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Bayer 04 Leverkusen: Julian Brandt prescht in den Fokus

Bayer Leverkusen : Brandt prescht in zwei Spielen in den Fokus

Mit einem guten Auftritt zahlt der 17-Jährige das Vertrauen in ihn zurück. Trainer Lewandowski will ihn weder bremsen noch verheizen.

Mit puterrotem Gesicht stand Julian Brandt vor den vielen Menschen mit Kameras, Aufnahmegeräten und Stenoblöcken, die nach dem 2:1-Erfolg der Werkself gegen Hertha BSC von ihm wissen wollten, wie er das eigentlich so hinbekomme, als 17-Jähriger ein Bundesligaspiel so ganz ohne spürbare Anpassungsprobleme bestreiten zu können. Wobei die Röte in Brandts Gesicht ausschließlich aus der Anstrengung der 89 Minuten zuvor resultierten, denn etwaige Unsicherheit und Nervosität im Umgang mit den Medien sind dem Blondschopf nicht anzumerken. "Er ist selbstbewusst und gleichzeitig geerdet", sagte sein Trainer Sascha Lewandowski über ihn.

Gegen Berlin durfte Brandt zum zweiten Mal in Folge in der Startelf auflaufen. Zum zweiten Mal zahlte er diesen Vertrauensvorschuss mit einem Tor zurück. In der Vorwoche — noch unter dem Trainer Sami Hyypiä — reichte sein Treffer in Hamburg nicht zu Zählbarem für sein Team, am Sonntag nun hatten seine Leistung und sein sehenswerter Treffer zum 2:0 maßgeblichen Anteil daran, dass Bayer unter Interimstrainer Lewandowski den dritten Sieg im 16. Pflichtspiel 2014 landen konnte. "Bei mir persönlich hat sich in dieser Woche nicht viel verändert", sagte Brandt, der im Winter aus Wolfsburg gekommen war, obwohl er längst auch das Interesse der versammelten europäischen Klub-Elite geweckt hatte. "Es ist einfach ein Super-Gefühl, sein Hobby zum Beruf machen zu können", sagte der Jugendnationalspieler.

Den Beruf durfte er in seinen ersten Monaten im Bayer-Dress lange nur als Teilzeitarbeiter von der Bank ausüben. Hyypiä fehlte bis zu seinem letzten Spiel beim HSV der Mut, Brandt von Beginn an zu bringen, obwohl er sich mit dieser Entscheidung sicher keinen Gegenwind aus der gegenüber den Bayer-Profis inzwischen kritisch eingestellten Fanszene eingehandelt hätte.

Gegen Berlin zeigte Brandt, was ihn ausmacht: Schnelligkeit mit und ohne Ball, eine hohe Handlungsschnelligkeit, hohes technisches Vermögen und eine für sein Alter bemerkenswerte Ruhe am Ball, selbst unter Druck. "Er macht viele richtig gute Sachen, und wir werden ihn nicht bremsen", sagte Lewandowski. Allerdings beobachte man auch genau, wann mal wieder Zeit für eine Pause wäre, denn verheizen will man ihn auch nicht. Vor allem will man verhindern, dass er nach nur zwei Startelf-Einsätzen vom Umfeld einen Heilsbringer-Status verliehen bekommt, der womöglich auf Kosten seiner jugendlichen Unbekümmertheit gehen könnte.

Die Bodenhaftung droht Brandt jedenfalls nicht zu verlieren. Als am Sonntag eine Journalistenfrage auf Bayers übernächstes Spiel in Dortmund abzielte, sagte Brandt: "Wenn wir das Ding in Nürnberg ziehen, können wir uns auf Dortmund freuen." Erst dann.

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(RP)