-Profi entschuldigend die Hand in Richtung von Lukas Hradecky. Der Keeper von Bayer 04 hatte den deutschen Nationalspieler soeben mit einem slapstickartigen Ausrutscher vor dem eigenen Kasten eingeladen, den 4:0-Endstand für München gegen Leverkusen zu erzielen. Für den Finnen war es der zweite Patzer an einem insgesamt gebrauchten Abend. Baustellen gibt es aus Sicht des Werksklubs aktuell viele – und die Torhüterposition ist eine davon.

Die Saison hätte aus Sicht des Schlussmanns, der 2018 aus Frankfurt unters Bayer-Kreuz wechselte und rasch zum Fanliebling wurde, kaum schlechter beginnen können. Gleich vier Mal musste er beim blamablen Pokal-Aus in Elversberg hinter sich greifen. Auch den Ligastart in Dortmund setzte Leverkusen mit 0:1 in den Sand. Hradecky sah in der Nachspielzeit – auch aufgrund mangelnder Regelkenntnis, wie er später einräumte – die Rote Karte wegen eines Handspiels außerhalb des Strafraums. Nach einer Partie Sperre stand der Kapitän wieder zwischen den Pfosten, nur um in einer Halbzeit drei Treffer von Hoffenheim eingeschenkt zu bekommen.

Zum Auftakt in die Champions League lief es nicht besser für den Schlussmann. Bei der 0:1-Niederlage in Brügge fiel Hradecky mit dem eigentlich bereits gehaltenen Ball ins Tor. Nach zwei ordentlichen bis guten Auftritten bei Hertha BSC (2:2) und gegen Atlético Madrid (2:0) sah der Kapitän der Werkself beim späten Ausgleich zum 1:1 gegen Bremen erneut nicht gut aus – und nun die beiden Patzer gegen die Bayern. Erst ließ der Keeper beim 0:2 das kurze Eck viel zu weit offen, was Jamal Musiala erkannte und zu nutzen wusste, dann die Szene mit Thomas Müller.

Bundesliga 22/23: FC Bayern gegen Bayer 04 - die Werkself in der Einzelkritik​
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FC Bayern - Bayer 04: die Werkself in der Einzelkritik

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„Individuelle Fehler gibt es immer, aber bei einem Torwart merkt man diese natürlich radikaler“, sagte Geschäftsführer Fernando Carro im „Doppelpass“ bei Sport1. „Wir stehen hinter ihm, aber es ist natürlich sehr ärgerlich, dass Fehler des Torwarts am Ende für die Ergebnisse so viel bedeuten. Das gehört zum Fußball dazu. Aber in der Häufigkeit und in der Konzentration ist das eigentlich nicht zu akzeptieren. Eine Mannschaft ist ein sensibles Gebilde. Wenn du in so eine Spirale kommst, lässt das Selbstvertrauen nach.“ Bayers Kapitän soll die Mannschaft eigentlich führen, braucht aber aktuell selbst Führung – ein Zustand, der die aktuelle Krise der Werkself verschärft. Hradecky ist freilich nicht der einzige Problemfall im Team von Trainer Gerardo Seoane, aber alleine schon wegen seines Amtes ein besonderer.

Auch der Coach steht nach dem 0:4 beim Rekordmeister erneut im Fokus. Carro gab zwar an, dass man mit Seoane die Wende schaffen wolle und weiterhin an die Fähigkeiten des Schweizers glaube, allerdings schloss er bei seiner Forderung nach besseren Ergebnissen die Möglichkeit eines zeitnahen Trainerwechsels nicht aus: „Wir sind nicht blauäugig. Und wir sind vorbereitet.“

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