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Bayer 04 Leverkusen: Lukas Hradecky freut sich auf EM mit Finnland

Lukas Hradecky freut sich auf EM : „Ich hoffe, dass wir unterschätzt werden“

Bayers Torwart Lukas Hradecky blickt voller Vorfreude auf die Europameisterschaft. Finnland ist zum ersten Mal dabei – und der 31-Jährige rechnet sich in Gruppe B mit Belgien, Russland sowie Dänemark Chancen auf die K.o.-Runde aus.

Lukas Hradecky hat in seiner Karriere schon einiges erlebt. Mit Eintracht Frankfurt wurde er 2017 DFB-Pokalsieger, bei Bayer Leverkusen feierte er mit 29 Jahren sein Debüt in der Champions League. Er hat gepatzt, geglänzt, unzählige gute Sprüche bei Interviews rausgehauen und könnte ohne weiteres auch als Botschafter des Bieres Karriere machen, denn der Schlussmann lässt kaum eine Gelegenheit aus, sein Faible für kühlen Gerstensaft zu betonen. Jetzt nimmt Finnland erstmals an einer Europameisterschaft teil – und er ist die Nummer eins der „Huuhkajat“. Die Uhus. Das ist seit 2007 der Spitzname der finnischen Auswahl.

Damals spielte Hradeckys Heimatland in der EM-Qualifikation gegen Belgien. Die Partie plätscherte beim Stand von 0:0 ziemlich ereignisarm vor sich hin, doch dann sorgte ein Uhu für eine Spielunterbrechung. Der Greifvogel schwebte mit seiner imposanten Flügelspannweite von knapp zwei Metern im Tiefflug über den Rasen hinweg und ließ sich auf dem Querbalken des belgischen Tors nieder. Die Spieler hatten zu dem Zeitpunkt bereits den Rasen verlassen – zu einschüchternd waren wohl die scharfen Krallen des stattlichen Tiers. Ein paar Mal flog er zwischen den Toren hin und her, ehe er sich außerhalb des Spielfeldes niederließ.

Als die Partie wieder angepfiffen werden konnte, dauerte es nur wenige Minuten, ehe Finnland das 1:0 erzielte. Am Ende stand ein 2:0-Sieg. Der Vogel erhielt als Ableitung aus dem Gattungsnamen Bubo den Spitznamen „Bubi“ und wurde 2007 gar finnischer Ehrenbürger. Seitdem wurde er allerdings nicht mehr in einem Stadion gesichtet.

Für die EM-Quali hatte der Erfolg gegen Belgien damals noch nicht gereicht, aber immerhin gab es den neuen Spitznamen. Den sportlichen Erfolg holten die Finnen im November 2019 nach als sie sich erstmals für eine Endrunde qualifizierten. Es war ein 3:0-Erfolg gegen Liechtenstein, der den historischen Erfolg sicherte. Hinter Italien und Bosnien wurden die Skandinavier Dritter ihrer Gruppe – und ließen dabei Griechenland, Armenien sowie Liechtenstein hinter sich.

„Vielleicht sollten wir Bubi am 21. Juni nach St. Petersburg einladen“, sagt Hradecky und lacht. Dann spielt Finnland erneut gegen das mit Weltklassespielern wie Kevin De Bruyne und Romelu Lukaku gespickte Belgien (21 Uhr). Außerdem muss sich sein Team in Gruppe B mit Dänemark (12. Juni/18 Uhr) und Russland (16. Juni/15 Uhr) messen.

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Hradecky blickt voller Vorfreude auf das Turnier. Dass seine Mannschaft zu den krassen Außenseitern zählt, stört ihn nicht – im Gegenteil: „Ich hoffe, dass wir unterschätzt werden“, sagt Bayers Nummer eins. Finnland sei vor allem als Kollektiv extrem stark. „Wir hatten bestimmt schon bessere Mannschaften, was die individuelle Qualität angeht, aber was wir jetzt gerade für einen Teamgeist haben, ist unbeschreiblich“, schwärmt er. „Das ist mit Abstand der beste Zusammenhalt einer Mannschaft, den ich in meiner Karriere erlebt habe.“

In der Qualifikation habe Finnland zudem bewiesen, dass es ein ernstzunehmender Gegner sei. Zur Erinnerung: In sechs der zehn Gruppenspiele blieb Hradeckys Team ohne Gegentor. Der im Wesentlichen auf konsequenter Defensive und schnellen Kontern basierende Ansatz von Trainer Markku Kanerva war zwar nicht immer attraktiv, aber dafür äußerst effektiv. „Unser Selbstvertrauen ist groß. Wir sind schwer zu schlagen“, betont der 31-Jährige. „Wir wissen, dass wir jeder Mannschaft wehtun können und haben nichts zu verlieren.“ Den Finnen komme zudem die neue Regel zugute, dass auch die besten Gruppendritten ins Achtelfinale einziehen. „Mit Glück reicht uns ein Sieg“, sagt er. Ohnehin wertet Hradecky die Auftsockung auf 24 Mannschaften positiv. „Das hat es uns ermöglicht, von etwas Großem zu träumen und es sogar zu realisieren. Kleinere Nationen bereichern so ein Turnier. Es war großartig, was für eine Inspiration Wales oder Island schon gewesen sind. Das wollen wir auch schaffen.“

Als Stammkeeper von Bayer Leverkusen ist er so etwas wie der Star der Mannschaft. Vier Mal war er finnischer Fußballer des Jahres. Eine Berühmtheit ist er deswegen aber nicht in seinem Heimatland. „Ich kann immer noch ziemlich entspannt über die Straße gehen oder ein Bierchen trinken“, sagt er. „Vielleicht ändert sich das durch eine EM-Medaille.“ Die Frage, ob er früher auch daran gedacht habe, für sein Geburtsland Slowakei zu spielen, beantwortet er mit einem klaren Nein und Selbstironie: „Ich fühle mich zu 100 Prozent wie ein finnischer Fußballspieler. Dieser Baum mit Holz im Kopf ist in Finnland gewachsen.“