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Bayer 04 Leverkusen: Karim Bellarabi sieht DFB-Pokal als realistisches Ziel

Bayer-Angreifer Karim Bellarabi : „Den Pokal zu gewinnen, ist ganz realistisch“

Karim Bellarabi, 29-jähriger Flügelstürmer von Bayer 04 Leverkusen, spricht über über Kobe Bryant, Kai Havertz und die Chancen der Werkself im DFB-Pokal.

Herr Bellarabi, Sie sind einer der Fußballprofis, die sich gerne auf Instagram zeigen. Ist Ihnen Selbstdarstellung wichtig?

Bellarabi Instagram gehört dazu. Ich kann dort vieles von mir mitteilen und auch eine andere Seite von mir zeigen. Über diesen Weg kann ich den Fans einen kleinen Einblick in mein Privatleben gewähren, immer in einem angemessenen Rahmen. Aber ich versuche, auch nicht zu viel Zeit in den Sozialen Medien zu verbringen.

Auf Ihrem Profil sieht man Sie unter anderem lesend in einer Bücherecke. Ist das eine Art Ausgleich für Sie?

Bellarabi Abends setze ich mich gerne hin und lese entspannt ein Buch. Aber bis ich mit meinem gesamten Regal durch bin, wird es wohl noch einige Zeit dauern. Ansonsten habe ich noch meine dreijährige Hündin Casey. Sie bereitet mir viel Freude.

Der Fußball gilt bisweilen als in sich geschlossene Welt. Sind Sie auch an anderen Sportarten interessiert?

Bellarabi Basketball und Football schaue ich mir gerne an. Derzeit spiele ich auch Madden NFL und Fifa, aber ansonsten dreht sich 23 Stunden am Tag bei mir alles um Fußball. Das ist mein Leben. Selbst wenn ich nur zuhause auf der Couch liege, gehört das zur Regeneration.

Gibt es Sportler außerhalb des Fußballs, die Sie besonders inspirieren?

Bellarabi Was Kobe Bryant in seinem Leben geleistet, woraus er seine Motivation gezogen hat und was er für eine Legende war – das ist mir durch seinen Tod noch einmal richtig bewusst geworden. Ich habe in letzter Zeit viel über ihn gelesen. Als ich von Braunschweig nach Leverkusen gewechselt bin, habe ich ihn einmal in der Kältekammer in der Werkstatt getroffen und ein Foto mit ihm gemacht. Ich habe überall danach gesucht, leider finde ich es nicht mehr.

Sie spielen seit 2011 bei Bayer Leverkusen. Wie sehen Sie die Entwicklung des Fußballgeschäfts seitdem?

Bellarabi Es ist anders. Wie in allen Berufen hat sich vieles gewandelt. Ich habe in neun Jahren bei Bayer viel gesehen, besondere Situationen erlebt und weiß inzwischen, wie ich damit umgehen, mich verhalten und als Profi Leben muss. Ich habe vor allem gelernt, dass Talent allein nicht reicht. Um als Fußball-Profi erfolgreich zu sein, muss man komplett danach leben. Dazu gehört das Training, gute Ernährung und guter Schlaf. Ich hatte in Leverkusen zunächst viel Verletzungspech und habe zwei, drei Jahre gebraucht, um Fuß zu fassen. Wie jeder Mensch musste ich meine Erfahrungen machen und daraus lernen. Irgendwann hat es dann Klick bei mir gemacht – und es lief.

Sie sind nach Kapitän Lars Bender der dienstälteste Spieler der Werkself. Leiten Sie daraus eine besondere Verantwortung ab?

Bellarabi Ich komme jeden Tag gerne zur Arbeit. Bayer 04 ist ein super Verein und ich liebe es, hier zu sein und auch noch eine Weile bleiben zu dürfen. Natürlich helfe ich den jüngeren Spielern immer gerne, aber sie sind oft schon so professionell, dass sie die Hilfe meistens nicht brauchen. Bei den vielen Trainingseinheiten und den Spielen haben sie allerdings auch kaum Möglichkeiten, auf andere Gedanken zu kommen.

Einer dieser jungen Spieler ist Kai Havertz, dem viele eine Weltkarriere vorhersagen. Wie sehen Sie seine Entwicklung?

Bellarabi Kai ist ein besonderer Spieler. Das war mir vom ersten Training an bewusst. Er ist für seine Größe unglaublich schnell, hat tolle Anlagen, ein gutes Kopfballspiel, ein hervorragendes Spielverständnis und spielt klasse Pässe. Auch menschlich ist er top und hat einen richtig guten Charakter. Ich hoffe, dass er sich für den Weg entscheidet, bei dem er das beste Gefühl hat. Was auch immer er machen wird.

Und wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus?

Bellarabi Ich habe in Leverkusen Vertrag bis 2021, bin fit und fühle mich wohl im Verein. Ich kann mir aber alles vorstellen und bin für vieles offen.

In Leverkusen haben Sie sieben Trainer erlebt. Von wem haben Sie – abgesehen von Peter Bosz – am meisten gelernt?

Bellarabi Roger Schmidt. Bei ihm habe ich den Fußball, den wir zum Teil auch unter Peter Bosz spielen, kennengelernt. Mit ihm stehe ich auch nach wie vor in Kontakt.

Was ist in der aktuellen Saison für Bayer möglich?

Bellarabi Wir wollen im Pokal und in der Europa League weiterkommen. Wir haben gute Chancen, auch wenn Porto natürlich ein starker Gegner ist und Union Berlin in den letzten Monaten ebenfalls gezeigt hat, dass sie gefährlich sein können. Natürlich wäre es schön, wenn wir am Ende einen Titel holen. Vor allem im DFB-Pokal ist die Chance ganz realistisch, dass wir das dieses Jahr schaffen können. Und natürlich wollen wir die Liga so weit oben wie möglich abschließen.

Sie haben elf Länderspiele für Deutschland gemacht, wurden aber seit Herbst 2016 nicht mehr von Joachim Löw berufen. Ist das Kapitel für Sie abgeschlossen?

Bellarabi Ich werde in zwei Monaten 30 und es ist bekannt, dass der Bundestrainer verstärkt mit jüngeren Spielern in die EM im Sommer gehen will. Natürlich bin ich immer bereit, auch wenn ich mir keine Hoffnung mehr mache. Ich werde das DFB-Team aber immer unterstützen. Wenn sie mich bräuchten, wäre ich da.

Wie schätzen Sie die Chancen der Mannschaft in einer extrem schwierigen Gruppe mit Weltmeister Frankreich und Europameister Portugal ein?

Bellarabi Deutschland wird weiterkommen – auch in der Gruppe.

Ein in letzter Zeit häufig diskutiertes Thema ist Rassismus im Fußball. Das jüngste Beispiel ist Jordan Torunarigha von Hertha BSC, der wohl von Fans des FC Schalke rassistisch beleidigt wurde. Wie sehen Sie als Spieler mit Migrationshintergrund die Debatte?

Bellarabi Fußball ist so ein schöner Sport und vereint verschiedene Nationalitäten und Religionen. Ob jemand aus Südamerika oder Afrika zu uns kommt – auf dem Platz sprechen wir eine Sprache. Das sollten wir uns von ein paar Spinnern nicht kaputtmachen lassen. Was Jordan Torunarigha da widerfahren ist, ist schrecklich. Das gehört nicht zu unserem Sport.

Wie gehen Sie mit Kritik an Ihrer Leistung um?

Bellarabi Ich konzentriere mich auf meine Aufgaben, darauf dass ich fit bleibe und der Mannschaft weiterhelfen kann. Das ist das, was zählt. Alles andere kann ich nicht beeinflussen. Was von außen einströmt, muss einem letztlich auch egal sein, damit man seine Leistung weiterhin bringen kann.