Derbypleite Werkself kehrt von ihrem Erfolgsrezept ab

Leverkusen · Kaum Torgefahr, schludrige Defensivarbeit und zu viel Hektik: Im Derby gegen Köln fällt Bayer 04 in alte Muster zurück. Spieler und Verantwortliche gehen von einem Ausrutscher aus und richten den Fokus nun auf das Rom-Spiel.

 Nadiem Amiri (l.) und Robert Andrich kassierten mit Leverkusen beim 1:2 gegen Köln die sechste Heimniederlage in dieser Bundesliga-Saison.

Nadiem Amiri (l.) und Robert Andrich kassierten mit Leverkusen beim 1:2 gegen Köln die sechste Heimniederlage in dieser Bundesliga-Saison.

Foto: dpa/Marius Becker

76 Tage nach der 2:3-Niederlage gegen Mainz hat die Werkself wieder ein Spiel verloren. Gegen den Rivalen aus Köln setzte es für Coach Xabi Alonso und Bayer 04 eine nicht unverdiente 1:2 (1:2)-Heimpleite. Zuvor waren die Leverkusener in 14 Pflichtspielen unbesiegt geblieben – die längste Serie seitdem Jupp Heynckes Trainer unterm Bayer-Kreuz war. „Das war keine gute Leistung von uns und insgesamt zu wenig, um das Spiel zu gewinnen“, machte Bayers Sportgeschäftsführer Simon Rolfes deutlich.

Der 41-Jährige hatte eine trotz der beiden Gegentreffer durch Kölns WInterzugang Davie Selke (14./36.) bessere erste Halbzeit seiner Leverkusener gesehen, in der Amine Adli nach Vorlage von Moussa Diaby zwischenzeitlich den Ausgleich erzielt hatte (28.). „Aber in der zweiten Hälfte waren wir zu hektisch, hatten keine Spielkontrolle mehr und haben zu schnell versucht, in Tornähe zu kommen“, monierte Rolfes. „Dadurch hatten wir viele einfache Ballverluste und es wurde ein wildes Spiel.“ Belege dafür lassen sich auch in der Statistik finden. Beispielsweise sind nur zwei von 20 Flanken der Werkself-Profis bei einem Mitspieler angekommen.

Auch das in den Wochen zuvor so starke Konterspiel der Werkself verfing sich allzu häufig in dem von der Kölner Verteidigung gesponnenen Netz. Die unter Alonso inzwischen stark verbesserte Defensive leistete sich zuzdem zuletzt selten gesehene Aussetzer und Konzentrationsfehler. „Wir haben zwei zu einfache Gegentore bekommen. Das haben wir in den letzten Wochen besser verteidigt“, stellte Mittelfeldspieler Robert Andrich fest. Er analysierte treffend: „In der zweiten Halbzeit haben wir auf ein Tor gespielt, aber es ist nichts Zwingendes dabei herausgekommen.“

Die Gründe dafür lieferte der am Freitag wohl beste Leverkusener gleich mit. „Vorne hat uns ein Tick Kaltschnäuzigkeit, Ehrgeiz, Passgenauigkeit und Zweikampfhärte im gegnerischen Sechzehner gefehlt“, betonte er. Die derbytypischen, emotionalen Szenen auf dem Platz und an der Seitenlinie hätten dem Gast darüber hinaus zusätzlich in die Karten gespielt. „Und trotzdem hatten wir genügend Zeit, um das Ding zu drehen.“

Einzelkritik: Bayer Leverkusen - Köln: die Werkself in Noten
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Bayer 04 - 1. FC Köln: die Werkself in Noten

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Foto: AP/Denes Erdos

Torschütze Adli, der die mit strengem Blick einzige nennenswerte Leverkusener Chance im gesamten Spiel mustergültig nutzte, sieht im erneuten Führungstreffer der Kölner neun Minuten vor der Pause den Knackpunkt. „Das zweite Gegentor hat uns zugesetzt. Köln stand danach tief, hat auf uns gewartet und wir keine Lösungen mehr gefunden“, sagte der französische Angreifer und betonte: „Aber so etwas kann passieren. Wir müssen nach vorne schauen.“

Auch Sportgeschäftsführer Rolfes mühte sich angesichts des bevorstehenden Hinspiels im Halbfinale der Europa League am Donnerstag (21 Uhr) bei der AS Rom um einen optimistischen Ausblick. „Auch wenn die Serie jetzt gerissen ist: Wir sind in sehr guter Form und das werden wir am Donnerstag auch wieder zeigen“, sagte er.

Beim nächsten Gegner zeigt die Formkurve derweil eher nach unten. Wie der Werksklub kassierte auch Rom unter Trainer José Mourinho am Wochenende eine Heimniederlage. Die Römer verloren am Samstag mit 0:2 gegen Champions-League-Halbfinalist Inter Mailand. Nach nur einem Punkt aus den letzten vier Ligaspielen in der Serie A muss die Mannschaft als Tabellensiebter um den Einzug ins internationale Geschäft bangen.

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