Bayer 04 Leverkusen: Keine herrlichen Zeiten in Leverkusen

Erneuter Fehlstart der Bayer-Elf : Von wegen herrliche Zeiten in Leverkusen

Bayer 04 hinkt nach der 1:3-Niederlage gegen Wolfsburg den eigenen Ansprüchen mal wieder hinterher. Nach zwei Spieltagen in der Bundesliga haben die Leverkusener null Punkte.

Vor einigen Wochen wurde im Trainingslager der Werkself nicht nur viel trainiert, sondern auch viel geredet - über Ziele, Möglichkeiten und Wünsche. Bei einem Thema waren sich die Spieler und Trainer Heiko Herrlich einig: Der Saisonstart sollte besser als in der vergangenen Spielzeit werden, in der Bayer 04 sich nach drei Spieltagen und nur einem Zähler plötzlich auf einem Abstiegsplatz wiederfand. Nach der 0:2-Auftaktpleite in Mönchengladbach und dem 1:3 (1:1) gegen den VfL Wolfsburg am Samstag ist dieses Ziel bereits verfehlt. Und der erneute Fehlstart perfekt.

„An unseren Ambitionen hat sich nichts geändert“, sagte Bayers neuer Geschäftsführer Fernando Carro nach der misslungenen Heimpremiere in der BayArena. Damit meint der 53-Jährige konkret die anvisierte Rückkehr in die Champions League. Der Auftritt der Leverkusener am zweiten Spieltag war jedoch alles andere als königlich. Fehlende Körpersprache gepaart mit schwachem Zweikampf- und Defensivverhalten ergaben gegen bissige Niedersachsen einen fatalen Mix, der zu einer abermals verdienten Niederlage führte.

Dabei begann das Herrlich-Team nicht einmal schlecht. Allein in den ersten fünf Minuten der Partie hatten Julian Brandt, Lars Bender Jonathan Tah drei gute Möglichkeiten. Als Leon Bailey (24.) mit einem fulminanten Schuss aus 18 Metern seine Farben dann auch mit 1:0 in Front brachte, schien der Plan der Werkself aufzugehen, die Derby-Niederlage in Gladbach schnell vergessen zu machen. Anstatt mit der Führung im Rücken jedoch an Sicherheit zu gewinnen, brachte Bayer den Gegner selbst zurück in die Partie. Bayers Torhüter Ramazan Özcan lenkte einen Schuss des Wolfsburgers Yannick Gerhardt aus nahezu unmöglichem Winkel unglücklich ins eigene Tor (37.). Fortan spielte fast nur noch das Team von Trainer Bruno Labbadia.

„Es ist schwer, Worte zu finden“, sagte Özcan nach der Partie mit leiser Stimme. Die Schuld am ersten Gegentreffer nehme er auf sich. „Damit habe ich kein Problem“, betonte der 34-Jährige. Unverständnis äußerte er allerdings darüber, dass sich die Werkself in der zweiten Halbzeit vollkommen den Schneid abkaufen ließ und nach dem Wolfsburger Doppelschlag durch Wout Weghorst und Renato Steffen (55./60.) kein wirkliches Aufbäumen mehr zeigte. „Mir fehlen die Besessenheit, die Gier und die Galligkeit, jeden Zweikampf gewinnen zu wollen“, sagte Özcan. „Zwei Niederlagen sind nicht unser Anspruch.“

Kapitän Lars Bender, der nach überstandenen Knieproblemen sein erstes Liga-Spiel bestritt, war nach dem blutleeren Auftritt seiner Mannschaft merklich angefressen. „Die Führung hätte uns Selbstvertrauen geben sollen“, sagte der 29-Jährige, „aber das war nicht der Fall“. Er bemängelte, dass Bayer nicht hart genug für den Sieg gearbeitet habe, sagte aber auch: „Wir müssen jetzt einen kühlen Kopf bewahren.“

Den sollte vor allem auch Herrlich haben. Der Leverkusener Trainer müsste nach dem Fehlstart eigentlich ins Zentrum der Kritik rücken, genießt aber noch den Bonus, im vergangenen Jahr aus einer verunsicherten Truppe wieder ein Team geformt zu haben, das in knapp drei Wochen beim bulgarischen Serienmeister Ludogorez Rasgrad die Rückkehr auf die internationale Bühne feiert.

Für Herrlich und seine Mannschaft dürfte der September wegweisend werden. Neben der Partie in der Europa League steht zunächst das Duell beim Rekordmeister aus München an. Anschließend spielt Leverkusen noch gegen Mainz, in Düsseldorf und gegen Dortmund.

Spätestens dann wird sich zeigen, wohin der Weg der Werkself und der von Herrlich in dieser Spielzeit noch führt.