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Bayer 04 Leverkusen: Lars Bender verabschiedet sich mit großen Worten

„Nicht spalten lassen“ : Lars Bender geht mit großen Worten

Nach dem letzten Schlusspfiff seiner Karriere spannte Bayer Leverkusens Lars Bender einen großen Bogen zwischen Fußball und Gesellschaft. Seine Worte zeigen, wie sehr Persönlichkeiten wie er und sein Bruder Sven dem Profigeschäft in Zukunft fehlen werden.

Lars Benders letzte Bundesligaminuten verliefen beinahe wie im Märchen. Obwohl der 32-Jährige vor einigen Wochen ausgeschlossen hatte, dass er nach seiner Operation am Meniskus nebst zäher, nicht zum erhofften Erfolg führenden Rehe noch einmal spielen, kam es anders. Beim Stand von 0:3 aus Leverkusener Sicht betrat Bayers Klubikone den Dortmunder Rasen – als Einwechselspieler für seinen Bruder Sven, der ebenfalls die Fußballschuhe an den Nagel hängt. Dass beinahe zeitgleich ein Foul an Patrik Schick im Dortmunder Strafraum mit einem Elfmeterpfiff geahndet wurde, passte perfekt: Bender trat an und versenkte den Ball zum 1:3-Endstand. BVB-Schlussmann Roman Bürki verzichtete auf eine ernsthafte Parade.

Es war nicht die einzige schöne Geste eines Nachmittags voller Abschiede. Hannes Wolf, der Lars Bender einen letzten großen Auftritt gönnte, bleibt nicht Trainer der Werkself. Der Interimscoach geht nach der erfüllten Mission, Platz sechs und damit die Europa-League-Qualifikation zu sichern, höchstwahrscheinlich zurück zum DFB. Sein Dortmunder Pendant und guter Freund Edin Terzic tritt nach dem Pokalsieg sowie der geschafften Champions-League-Qualifikation vorerst wieder in die zweite Reihe. Schiedsrichter Manuel Gräfe, einer der beliebtesten Vertreter seiner Zunft, griff ein letztes Mal in der Bundesliga zur Pfeife – und auch Lukasz Piszczek wurde in Dortmund verabschiedet.

Die Bender-Brüder standen nach dem Schlusspfiff im Dauerregen zum Interview bereit und wirkten zunächst ein wenig verloren. Nach 15 Jahren im Profifußball war es für sie sichtbar nicht einfach, ihre Emotionen in Worte zu fassen. Sie bedanken sich bei ihren Eltern und ihrer Familie, die auf viel verzichtet hätten, damit sich ihre Söhne ihren Traum erfüllen können. Überhaupt wirkte es so als würden die beiden erst in diesem Moment realisieren, dass jetzt ein komplett neuer Lebensabschnitt für sie beginnt.

„So kurz nach dem Abpfiff ist es schwer, gefühlt ein ganzes Leben zusammenzufassen. Ich muss erstmal umstellen, dass noch so viel Lebensstrecke zu gehen ist“, sagte Lars Bender. „Da stecken so viele Emotionen und Erinnerungen drin, die wir jetzt mitnehmen – das ist heftig.“ Seine kurzfristigen Pläne nach dem Karriereende umschreibt der gebürtige Rosenheimer so: „Jetzt werden wir erstmal ein paar anständige Weißbier trinken. Es gibt viele Menschen, die darauf warten, mit uns anzustoßen.“ Jetzt sei so etwas ja möglich.

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Sein Bruder Sven stand zunächst schweigend daneben und stimmte zu. „Ich rede normalerweise gerne und viel, aber es gibt Momente, da bleibt mir die Sprache weg. Heute ist so ein Tag“, sagte er. Und als Sky-Reporter Ulli Potofski die Benders schon von dem nasskühlen Wetter erlösen und sie in die Kabinen verabschieden wollte, setzte Lars Bender zu einer letzten großen Ansprache als Profifußballer an.

„Eine Fußballmannschaft ist ein Sinnbild dafür, wie eine Gesellschaft aussehen sollte: zusammenzustehen, einer für den anderen einzustehen und gemeinsam ein Ziel zu haben“, betonte der 32-Jährige. „Und es ist völlig egal, wer da neben dir sitzt, wie er aussieht, wo er herkommt, welche Religion und was für Ansichten er hat oder welcher Kultur er entspringt – zusammenstehen und nicht spalten lassen ist die Botschaft, die ich raushängen möchte. Das ist das, was ich aus meiner Karriere mitnehme. Das ist das Wichtigste.“