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Bayer 04 Leverkusen: Lars Bender sagt leise Servus

„Werde definitiv nicht mehr spielen“ : Bayers Leitwolf Lars Bender sagt leise Servus

Nach 15 Jahren im Profifußball beendet Lars Bender seine Karriere. Ein würdiger Abschied bleibt ihm wegen seiner Verletzung und der Pandemie verwehrt. Seinen Entschluss bereut er dennoch keine Sekunde.

Wann genau Lars Bender einen Klos im Hals haben wird, weiß er nicht. Es könnte der Moment sein, wenn das letzte Saisonspiel in Dortmund abgepfiffen ist. Oder, wenn er ein letztes Mal in der BayArena ist, um seinen Spind zu räumen. Sicher ist, dass er nicht vor vollen Rängen stehen wird, gefeiert von Fans und mit Tränen in den Augen. „Es werden emotionale Momente kommen, das ist ganz klar“, sagt der 32-Jährige, der wie sein Zwillingsbruder Sven im Sommer seine Karriere beendet. „Das passiert, wenn nach all den Jahren so viel da drin steckt – nicht nur von uns, sondern auch vom Verein, von den Fans und den Mitspielern.“

Nach 15 Jahren im Profifußball ist es freilich ein unwürdiges Ende, ohne Sang und Klang verabschiedet zu werden. Die Pandemie ist ein Grund, der andere ist die Knieverletzung, die es ihm unmöglich macht, in dieser Saison noch einmal auf dem Platz zu stehen. „Ich werde definitiv nicht mehr spielen“, sagt Bender. „Das Risiko ist zu groß und das Knie hat sich leider nicht so entwickelt, wie wir es uns erhofft hatten.“ Im Februar unterzog er sich einer Operation am rechten Außenmeniskus. „Das ist nicht der Ausklang einer Karriere, den man sich wünscht, aber ich glaube, was wir gerade erleben, wird der ganzen Geschichte so oder so nicht gerecht“, sagt Bender mit Blick auf die Pandemie und ihre Folgen.

Seine Verletzungsgeschichte ist der Hauptgrund, warum der gebürtige Rosenheimer die Fußballschuhe an den Nagel hängt. Als er und sein Bruder im Dezember 2020 die Entscheidung verkündet hatten, war vom „Raubbau am eigenen Körper“ die Rede, von den Schmerzen, von den Mühen, nach Rückschlägen immer wieder fit zu werden, sich heranzukämpfen, weiterzumachen. „Wir haben einige Körner gelassen“, sagt der ehemalige Kapitän der Werkself. „Man hat nur den einen Körper und da sollte man keine Experimente machen, wie weit man letztlich gehen kann.“ Er habe zudem „keinen Bock mehr, in Rehas rumzueiern“ und Spiele nur noch von außen zu erleben, betont der 19-malige Nationalspieler.

Er habe immer 100 Prozent gegeben, in jedem Training, in jeder Partie Spiel. Ratschläge, mit Rücksicht auf die Gesundheit hin und wieder kürzer zu treten, konnte der 32-Jährige nicht befolgen. „Wer uns kennt weiß, dass es uns nur ganz gibt – oder gar nicht.“ Insofern sei es weder für ihn noch für seinen Bruder denkbar gewesen, die Laufbahn künstlich in die Länge zu ziehen. „Wir haben immer gesagt, dass wir auf dem Platz alles geben, was wir können. Dem haben wir Tribut gezollt und dewegen sind wir zu dem Entschluss gekommen.“

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Die Benders stehen für eine vom Aussterben bedrohte Art des Profifußballers. Sie wirken in Interviews reflektiert und überlegt, gelten auf und neben dem Platz als absolute Vorbilder, Kämpfernaturen, Führungspersönlichkeiten und Mentalitätsmonster. Die Teils gnadenlose Selbstdarstellung einiger Profis in sozialen Medien – mit Diamantketten, Designermode und goldenen Lamborghinis – ist ihnen völlig fremd. Sie stehen für die klassischen Werte des Fußballs. Das ist wohl einer der Gründe, warum sie von vielen Fans geliebt werden. Sie sind Identifikationsfiguren, die sich trotz ihrer Bekanntheit treu geblieben sind. „Wir haben uns immer so gegeben, wie wir wirklich sind. Das ist uns ganz gut gelungen“, sagt Bender.

Ein großer Titel blieb ihm in seiner Karriere verwehrt. Während Sven mit Dortmund Deutsche Meisterschaften sowie Pokale gewann und im Champions-League-Finale stand, ging er in Leverkusen zumindest oberflächlich betrachtet leer aus. Als ein Highlight seiner Karriere nennt er immer wieder die Silbermedaille mit Deutschland bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro.

„Es ist nicht so, dass ich unglücklich bin. Ich bin sehr, sehr stolz und zufrieden mit dem, was ich geleistet habe. Es war eine überragend erfolgreiche Karriere.“ Mit Titeln könne man sich freilich immer schmücken, „aber das ist eben kein Wunschkonzert. Ich weiß, dass ich immer alles gegeben habe und kann mir nichts vorwerfen.“ Ohnehin gehe es in dem Geschäft um mehr als Titel und Statistiken. „Ich hatte eine tolle Zeit, habe in geilen Truppen gespielt und sensationelle Charaktere auf und neben dem Platz kennengelernt – das nehme ich als wertvollen Schatz mit.“

Bereut er etwas aus den letzten 15 Jahren? „Ich hätte in dem ein oder andernen Moment ein Spiel sausen lassen sollen und nicht alles immer darauf setzen, schnellstmöglich wieder auf den Platz zu kommen“, sagt Bender. „Ich habe durch meinen Ehrgeiz und meine Liebe zum Spiel in manchen Situationen vielleicht schlecht auf Verletzungen reagiert. Aber letztlich bin ich glücklich, wie alles gelaufen ist – trotz der schattigen Seiten. Es fühlt sich richtig an, das jetzt abzuschließen.“