Bayer 04 Leverkusen: Kai Havertz ist auf dem Weg zum Star

Bayers Youngster : Kai Havertz ist das bescheidene Megatalent der Werkself

Die Profilaufbahn von Kai Havertz kennt bislang nur eine Richtung: nach oben. Die Bodenhaftung verliert der 19-Jährige deswegen aber nicht.

Nach schweißtreibenden 45 Minuten im drückend heißen Wuppertaler Stadion am Zoo waren die Gedanken von Kai Havertz zunächst nur bei seinem Teamkameraden Karim Bellarabi, der etwa zehn Minuten nach seiner Auswechslung zur Halbzeit einen Kreislaufkollaps erlitt und ins Krankenhaus transportiert wurde. „Wir hoffen, dass er schnell wieder bei uns ist“, sagte der 19-Jährige nach dem 2:0-Testspielsieg gegen den Regionalligisten Wuppertaler SV. Bellarabi hat bereits am Mittwoch das Krankenhaus verlassen und erholt sich in den kommenden Tagen, ehe er wieder in die Vorbereitung einsteigt.

Die ist laut Havertz intensiv – nicht nur wegen der anhaltenden Hitze. „Wenn man sieht, was jeder in den Trainingseinheiten raushaut, merkt man, dass jeder um seinen Stammplatz kämpft.“ Die „Truppe“ wachse trotz der internen Konkurrenz mehr und mehr zusammen. Sein Motto: „weiter Gas geben.“ Es gebe noch einiges zu verbessern bis zum Saisonstart.

Im Trikot der Werkself überzeugt das flexibel einsetzbare Offensivtalent meist durch Übersicht, Spielintelligenz, sicheres Passspiel und starke Abschlüsse. In 54 Bundesligaspielen gelangen ihm bereits sieben Tore und 15 Vorlagen. Viele Gedanken um seine Position in der Mannschaft muss sich Havertz wohl nicht machen. Er galt bereits im Nachwuchs als hochtalentiert und biss sich bemerkenswert schnell bei den Profis durch. Er erreichte die 50-Spiele-Marke in der Liga so früh wie keiner vor ihm.

Nun zeichnete der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ihn mit der Fritz-Walter-Medaille in Gold als besten Akteur der U19 aus. 2016 erhielt er die Auszeichnung ebenfalls, damals in Silber in der U17. „Das ist eine Ehre“, betonte er. „Aber ich konzentriere mich auf den Start der Liga, den DFB-Pokal und die Europa League.“ Individuelle Auszeichnungen seien nebensächlich. Bescheidenheit ist eine Tugend, die ihm nach eigener Aussage sein Elternhaus mitgegeben habe.

Es zählt für ihn das Team – und die gemeinsamen Ergebnisse. Zudem ist von Havertz das Zitat überliefert, dass er als Profi, wo es auf Titel ankomme, noch nichts vorzuweisen habe. Dennoch ist die Medaille ein Wegweiser. Zu den Trägern des seit 2005 vergebenen Preises zählen unter anderem die Weltmeister von 2014 Benedikt Höwedes, Toni Kroos und Mario Götze, aber auch Teamkollegen wie Lars Bender, Benjamin Henrichs, Jonathan Tah oder Julian Brandt.

Letzterer sagte vor einigen Monaten, dass Havertz gar das Talent und das Potenzial hätte, ein „Weltstar“ zu werden. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg, der freilich auch über die Auswahlteams des DFB führt. Der gebürtige Aachener ist Kapitän der U19-Nationalmannschaft. Bei der anstehenden Verjüngungskur des Ex-Weltmeister-Teams dürfte Havertz mittelfristig eine große Rolle spielen, wenn sich seine Karriere wie bisher fortsetzt.

Bayers Trainer Heiko Herrlich freut sich über die Ehrung seines Schützlings. Die meisten der bisherigen Fritz-Walter-Medaillenträger hätten anschließend eine großartige Karriere hingelegt. „Es ist eine super Auszeichnung, eine Garantie ist sie aber nicht“, sagte der 46-Jährige und fügte hinzu: „Er hat es verdient. Kai ist der absolute Topspieler seines Jahrgangs.“

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