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Bayer 04 Leverkusen: Julian Baumgartlinger sagt leise Servus

Nach sechs Jahren bei Bayer : „Baumi“ sagt beim Abschied leise Servus

Neben Sportgeschäftsführer Rudi Völler wurde am Samstag auch der langjährige Vize-Kapitän Julian Baumgartlinger von den Fans besonders gefeiert. Der Österreicher kündigte an, seine Karriere als Fußballer fortsetzen zu wollen.

Echtes Kaiserwetter, ein Treffer in letzter Sekunde von der Mittellinie zum Sieg und das auch noch vor mehr als 30.000 Zuschauern in einer ausverkauften BayArena – aus Sicht der Leverkusener hätte der Samstag kaum besser laufen können. Die Champions League hatte die Werkself schon in der Vorwoche erreicht, so dass die Rheinländer ohne großen Druck ins letzte Spiel gegen Freiburg gehen konnten. Das vorrangige Ziel war, Rudi Völler und Julian Baumgartlinger, die vor der Partie verabschiedet wurden, ein gelungenes Finale zu bescheren. Das 2:1 gegen die Breisgauer lieferte dafür den passenden Rahmen. Baumgartlinger selbst trug sogar aktiv zum Gelingen bei.

Zum ersten Mal in dieser Saison stand der 34-Jährige in der Startformation und durfte die Werkself ein letztes Mal als Kapitän auf den Rasen führen. „Es war schon sehr aufwühlend“, sagte der gebürtige Salzburger. Nicht nur die Ovationen der Fans bei seiner Auswechslung nach rund 60 Minuten, sondern schon die vergangenen Wochen und Monate seien für ihn etwas Besonderes gewesen. „Der Trainer hatte mir zu Beginn der Woche gesagt, dass ich von Anfang an spielen würde, wenn ich mich körperlich gut fühle“, sagte der Routinier.

Seit 2016 trug der defensive Mittelfeldspieler das Trikot der Rheinländer. Aus Mainz gekommen, hatte er sich schnell in die Herzen der Fans gespielt, schaffte den Sprung zum Führungsspieler und zur Stammkraft. Die vergangenen anderthalb Jahre waren jedoch hart für den etatmäßigen Spielführer der österreichischen Nationalmannschaft. Im Januar 2021 riss er sich in der Partie gegen Wolfsburg das Kreuzband. Im September musste er dann erneut am Knie operiert werden. Baumgartlinger steckte aber nicht auf, biss sich ein weiteres Mal durch die langwierige Reha und erkämpfte sich so seinen Weg zurück ins Team.

 Rudi Völler (2.v.r.) und Team verabschieden sich von den Fans.
Rudi Völler (2.v.r.) und Team verabschieden sich von den Fans. Foto: Miserius, Uwe (umi)

Coach Gerardo Seoane wurde in den vergangenen Wochen nicht müde, zu betonen, welche Bedeutung Baumgartlinger für die Mannschaft habe und wie sehr die jungen Profis von dessen Erfahrung profitieren würden. Nachdem er Baumgartlinger Anfang März erstmals wieder für den Kader nominierte, setzte der Schweizer ihn nun bei allen vier Siegen zum Abschluss der Bundesliga-Runde ein. Dass der Vertrag des Mittelfeldspielers nicht verlängert werden würde, stand indes schon länger fest.

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Ans Aufhören denkt Baumgartlinger aber nicht. „Ich habe die letzten drei Monate so genossen“, sagte er. Während der Trainingseinheiten auf hohem Niveau sei ihm noch einmal bewusst geworden, welche Freude er an seinem Beruf habe. „Und deswegen will ich auch mit Fußball weitermachen.“ Wohin es ihn zieht, ist derweil unklar. „Das werden wir sehen, konkret weiß ich das noch nicht. Das wird sich in den nächsten Wochen oder Monaten ergeben. Zunächst einmal bin ich froh, dass ich wieder gesund bin.“ Die Zeit beim Werksklub wird er indes nicht so schnell vergessen. „Das ist alles viel und für mich sehr schwer in Worte zu fassen. Unsere drei Kinder sind in der Zeit in Leverkusen geboren worden. Ich bin dankbar und fühle mich versöhnt.“

Während Baumgartlinger noch einmal beim Testspiel der Werkself in der Nacht auf Mittwoch beim mexikanischen Erstligisten Deportivo Toluca auflaufen könnte, hat Top-Stürmer Patrik Schick die Reise nach Mittelamerika ebenso wie die anderen Reha-Spieler beim Werksklub nicht angetreten. Der Tscheche, mit 24 Treffern und fünf Vorlagen Topscorer unter dem Bayer-Kreuz in dieser Saison, muss sich laut Vereinsangaben an diesem Montag einer Operation an der rechten Leiste unterziehen. Pünktlich zum Trainingsauftakt am 25. Juni soll der 26-Jährige, der gewiss Begehrlichkeiten bei anderen Klubs geweckt hat, wieder zur Verfügung stehen.