Bayer 04 Leverkusen: Kai Havertz bleibt bei Elfmeter und Spuck-Attacke cool

Fiese Spuck-Attacke : Kai Havertz bleibt einfach immer cool

Gegen Stuttgart sorgte Kai Havertz mit einem verwandelten Foulelfmeter für den Leverkusener 1:0-Erfolg. Nach dem Spiel wurde der 19-Jährige aber nicht nicht nur wegen seiner Nervenstärke vom Punkt gelobt.

Appetitlich war die Schilderung von Julian Baumgartlinger nicht. Nach Bayer Leverkusens 1:0 (0:0)-Sieg in Stuttgart beschrieb der Mittelfeldspieler die Szene, die im Lager der Werkself für reichlich Ärger sorgte. „Ich habe nur gesehen, wie Kai die Spucke im Gesicht hatte“, sagte der Österreicher. Kurz vor dem Abpfiff brannten Santiago Ascacibar die Sicherungen durch. Der 22-jährige Argentinier des VfB bespuckte den Elfmeterschützen zum 1:0 (63.) und langte ihm ins Gesicht. Die fällige Rote Karte folgte ebenso prompt, wie die bei Unsportlichkeiten beinahe schon obligatorische Rudelbildung, bei der Havertz zwar im Mittelpunkt stand, aber den Umständen entsprechend besonnen blieb.

Das ist eine hervorstechende Eigenschaft des Ausnahmespielers, der schon beim Strafstoß bemerkenswert ruhig Ron-Robert Zieler überwand. Es war das 13. Saisontor des 19-Jährigen. Nur Horst Köppel war 1968 45 Tage jünger, als er diese Marke erreichte. Der Nationalspieler wollte sich nach seinem 100. Pflichtspiel für Bayer 04 nicht äußern. Dafür fand Sportgeschäftsführer Rudi Völler lobende Worte, der bei der WM 1990 gegen die Niederlande eine ähnliche Situation erlebte, als ihn Frank Rijkaard anspuckte. „Sowas macht man nicht. Ich habe mit Kai gesprochen und ihm erklärt, wie das damals bei mir war“, sagte Völler. Für ihn war der Sieg nach zuletzt drei Niederlagen in Folge ein willkommenes Geschenk zu seinem 59. Geburtstag. „Er ist ein Spieler, der in den kommenden Jahren noch sehr oft provoziert werden wird. Dass er nicht die Nerven verloren hat, ist das Wichtigste.“ Auch Trainer Peter Bosz lobte Havertz als „außergewöhnlich talentierten Spieler“, der nicht nur beim Elfmeter eine Ruhe ausstrahle, die er selbst am Ende seiner aktiven Laufbahn mit 36 Jahren noch nicht gehabt habe. Allerdings müsse auch Havertz noch viel lernen, fügte der Niederländer hinzu.

Das gilt für die Werkself insgesamt, für die der eher erkämpfte als erspielte 1:0-Erfolg ein Fortschritt ist. „Das war nicht einfach“, sagte Julian Brandt. „Powerfußball war nicht möglich, aber wir sind geduldig geblieben, haben den Elfmeter erzwungen und es gut zu Ende gespielt.“ Die Spuck-Attacke auf Havertz kommentierte er mit einem verklausulierten Sonderlob: „Wenn ein Spieler zu einer solchen Maßnahme greifen muss, hat Kai in den 90 Minuten davor wohl viel richtig gemacht.“

Mehr von RP ONLINE