Bayer 04 Leverkusen: Lars Bender rät Kevin Volland zu Olympia

„Das größte Sportereignis der Welt“ : Lars Bender rät Kevin Volland zu Olympia-Teilnahme

Bayers Kapitän Lars Bender gewann mit der deutschen Olympia-Auswahl 2016 in Rio die Silbermedaille. Beim Gedanken an die Sommerspiele gerät er ins Schwärmen.

Im einwöchigen Trainingslager in La Manga waren bei den Übungen einige Prominente Zaungäste am Start. Trainer Franco Foda machte sich ein Bild von seinem beiden österreichischen Nationalspielern Julian Baumgartlinger und Aleksandar Dragovic, Deutschlands U18-Trainer Christian Wörns schaute vorbei und auch Stefan Kuntz war unter anderem vor Ort. Der U21-Trainer des Deutschen Fußball-Bunds ist derzeit auf der Suche nach Spielern, die Deutschland bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio vertreten sollen.

Zwar sind nur Profis spielberechtigt, die 1997 oder später geboren wurden, doch drei erfahrene Akteure dürfen ebenfalls Teil des Kaders sein. Aus Leverkusen kommt vor allem ein Kandidat in Frage: Kevin Volland. Der Angreifer der Werkself bekräftige bereits sein Interesse, in Tokio dabei zu sein und bestätigte, dass Kuntz mit ihm darüber gesprochen habe. Lars Bender hält es für eine ausgezeichnete Idee, dass Volland in Japan dabei ist – und er weiß, wovon er spricht. 2016 war er Teil der deutschen Auswahl, die bei den Spielen in Rio de Janeiro die Silbermedaille gewann. Auch sein damals noch für Dortmund aktive Bruder Sven sowie der inzwischen für den BVB spielende Julian Brandt waren Teil des Teams.

„Für mich war es mit das Beste, was ich im Fußball erlebt habe“, sagt der Kapitän der Werkself, der in seiner Karriere schon viele große Partien in Liga, Pokal und Champions League bestritten hat. Von bisweilen aufkeimenden Diskussionen, ob man bei dem Turnier dabei sein soll oder nicht, hält er gar nichts. „Ich glaube, wir sind als Fußballer schon sehr verwöhnt. Wir können entscheiden, ob wir an einer Olympiade teilnehmen oder lieber die Vorbereitung auf die nächste Saison mitmachen wollen – als ob es ein Wunschkonzert wäre, dass man sein Land dort vertritt oder nicht.“

Der 30-Jährige hält das für eine Luxus-Diskussion, die es so wohl nur im Fußball gibt. Er hat es jedenfalls genossen, sich außerhalb der Blase des alltäglichen Profigeschäfts zu bewegen. „Man begegnet dort Sportlern, die sich ihr ganzes Leben lang vorbereiten, um einmal dabei zu sein. Sie haben Tränen in den Augen, wenn sie über die Spiele sprechen.“ Für diese Athleten sei es das Größte überhaupt, an dem Turnier teilzunehmen, „obwohl sie vielleicht wissen, dass sie im ersten Vorlauf ausscheiden werden.“

Diese Liebe und Leidenschaft für ihren Sport habe Bender nachhaltig beeindruckt. Auch ohne die enormen finanziellen Mittel, die der Fußball bietet, seien diese Sportler mit Leib und Seele dabei. Zudem schwärmt Bender vom Geist des olympischen Dorfs, in dem die Athleten aus aller Welt während der Wettkämpfe leben, trainieren und bei Medaillengewinnen feiern. „Das hat etwas Magisches. Schon da durchzulaufen und mit anderen Sportlern in Kontakt zu kommen, ist sensationell. Es war alles so entspannt, während im Profifußball vieles oft zu verbissen ist.“ Er könne jedem nur empfehlen, einmal dabei zu sein, wenn er die Chance dazu habe: „Für mich ist es das größte Sportereignis der Welt.“

Doch bevor es im Sommer für Volland womöglich zu den Spielen in Tokio geht, steht noch die Rückrunde mit der Werkself an. Am Sonntag, 19. Januar, geht es mit dem Auswärtsspiel in Paderborn los (18 Uhr). Lars Bender, seit 2009 bei Bayer und seit 2015 Kapitän der Mannschaft, hat für die Halbserie klare Ziele. „Es wird für uns sehr schwer, oben reinzurutschen. Daher ist es ratsam, dass wir nur bei uns bleiben und möglichst viele Spiele gewinnen. Dann sehen wir, wo wir am Ende landen.“ Bayer müsse in den entscheidenden Momenten voll da sein und punkten – vor allem dann, wenn sich die Konkurrenz Patzer erlaube und die Top-Vier-Plätze in Reichweite seien.

Bereits im vergangenen Sommer deutete Bender an, dass er seine Profikarriere beenden könnte, wenn sein Vertrag 2021 endet ­– und womöglich sogar früher. Die inzwischen beinahe 15 Jahre als Fußballer auf höchstem Niveau haben ebenso ihre Spuren hinterlassen, wie die vielen Verletzungen, die er in seiner Laufbahn erlitten hat. „Ich denke nur noch von Halbjahr zu Halbjahr“, sagt der 30-Jährige. „In der Hinrunde war ich aber wieder etwas stabiler und konnte oft über 90 Minuten gehen. Das hat mir mehr Vertrauen gegeben. Aber es ist auch klar: Es sollte keine größere Verletzung mehr dazukommen, weil mir das die Freude wohl komplett rauben würde.“

Ob der Rechtsverteidiger dem Verein auch nach seiner aktiven Laufbahn erhalten bleibt, lässt er offen. „Ich werde dann definitiv erstmal Luft zum Atmen brauchen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich überhaupt im Fußball bleiben will. Ich bin ein neugieriger Mensch“, sagt er. Diese Charaktereigenschaft hat wohl zumindest Anteil daran, dass Lars Bender vor rund vier Jahren in der Sommerpause nach Rio flog und um olympische Medaillen spielte – eine Erfahrung, die sich nicht nur aus sportlicher Sicht für ihn gelohnt hat.