Bayer 04 Leverkusen: Lucas Alario ist der gefeierte Elfmeterdieb

Bayer-Angreifer überzeugt: Alario ist der gefeierte Elfmeterdieb

Mit einem Tor und einer Vorlage gehörte Lucas Alario zu den Gewinnern des Wolfsburg-Spiels. Der argentinische Stürmer empfahl sich für weitere Startelfeinsätze - auch, wenn er sich über eine Anweisung des Trainers hinwegsetzte.

Die Reihenfolge der Elfmeterschützen bei Bayer 04 ist klar festgelegt: Steht Wendell auf dem Platz, ist er der erste Schütze der Werkself. Davon ging der brasilianische Linksverteidiger auch in Wolfsburg aus, als Schiedsrichter Felix Zwayer nach einem unstrittigen Foul an Kai Havertz in der 31. Minute auf den Punkt zeigte. Lucas Alario, der seit rund eineinhalb Monaten auf seinen sechsten Liga-Treffer wartete, hatte jedoch andere Pläne. Der Argentinier beharrte darauf, den Strafstoß selbst zu schießen. Nach einem kurzen Disput mit Wendell setzte sich der Angreifer schließlich durch und verwandelte sicher zum 1:0 gegen VfL-Keeper Koen Casteels - und der Ärger um den Elfmeterklau war verflogen: Wendell gratulierte Alario als Erster zum Führungstreffer.

"Es ist ein Zeichen von Größe, dass Wendell ihm den Elfmeter überlassen hat", sagte Bayer-Trainer Heiko Herrlich nach dem 2:1 (1:0)-Erfolg beim VfL. Als ehemaliger Stürmer könne er die Aktion Alarios "ein Stück weit nachvollziehen". Bereits beim 2:0 gegen Mainz vor einigen Wochen hatten die beiden Südamerikaner um einen Strafstoß gerungen. Damals trat Wendell an. Herrlich: "Ich sehe es eher positiv. Wir haben dieses Jahr zwei Spieler, die sichere Schützen sind."

Vergangene Saison hatte sich die Werkself noch vom Punkt blamiert und wettbewerbsübergreifend nur sieben von 16 Elfmetern verwandelt. Julian Baumgartlinger, Ömer Toprak, Wendell, Kevin Volland und Hakan Calhanoglu scheiterten je einmal. Chicharito und Charles Aránguiz versagten sogar je zwei Mal die Nerven. In dieser Saison hat sich Bayer 04 bislang noch keinen Fehlschuss erlaubt: Wendell verwandelte alle drei Strafstöße, Alario seinen ersten und bislang einzigen in Wolfsburg.

Es ist ein gutes Signal für die Werkself, dass der im Sommer für 19 Millionen Euro aus River Plate unters Bayer-Kreuz gewechselte Stürmer wieder zu der Form findet, die ihn in seinen ersten Spielen auszeichnete. Zuletzt hatte er in Hoffenheim einen Doppelpack erzielt und blieb danach in sechs Liga-Partien ohne Erfolgserlebnis. Sowohl in Hamburg als auch gegen Schalke 04 brachte ihn Herrlich nur als Einwechselspieler. Jetzt leitete er den verdienten Sieg der Werkself ein.

Dass Bayer 04 als Sieger vom Platz ging, lag zum großen Teil am 25-jährigen Argentinier. Er hatte nach seinem Elfmetertreffer auch das 2:0 durch Julian Brandt mit einem doppelten Doppelpass mustergültig eingeleitet (78.). "Wir haben ein sehr gutes Spiel gemacht, die Kugel gut laufen lassen und uns viele Bälle durch Gegenpressing erobert. Mein Tor war wichtig und sollte Ruhe bringen, aber durch den schnellen Anschluss konnten wir uns nie sicher sein", sagte Torschütze Brandt. Ausgerechnet der im Winter gewechselte ehemalige Leverkusener Admir Mehmedi hatte den Treffer des Nationalspielers postwendendend gekontert (79.).

Kai Havertz, der ein starkes Spiel zeigte, sagte: "Wir haben gezeigt, dass wir viel Qualität haben." Doch dass Qualität nicht immer reicht, haben die vergangenen Wochen in der BayArena gezeigt. Die Werkself muss auch auf dem Platz beweisen, was sie kann - so wie Elfmeterdieb Lucas Alario in Wolfsburg.

(sb)
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