Bayer 04 Leverkusen: Leon Bailey entscheidet sich für Jamaika

Bayer 04-Flügelflitzer beim Gold Cup : Leon Bailey legt Streit mit jamaikanischem Verband bei

Leon Bailey wird Teil der Nationalmannschaft Jamaikas. Mit reichlich Pathos verkündet der Flügelspieler via Instagram, in Zukunft alles für die „Reggae Boyz“ zu geben. Der Streit mit dem jamaikanischen Verband ist beigelegt.

Leon Bailey und die jamaikanische Nationalmannschaft – das ist eine komplizierte Geschichte. Im vergangenen Herbst schien die Beziehung zwischen Bayers kapriziösem Ausnahmekönner und dem Fußballverband seines Heimatlandes zerrüttet. Der 21-Jährige flog einmal um die Welt für sein Länderspieldebüt, weigerte sich dann aber wenige Stunden vor dem Anpfiff der Partie gegen Bonaire, für Jamaika aufzulaufen. Der Grund: Leverkusens Linksfuß forderte, dass sein jüngerer Halbbruder Kyle Butler, der beim österreichischen Zweitligisten FC Juniors OÖ spielt, ebenfalls dabei sein muss. Da der Verband diese Forderung nicht erfüllte, flog Bailey unverrichteter Dinge zurück – rund 16.000 Kilometer für nichts.

Doch nun scheint die an einen Erpressungsversuch erinnernde Farce vergeben und vergessen zu sein. Geradezu überschwänglich kündigte der Flügelspieler der Werkself via Instagram sein zweites Debüt für Jamaika an. „Ich bin begeistert, nach langer Zeit und vielen Schwierigkeiten mein Geburtsland zu repräsentieren. Es war ein steiniger Weg voller Hindernisse und Herausforderungen“, schreibt er. Sein Ziel sei es, Jamaika zur ersten WM-Teilnahme seit 1998 zu verhelfen. Es wäre das zweite Mal überhaupt, dass der karibische Inselstaat an dem Turnier teilnimmt. Er verspreche, die Farben seines Landes „mit Ehre, Stolz und Würde“ zu vertreten. Gleichzeitig wolle er Vorbild für „Kinder mit einem Traum“ sein.

Aus dem Text geht hervor, dass sein Halbbruder Kyle ebenfalls seinen Teil dazu beitrage. Es scheint also, als sei auch der im Vergleich zu Bailey eher mäßig talentierte Sohn seines bisweilen irrlichternen Beraters und Stiefvaters Craig Butler künftig Teil der Nationalmannschaft. Kyle Butler sei dankbar für die Chance, ließ der 21-Jährige verlauten, der in dieser Saison lediglich eine Minute in der zweiten Liga Österreichs zum Einsatz kam. „Jamaika ist in meinem Herzen und meiner Seele“, betonte der offensive Mittelfeldspieler. Er werde alles für die Farben seines Heimatlandes geben.

Somit ist die Werkself um einen Nationalspieler reicher. Den Endspurt in der Bundesliga verpasste Bailey wegen einer Muskelverletzung im Oberschenkel. In der abgelaufenen Saison kam er mit Bayer 04 auf fünf Tore und fünf Vorlagen in 39 Pflichtspielen. Bis zum „Gold Cup“, der kontinentalen Meisterschaft für Nord- und Mittelamerika sowie der Karibik, dürfte er genesen sein (16. Juni bis 8. Juli). Jamaikas erste Partie könnte kaum einen passenderen Austragungsort für sein Länderspieldebüt haben: In seiner Geburtsstadt Kingston geht es mit den „Reggae Boyz“ gegen Honduras.

Bislang spielte Bailey nur eine Partie für die U23 seines Heimatlandes. Dass er sich für Jamaika entschieden hat, ist auch das Ende der Spekulationen, für welche Nation der Flügelstürmer wohl spielen könnte. Zunächst hieß es, dass er für England antreten könne, weil seine Großeltern Engländer seien. Weil die allerdings nicht auf der Insel geboren sind, zerschlug sich diese Möglichkeit. Auch eine Einbürgerung in Deutschland war Thema, aber nie eine ernsthafte Option. Geht es nach Craig Butler, ist jedenfalls nicht nur Jamaikas WM-Teilnahme möglich, sondern – dank seiner Schützlinge – auch der Titel. Bis dahin ist es aber freilich ein sehr weiter Weg.

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