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Bayer 04 Leverkusen: Lucas Alario ist Bayers erstklassige zweite Wahl

Treffsicherer Torjäger : Lucas Alario ist Bayers erstklassige zweite Wahl

Der Argentinier überzeugt als formstarker Torjäger. An der Stürmerhierarchie in der Werkself ändert das aber wohl vorerst nichts. Trainer Peter Bosz vermeidet jedenfalls eine Einsatzgarantie.

Leverkusen Peter Bosz ist kein Trainer, der gerne über einzelne Spieler redet. Fragen nach den individuellen Leistungen seiner Profis beantwortet er meist mit Sätzen, die sich unter der Formel „Der Star ist die Mannschaft“ zusammenfassen lassen. Vor dem Ligaspiel gegen den FC Augsburg machte der Niederländer eine Ausnahme und lobte Lucas Alario in den höchsten Tönen. „Die Rolle, die Lucas sehr lange bei mir hatte, ist nicht einfach. Er hat regelmäßig gespielt, war aber kein Stammspieler“, sagte der Niederländer. „Aber wenn ich sehe, wie er da ist, wenn er da sein muss, kann ich nur sagen: großes Kompliment. Ich bin sehr zufrieden mit ihm.“

Diese Meinung dürfte sich nach dem 3:1 gegen den FC Augsburg verfestigt haben. Alario verwandelte einen Handelfmeter mit bemerkenswerter Präzision zum 1:0, glänzte überall auf dem Platz mit seiner Kopfballstärke, die Bayer auch das 2:1 bescherte, behauptete in einem intensiven Spiel viele Bälle und arbeitete fleißig nach hinten mit. Es war ein starker Auftritt des 28-Jährigen, der in dieser frühen Phase der Saison zu einer Art Lebensversicherung der Werkself avanciert ist.

In Mainz erzielte er den 1:0-Siegtreffer, gegen OGC Nizza das wichtige 2:0, nun ließ er einen Doppelpack gegen Augsburg folgen. Auch in der ersten Pokalrunde gegen Eintracht Norderstedt steuerte er einen Treffer zum 7:0 bei. Drei seiner bislang fünf Saisontore erzielte Alario mit dem Kopf. Augsburgs Trainer Heiko Herrlich nahm die Treffsicherheit des Argentiniers mit Humor. Er freue sich immer, wenn Spieler Tore erzielten, mit denen er zusammengearbeitet habe, sagte er, „aber es ist ärgerlich, dass es gegen uns war“, sagte der ehemalige Coach der Werskelf.

Trotz seiner Qualität, die Alario immer wieder unter Beweis stellt, ist er seit seinem Wechsel im Sommer 2017 von River Plate Buenos Aires zu Bayer 04 eher zweite als erste Wahl. Zunächst hatte er den in der Startelf gesetzten Kevin Volland vor sich und kam für seinen Geschmack zu selten zum Einsatz. Nach der ersten Saison in Leverkusen begann sein Berater damit, regemäßig Alarios Interesse an einem Wechsel zu streuen. Dass der Nationalspieler mit seiner Rolle als Edelreservist unzufrieden ist, gilt als verbrieft – auch wenn er in seinen seltenen Interviews stets den Dienst für die Mannschaft und nicht seine Eigeninteressen in den Vordergrund stellt. Auch das ist eine Qualität.

Volland ist inzwischen weg, doch Bayer verpflichtete in Patrik Schick dessen designierten Nachfolger. Alario bekam wieder einen Mittelstürmer vor die Nase gesetzt, für den er das Backup sein soll – und als solches war er überraschend schnell gefragt. Denn Schick zog sich kurz nach seinem ersten Bundesligator für Bayer 04 am dritten Spieltag in Stuttgart einen Faserriss zu. Inzwischen ist er wieder im individuellen Training. Alario nutzt die Gelegenheit bislang für prägnante Werbung in eigener Sache.

Doch an der internen Stürmerhierarchie wird sich vorerst wohl nichts ändern. Bosz schätzt Schicks spielerische Stärke und Geschwindigkeit, die ihn – bei allen Gemeinsamkeiten beider Torjäger – von Alario abheben. „Lucas ist jetzt gerade unser einziger Mittelstürmer und sehr wichtig für uns“, sagte Bosz nach dem Sieg gegen Augsburg und fügte an: „Was ich mache, wenn Patrik wieder da ist, werde ich aber zuerst mit den Spielern besprechen.“