Bayer 04 Leverkusen: Julian Baumgartlinger blüht in neuer Rolle auf

Plötzlich Innenverteidiger bei Bayer: Baumgartlinger blüht in neuer Rolle auf

Aufgrund der Verletztenmisere in Bayers Hintermannschaft ist der 30-Jährige derzeit stellvertretender Abwehrchef. Auf ungewohnter Position schlägt sich der Defensiv-Allrounder erstaunlich gut - und bekommt Lob von allen Seiten.

Fehler auf dem Platz begeht Julian Baumgartlinger nur äußerst selten. Mit viel Übersicht, genügend Biss im Zweikampf sowie einem soliden Passspiel ausgestattet gehört der Österreicher in Diensten von Bayer 04 zwar nicht zu der Sorte Fußballer, die die Zuschauer mit ihrem Können von den Sitzen reißt, doch für ein Team, das dringend Stabilität benötigt, ist er freilich ein Gewinn.

Beim torlosen Remis in Bremen setzte Leverkusens Trainer Heiko Herrlich zum zweiten Mal in Folge auf den 30-Jährigen als zentralen Spieler in der Abwehr - und das mit Erfolg. Lediglich drei Mal schossen die Norddeutschen auf das von Bernd Leno gehütete Tor der Gäste. Keiner dieser Schüsse musste Bayers Nummer eins abwehren. Schon in der Woche zuvor beim 0:1 gegen Stuttgart lag es nicht an der Defensive, dass Bayer verlor. "Im Paket haben wir es gut verteidigt", sagte Herrlich auch nach der Partie in Bremen und hob die geringe Zahl der zugelassenen Torschüsse mit Baumgartlinger "in letzter Kette" hervor.

An der Seite des genesenen Wendell, Panagiotis Retsos und Tin Jedvaj führte der Kapitän der österreichischen Nationalmannschaft die junge Werkself-Defensive erneut an und erwies sich als als guter Vertreter der angeschlagenen Bender-Zwillinge sowie Jonathan Tah. "Hinten standen wir bombensicher", sagte Teamkollege Julian Brandt, der zudem das Aufbauspiel der Abwehr lobte.

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Auch Kevin Volland zollte der "zusammengewürfelten Verteidigung" - wie Sportdirektor Rudi Völler es formulierte - Respekt. "Panos, Tin und vor allem Baumi haben es in der Innenverteidigung super gemacht, auch Wendell hat gut gespielt", sagte der Angreifer, der das Saisonfinale am Samstag gegen Hannover (15.30 Uhr) gelbgesperrt verpassen wird. "Das gibt uns ein gutes Gefühl." Brandt ergänzte, dass die Abwehr, auf die in den vergangenen Wochen "viel Kritik" eingeprasselt sei, in Bremen nahezu fehlerfrei gespielt habe.

Für Baumgartlinger selbst bedeute der wohl nur vorübergehende Abteilungswechsel vom defensiven Mittelfeld in die Abwehrkette keine allzu große Umstellung. "Es gibt im Spielaufbau immer mal die Situation, in der man sich zurückfallen lässt. Daher ist es nicht ungewohnt", sagte der gebürtige Salzburger, der in bislang 53 Pflichtspielen erst einen Treffer für Bayer 04 erzielte.

Nachdem sich die Defensive nun gefestigt zu haben scheint, ist der Sturm gefordert. "Wir sollten zusehen, dass wir wieder ein paar Buden machen", sagte Julian Brandt mit Blick auf die Serie von zuletzt drei torlosen Partien. Insgesamt ist die Werkself nun in acht der vergangenen 13 Partien ohne Torerfolg geblieben. Bis auf eine Riesenchance durch Kai Havertz blieb der Angriff auch in Bremen vieles schuldig. Neun Schüsse gab Bayer ab - nie probierte es das Team in dieser Saison seltener. Soll es noch etwas mit der Champions League werden, ist gegen Hannover eine Steigerung nötig - vor allem offensiv.

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(sb)