Bayer 04 Leverkusen: Julian Brandts Abgang und die Folgen

Nach Brandt-Abgang : Ist Bayer an Hoffenheims Amiri dran?

Der Wechsel von Julian Brandt zu Borussia Dortmund hinterlässt eine Lücke, die auch Kerem Demirbay nicht komplett füllen kann. Der Kader gibt nur wenige Optionen her – und es kursieren bereits Gerüchte um weitere Zugänge.

Nach fünfeinhalb Jahren mit dem Kreuz auf der Brust hat Julian Brandt der Werkself den Rücken gekehrt und sich für Borussia Dortmund entschieden – und die Fanseele ist verletzt. In sozialen Medien häufen sich hämische, teils despektierliche Kommentare. Verständnis für den Transfer zum Ligakonkurrenten ist rar gesät. Wenn ein verdienter Spieler nach so langer Zeit den Verein verlässt, der ihn stets gefördert und unterstützt hat, ist das immer eine emotionale Angelegenheit. Brandt in Schwarz-Gelb ist zunächst noch ein gewöhnungsbedürftiges Bild.

Sportgeschäftsführer Rudi Völler kommentierte den Wechsel dennoch betont sachlich. „Gerne hätten wir ihn noch ein bisschen behalten, aber mit der Verpflichtung von Kerem Demirbay aus Hoffenheim haben wir bereits frühzeitig für angemessenen Ersatz gesorgt“, sagte der 59-Jährige. Vereinslegende Ulf Kirsten bringt der Abgang des dribbelstarken Blondschopfes ebenfalls nicht aus der Ruhe. „Zweifelsohne hat Julian Brandt großartiges Talent, er ist jedoch nicht unersetzbar“, schrieb Bayers Kultstürmer auf Twitter.

Demirbay ist sicher eine Verstärkung, doch er ist auch ein anderer Spielertyp als Brandt. Beide weisen mit Blick auf die vergangene Saison eine identische Passquote auf (jeweils 81 Prozent), doch im letzten Drittel war Brandt noch effektiver als Demirbay. Während der in Gelsenkirchen aufgewachsene Zugang der Werkself vier Treffer und neun Vorlagen erzielte, schoss der Neu-Dortmunder sieben Tore und bereitete 15 vor. Beide Profis glänzen vor allem in Ballbesitz und sind nur schwer vom Spielgerät zu trennen, was für das System von Leverkusens Trainer Peter Bosz unabdingbar ist. Demirbay bestritt in der abgelaufenen Saison sieben seiner 32 Partien im offensiven Mittelfeld. Er kann Brandts Position auf der Acht sicher einnehmen, dank seiner Spielintelligenz und Übersicht dürfte er aber eine Position dahinter noch besser zur Geltung kommen.

Interne Anwärter auf die Brandt-Nachfolge an der Seite von Kai Havertz gibt es indes kaum. Musste einer der beiden Youngster auf einer anderen Position spielen, rückte Charles Aránguiz ins Zentrum. Eine Dauerlösung dürfte das jedoch nicht sein. Folglich bleibt dem Werksklub wohl nur die Verpflichtung eines weiteren Offensivspielers. „Wir werden unseren Kader weiter verstärken, um auch im kommenden Jahr konkurrenzfähig aufgestellt zu sein“, betonte Sportdirektor Simon Rolfes gleich nach dem Brandt-Transfer. Ein Auge könnte der Werksklub dabei auch auf Demirbays ehemaligen Teamkollegen Nadiem Amiri geworfen haben. Der deutsche U21-Nationalspieler, dessen Vertrag bei den Kraichgauern 2020 endet, soll für rund 15 Millionen Euro Ablöse zu haben sein. Neben Bayer 04 sollen allerdings auch Vereine aus England, Italien und der VfL Wolfsburg Interesse gezeigt haben. Auch eine Vertragsverlängerung bei der TSG ist nach wie vor denkbar.

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