Bayer 04 Leverkusen: Karim Bellarabi kollabiert bei Testspiel gegen den Wuppertaler SV

Schrecksekunde bei Bayer-Test : Karim Bellarabis Kollaps überschattet Sieg in Wuppertal

Beim 2:0-Erfolg gegen den Regionalligisten Wuppertaler SV musste der bereits ausgewechselte Angreifer minutenlang behandelt werden, ehe er ins Krankenhaus abtransportiert wurde.

Es war ein Schock für die Werkself: Karim Bellarabi war bereits ausgewechselt und hatte an der Seitenlinie des Stadions am Zoo Platz genommen, als er plötzlich kollabierte und minutenlang behandelt werden musste. Der 28-Jährige erlitt einen Kreislaufkollaps und musste von Sanitätern abtransportiert werden. Seine Teamkollegen und einige Betreuer schirmten das Geschehen mit einigen Decken ab. Kurz nach dem Zwischenfall gab Bayer 04 zumindest die teilweise Entwarnung, dass der Angreifer zwar mit dem Mannschaftsarzt auf dem Weg ins Krankenhaus, aber wieder ansprechbar sei. Kurzzeitig habe Bellarabi indes das Bewusstsein verloren. Wie lange er ausfällt, ist offen.

Bayer-Trainer Heiko Herrlich sagte direkt nach dem Schlusspfiff: „Meine Information ist, dass er bei Bewusstsein ist, dass es ihm gut geht und jetzt müssen wir schauen, was bei der Diagnostik rauskommt. Bei der Hitze zu spielen, ist natürlich extrem. Das ist eine brutale Belastung für den Organismus. Karim ist in dem Spiel unheimlich viel gelaufen, auch im Training hat er sich voll reingehauen.“

Trotz des Zwischenfalls feierte die Mannschaft von Trainer Heiko Herrlich durch das 2:0 vor rund 3400 Zuschauern den dritten Sieg im dritten Test – und bleibt erneut ohne Gegentor. Der Coach rotierte im Vergleich zum 3:0-Sieg im Siegen am Wochenende ordentlich durch und reicherte seine Startelf mit einigen Nachwuchskräften aus der U19 an. Dafür zunächst auf der Bank: Leon Bailey, Lucas Alario, Mitchell Weiser, Julian Baumgartlinger und Kai Harvertz, der unlängst vom DFB mit der Fritz-Walter-Medaille in Gold als bester U19-Spieler der vergangenen Saison geehrt wurde. Nicht im Kader standen neben Jonathan Tah, der das Training am Vormittag mit Hüftproblemen abbrechen musste, auch die nach wie vor angeschlagenen Dominik Kohr, Sven Bender und Charles Aránguiz.

Ebenso fehlten freilich die längerfristig Verletzten Panagiotis Retsos (Mittelhandbruch) Joel Pohjanpalo (Durchblutungsstörung im Fußknochen) sowie Lukas Hradecky (Folgen einer Kiefer-OP). Noch um Urlaub weilen indes Vizeweltmeister Tin Jedvaj und Julian Brandt. 18,5-Millionen-Euro-Sommerzugang Paulinho reiste zwar wie die Angeschlagenen ebenso mit nach Wuppertal, war aber nicht teil des Aufgebots für das Freundschaftsspiel. Für den Brasilianer gilt nach wie vor das Credo, ihn langsam heranzuführen.

Heiß her ging es auf dem Rasen des Regionalligisten, der am kommenden Wochenende in den Ligabetrieb startet, bereits vor dem Anpfiff. Bei drückenden Temperaturen um die 30-Grad-Marke konnte auch in der schwächer werdenden Abendsonne im Stadion am Zoo von Abkühlung keine Rede sein. Ein erstes Raunen ging nach vier Minuten durch die Zuschauerränge, als Ramazan Özcan an einer Wuppertale Flanke vorbeigriff, was allerdings folgenlos blieb. Wenig später stand Bayers Schlussmann erneut im Mittelpunkt – diesmal, weil er einen heranstürmenden Gegner mit einer eleganten Täuschung ins Leere laufen ließ.

Der bereits voll austrainierte Regionalligist war in den ersten Spielminuten griffiger, ohne wirklich zwingend zu sein. Bei der Werkself lief bis auf ein sehenswertes Dribbling von Wendell auf der linken Seite indes zunächst nicht viel zusammen. Als Lars Bender nach einer Grätsche länger behandelt werden musste, befürchteten die Leverkusener Fans Schlimmeres, doch der Kapitän konnte weitermachen (15.).

Die erste richtig gute Chance der Partie hatte der WSV: Nach einem feinen Pass war Enal Topal plötzlich auf und davon, doch sein starker Sprint Richtung des Tores der Gäste endete mit einem eher kläglichen Abschluss (18.). Auf der Gegenseite zwang U19-Akteur Ayman Azhil im direkten Gegenzug Wuppertals Schlussmann Sebastian Wickl zu seiner ersten Parade. Die nachfolgende Ecke brachte nichts ein, ebenso wie der Versuch von Kevin Volland aus der zweiten Reihe (20.).

Doch die Gäste kamen nun besser in die Partie und ließen ihren Gegnern kaum noch Raum für Entlastungsangriffe. Nach einer schönen Kombination mit Volland war es Karim Bellarabi, der aus rund 16 Metern zum Torschuss ansetzte – daneben (26.). Auch sonst gab es einige gute Ansätze zu sehen, die aber vorerst nichts Zählbares einbrachten. Nach einer schweißtreibenden knappen halben Stunde war dann erstmal eine Trinkpause angesagt.

Davon erfrischt versuchte sich gleich Sam Schreck am 1:0 für die Werkself, doch sein Schuss zischte am linken Pfosten vorbei. Ein sauber herausgespielter Konter der Wuppertaler zwang Özcan anschließend zu einer Glanztat. Die folgende Ecke brachte das 1:0 für die Gastgeber – dachten die Fans. Doch der Linienrichter hatte die Fahne oben. Abseits. Angelo Langer scheiterte indes kurz vor der Pause wieder an Özcan. So ging es letztlich leistungsgerecht mit einem Remis in die Kabinen, mit leichten Vorteilen für den Regionalligisten. Ein paar Tore hätten es aber auf beiden Seiten sein dürfen.

Die Pause nutzten beide Trainer erwartungsgemäß für einige Wechsel. Ein sehenswertes Solo des neu ins Spiel gebrachten Leon Bailey brachte das 1:0, nachdem der ebenfalls frische Kai Havertz mit viel Übersicht die Vorlage gab (57). Überschattet wurde der Treffer indes von der langen Behandlungspause von Karim Bellarabi. Danach zerfaserte das Spiel zusehends, wohl auch unter dem Eindruck des Zwischenfalls an der Seitenlinie, der das sportliche Geschehen in den Hintergrund rücken ließ. Dennoch gelang dem für Wendell eingewechselten Jakub Bednarczyk Mitte der zweiten Halbzeit noch das 2:0 für Bayer 04. Weitere Treffer sollten trotz einiger guter Chancen auf beiden Seiten nicht mehr fallen.

Mehr von RP ONLINE