Bayer 04 Leverkusen: Leon Bailey: „Ich bereue, was passiert ist“

Bayers Angreifer Leon Bailey im Interview : „Ich bereue, was passiert ist“

Leverkusens jamaikanischer Flügelstürmer flog in der Hinrunde der Bundesliga gleich zweimal vom Platz. Im Interview spricht Leon Bailey über Rote Karten und seinen Traum von der WM.

Herr Bailey, Sie haben eine turbulente Hinrunde hinter sich. Wie haben Sie ihren Urlaub verbracht?

Bailey Ich bin gut in das Jahr gekommen. Die Pause hat mir gutgetan. Ich war bei meiner Familie auf Jamaika, um den Kopf frei zu bekommen.

Muskelfaserriss, Rote Karte gegen Mönchengladbach, Doppelpack beim Auswärtssieg in München, dann wieder eine Rote Karte beim Derby in Köln – das reicht eigentlich für zwei Saisons. Wie schwierig ist es, nach so einem Halbjahr entspannen zu können?

Bailey Die erste Saisonhälfte war sehr verrückt für mich. Ich hatte ein paar gute, aber leider auch einige schlechte Momente. Das war nicht einfach. Trotzdem glaube ich, dass mich diese Erfahrungen noch stärker machen und ich viel daraus lernen kann. Am Ende wird das alles dazu beitragen, dass ich besser spiele.

Hatten Sie Verständnis dafür, dass Kapitän Lars Bender nach dem Platzverweis in Köln von Ihnen eine Entschuldigung bei der Mannschaft gefordert hat?

Bailey Natürlich musste ich mich dafür bei der Mannschaft entschuldigen. Das war mir auch wichtig. Wir sind eine Einheit und das Team sollte verstehen, wie ich die Situation sehe und das sie sehr hart auch für mich selbst war. Ich bereue, was passiert ist. Es war ein Fehler – vor allem in dem für die Fans so wichtigen Spiel in Köln, aber es war niemals eine böse Absicht dahinter. Es waren einfach ein paar sehr schlechte Reaktionen von mir. Aber jetzt ist alles wieder gut. In der Rückrunde will ich auf dem Platz gelassener und vor allem effizienter sein, damit wir unsere Ziele erreichen.

Ist es manchmal schwierig, auf dem Rasen und in der Hitze des Gefechts nicht die Nerven zu verlieren?

Bailey Eigentlich ist es für mich relativ einfach, cool zu bleiben – egal, wie sehr man auch vom Gegner provoziert wird. Aber in der vergangenen Saison hatte ich viele Aufs und Abs sowie einige Verletzungen. Das hat sich auch auf meinen Kopf und meine Psyche ausgewirkt. Deshalb war ich in der Hinrunde in den beiden Situationen übermotiviert und viel zu aggressiv.

Vor zwei Jahren haben Sie eine überragende Saison gespielt. Viele dachten, dass Sie das Zeug zum absoluten Topstar hätten. Doch danach stagnierte Ihre Entwicklung und die spielerische Selbstverständlichkeit war dahin. War es zu schnell zu viel des Guten?

Bailey Der damalige Hype um meine Person hat mir nichts ausgemacht. Es ging und geht immer um meine Leistung und meine Performance für die Mannschaft, nicht um das, was darüber gesagt oder geschrieben wird. Das ist kein Problem und beeindruckt mich nicht. Aber der Weg zum Erfolg ist nie eine gerade Linie. Immer wieder kommen Hindernisse dazwischen, die es zu überwinden gilt. Eine starke Persönlichkeit schafft es, sich von allen Tiefs zu erholen und zurück an die Spitze zu kommen. Dabei darf man sich auch nicht zu viele Sorgen um das Drumherum machen, sonst klappt das nicht.

Was können die Fans der Werkself 2020 von Ihnen und der Mannschaft erwarten?

Bailey Ich persönlich arbeite daran, zurück in meinen Flow zu finden und das zu tun, was ich am besten kann: Tore vorbereiten, Tore schießen und damit meiner Mannschaft bestmöglich helfen. In der Hinrunde haben wir ein paar Fehler gemacht und zu viele Punkte liegen lassen. Wenn wir unsere Spielweise aber immer voll durchziehen, werden wir weit kommen. Die Champions League zu erreichen, ist auf jeden Fall möglich – und auch unser Ziel.

Seit vergangenem Jahr sind Sie auch Teil von Jamaikas Nationalmannschaft. Was bedeutet das für Sie?

Bailey Für Jamaika zu spielen, ist mir sehr wichtig. Mein Heimatland ist keine Fußballnation und nicht bekannt dafür, viele große Spieler hervorzubringen. Ich bin sehr froh, dass ich dazu beitragen kann, meinem Land vielleicht auch einen Platz auf der Fußballkarte der Welt zu sichern. Zudem will ich den Kids in Jamaika zeigen, dass jeder eine Chance hat, nach oben zu kommen, wenn er daran glaubt und hart an sich arbeitet. In der Hinsicht sehe ich mich als Vorbild. Mein großes Ziel ist, mit Jamaika bei der nächsten Weltmeisterschaft dabei zu sein und auf diesem Weg voranzugehen. Ich glaube fest daran, dass wir das schaffen können.

Dafür fliegen Sie während der Saison mitunter um die ganze Welt und nehmen Stress und Jetlags in Kauf...

Bailey Der Reisestress für die Nationalmannschaft ist kein Problem. So ist das Leben als Fußballprofi. Wir sind so oder so sehr viel unterwegs. Ich kann daran nichts ändern und es ist meine Aufgabe, zu tun, was zu tun ist, um wieder fit für das nächste Spiel zu sein. Jetlags oder andere Probleme dürfen dabei keine Rolle spielen.

Sie sind ein Fußballer, der sich gerne in sozialen Medien wie Instagram inszeniert. Das sorgt mitunter auch für Kritik bei den Fans. Ist es Ihnen wichtig, sich selbst darzustellen?

Bailey Ich komme aus Jamaika, nicht aus Deutschland, Frankreich oder Belgien. Ich bin in einer komplett anderen Kultur aufgewachsen als ein Kind aus diesen Ländern. Deswegen mache ich die Dinge so, wie ich es für richtig halte – auch, wenn es vielleicht nicht jeder versteht. Das Wichtigste ist, dass ich mich damit wohlfühle, was ich mache und wie ich es tue. Am Ende des Tages wird es immer Menschen geben, die meinen Style oder meine Art nicht mögen. Aber ich bin so wie ich bin und das werde ich nicht für irgendwen ändern.

Wo sehen Sie sich in drei, vier Jahren?

Bailey Ich will weiterhin so wie jetzt auf dem höchsten Niveau Fußball spielen, mich Schritt für Schritt verbessern, vielleicht irgendwann auch bei einem der großen Top-Teams in Europa spielen und Titel gewinnen – und mit Jamaika bei der Weltmeisterschaft dabei sein. Das ist mein größtes Ziel.