Bayer 04 Leverkusen: Kevin Volland nach Gladbach-Niederlage frustriert

Volland kritisiert Leverkusens Chancenverwertung : „Die Gladbacher wissen selbst nicht, wie sie das Spiel gewonnen haben“

Bayer 04 Leverkusen hat das Rheinderby gegen Borussia Mönchengladbach verloren. Die Chancenverwertung war das deutlichste Manko der Werkself.

Ein kurzer Blick auf die nackten Zahlen des rheinischen Duells offenbart die Diskrepanz zwischen Leistung und Ergebnis. Bayer 04 war über weite Strecken spielbestimmend, hatte dreimal so viele Torschüsse wie Borussia Mönchengladbach, eine starke Passquote, deutlich mehr Ballbesitz, eine bessere Zweikampfquote und 10:3 Ecken. Dennoch blieb es bei null Punkten.

Die Aufbruchstimmung unter dem neuen Trainer Peter Bosz hat einen Dämpfer erlitten – und Erinnerungen an die durchwachsene Hinrunde geweckt. „Wir haben ein gutes, intensives Spiel über 90 Minuten gemacht, waren dominant, hatten kaum Ballverluste und viele Chancen – und doch hat etwas gefehlt“, sagte Kevin Volland. „Es ist nicht in Worte zu fassen.“

In der Tat hat sich die als Favorit angereiste Borussia über weite Strecken schwergetan. Dafür war die Elf von Trainer Dieter Hecking umso effizienter: Eine Chance reichte ihr in der ersten Halbzeit, um das spielentscheidende Tor zu erzielen. Mönchengladbachs französischer Torgarant Alessane Plea schloss eine schöne Kombination mit Jonas Hofmann eiskalt ab (37.). Leverkusen wirkte unmittelbar danach geschockt und ließ bis zur Pause einige weitere Gelegenheiten für die Gäste zu.

Die zweiten 45 Minuten waren aber im Wesentlichen ein wütendes Anlaufen gegen den Rückstand, doch auch beste Gelegenheiten durch Kai Havertz, Karim Bellarabi oder Volland blieben ungenutzt. „Ich glaube, die Gladbacher wissen selbst nicht, wie sie das Spiel gewonnen haben“, konstatierte der glücklose Torjäger.

Dennoch bescheinigte er der Werkself einen Fortschritt. „Wir hatten nur zwei Wochen Zeit in der Vorbereitung, und dafür haben wir es richtig gut gemacht“, sagte Volland. Er glaubt an die Fußballphilosophie von Peter Bosz, die im für die Niederlande typischen offensiven 4-3-3 ihre Wurzeln hat. Vieles habe das Team in den vergangenen 14 Tagen verarbeiten und verstehen müssen, betonte Volland. „Wir haben ein neues System und einen neuen Stil. Wenn wir so weitermachen und lernfähig bleiben, werden wir Siege einfahren.“ Zweifel an dem System seien durch den verpatzten Auftakt in die Rückrunde „auf keinen Fall“ aufgekommen.

Dass Leverkusen ein Angreifer mit der Klasse von Plea fehlt, ist keine neue Erkenntnis. Dennoch stand in dem offensiven Quintett mit Volland, Havertz, Bellarabi, Julian Brandt und Leon Bailey zumindest theoretisch genügend Torgefahr auf dem Feld, um ein Bundesligaspiel zu entscheiden. Doch es fehlte wie so oft in dieser Saison die Kaltschnäuzigkeit. Volland nannte es Pech – oder in Anspielung auf die kleinste aller Maßeinheiten „das fehlende My“.

Damit dürfte klar sein, woran Bosz mit seiner Mannschaft in den kommenden Wochen arbeiten muss und wird. „Gladbach war heute effektiver als wir, und deswegen haben sie gewonnen“, lautete das knappe Fazit. Im Rennen um die Europapokal-Plätze sei das ein Rückschlag. Er sieht in dem Spiel aber einen Beleg für die Funktionstüchtigkeit seines Systems. „Wir haben bewiesen, dass wir diesen Fußball spielen können und werden weiter an unserer Spielweise arbeiten“, kündigte er an.

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