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Bayer 04 Leverkusen: Lukas Hradecky lobt Gerardo Seoanes Autorität

Lukas Hradecky lobt Bayer-Coach : „Gerardo Seoanes Autorität wird uns guttun“

Die Nummer eins der Werkself spricht über die EM-Teilnahme mit Finnland, Bayers neuen Trainer Gerardo Seoane und das perfekte Karriereende.

Herr Hradecky, hinter Ihnen liegt eine lange Saison inklusive EM-Teilnahme. Was spornt Sie an, wieder voll einzusteigen?

Lukas Hradecky Ich bin ehrlich: Meine Motivation hat während des Corona-Lockdowns und den vielen Spielen vor leeren Rängen schon stark gelitten. Die Euro war dann ein solches Highlight, da hätte ich am liebsten einfach weitergespielt. Das Turnier hat einen Riesenhunger in mir geweckt. Ich bin jetzt schon fast zwei Jahrzehnte mit dem Fußball verheiratet und jetzt habe ich mich neu in den Fußball verliebt.

Sie waren dabei als Dänemarks Christian Eriksen wiederbelebt werden musste. Wie haben Sie die Situation erlebt?

Hradecky Er lag in unserer Hälfe an der Seitenlinie und ich habe recht schnell erkannt, dass etwas nicht stimmt. Das war psychisch und physisch schwer zu verkraften. Das Wichtigste ist, dass er überlebt hat. Einige Spieler wie Dänemarks Simon Kjaer standen richtig unter Schock. Das Spiel abzubrechen, wäre aus menschlicher Sicht sicher die beste Lösung gewesen. Den Helfern und Ärzten gebührt – wie bei der aktuellen Flutkatastrophe – großer Dank.

Was nehmen Sie aus der EM mit?

Hradecky Das eigene Land bei der ersten Endrunden-Teilnahme repräsentieren zu dürfen, war ein fantastisches Gefühl. Wir haben es alle genossen und persönlich habe ich auch ein ganz ordentliches Turnier gespielt. Die Menschen in Finnland haben uns gefeiert – so etwas hat es vorher nicht gegeben. Die Kinder wollten auf einmal nicht mehr Messi, Ronaldo oder Ibrahimovic auf ihren Trikots stehen haben, sondern Pukki, Arajuuri oder eben Hradecky.

Haben Sie die vergangene Saison mit Bayer inzwischen verarbeitet?

Hradecky Nach dem guten Start hat niemand damit gerechnet, dass wir in der Saison noch einmal den Trainer wechseln würden. Am Ende haben wir uns in die Europa League gerettet. Wobei „gerettet“ das entscheidende Wort ist. Die Europa League ist eigentlich nicht unser Anspruch. Ich mag Neuanfänge. Jetzt haben wir in Leverkusen einen neuen Trainer und auch das Gesicht der Mannschaft hat sich verändert. Verletzungen haben sicher auch eine Rolle gespielt.

Sie mussten im Frühjahr wegen Achillessehnenproblemen passen...

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Hradecky Zunächst dachte ich, dass ich nur ein paar Tage Ruhe bräuchte. Dann sagte mir ein Spezialist, dass ich um eine Operation nicht herumkäme und auch die EM verpassen würde. Zum Glück haben wir die richtige Lösung gefunden. Die Sehne ist inzwischen komplett geheilt.

Ihrem Ersatzmann Niklas Lomb sind in zwei Spielen folgenschwere Patzer unterlaufen. Leiden Sie in solchen Situationen mit?

Hradecky Wäre es mir selbst passiert, hätte es mir weniger wehgetan. Wir sind mehr Kollegen als Konkurrenten. Für Niklas war es eine sehr schwierige Phase. Er ist ein super Keeper und es hat natürlich nicht geholfen, dass er reinkam, als wir mit dem Team gerade eine schlechte Phase hatten. Persönlich hatte ich auch den ein oder anderen kleinen Fehler drin, nicht nur beim Spiel in Bielefeld. Ich brauche die Energie der Zuschauer, den Extra-Push, die Zusatzmotivation. Ich hoffe, dass wir das hinbekommen, und ein Teil der Zuschauer zurück in die Stadien darf.

Welchen Eindruck haben Sie vom neuen Trainer?

Hradecky Völlig unabhängig von seinen beiden Vorgängern: Seine Verpflichtung und seine Autorität werden uns guttun. Er macht einen sehr guten Eindruck und bringt Komponenten, die unsere Mannschaft braucht. Er ist streng, aber nicht überstreng. Alle müssen bereit sein, ihren Beitrag zu leisten und nicht zu meckern, wenn jemandem etwas nicht gefällt. Diese Einstellung müssen wir auch auf dem Platz an den Tag zu legen und ist das, was wir brauchen. Jeder muss sich für den anderen aufopfern.

Inwiefern wird sich der Fußball unter Seoane von dem unterscheiden, den die Werkself zuvor gezeigt hat?

Hradecky Ich denke nicht, dass sich der Fußball, den wir spielen werden, auf den ersten Blick krass unterscheiden wird. Vermutlich wird sich vor allem an den defensiven Grundprinzipien etwas ändern.

Sie sind jetzt 31 Jahre alt. Wie lange haben Sie vor, als Profi zu spielen?

Hradecky Wenn Sie mich im Frühling gefragt hätten, wären es sicher zwei Jahre weniger gewesen. (lacht) Mein Körper fühlt sich aber richtig gut an und ich spüre, dass ich hierhergehöre. Ich will weiter meinen Beitrag leisten, um mit diesem wunderschönen Klub Erfolg zu haben und wieder die Königsklasse zu erreichen. In meiner ersten Champions-League-Saison habe ich mir selbst nicht so gut gefallen. Ich will dieses Erlebnis noch einmal haben und es besser machen. Mein Vertrag in Leverkusen läuft noch zwei Jahre. Ob Bayer 04 mich darüber hinaus behalten will, wird die Zukunft zeigen.

Wie sähe Ihr perfektes Karriereende aus?

Hradecky Bis ich 35 oder 36 Jahre alt bin, will ich noch in der Bundesliga bleiben. Dann will ich noch ein, zwei Jahre in der finnischen Liga mit meinen Brüdern zusammenspielen. Diesen Plan haben wir im letzten gemeinsamen Urlaub konkretisiert. Das wäre ein schöner Abschied von meiner Karriere als Fußballer.