Bayer 04 Leverkusen: Juan freut sich auf das Wiedersehen

Tag der Tradition : Juan freut sich auf das Wiedersehen mit Bayer 04

Von 2002 bis 2007 spielte der Brasilianer Juan für die Werkself. Am Sonntag kehrt der 40-Jährige in seine alte sportliche Heimat zurück.

Als er zum letzten Mal in einem Pflichtspiel den Rasen verlassen hatte und in den Tunnel des legendären Maracanã-Stadions verschwunden war, hatte Juan das Gefühl, seine Pflicht erfüllt zu haben. Mehr als 20 Jahre, davon fünf bei Bayer 04 Leverkusen, war der Brasilianer Fußballprofi. Nun hat er seine Karriere in seiner Heimat beendet. „Ich bin dabei, mich an die Perspektive des Fans zu gewöhnen und mehr neben als auf dem Platz zu sein“, sagt er.

Beim 3:1-Sieg von Flamengo Rio de Janeiro gegen Cruzeiro Belo Horizonte stand Juan noch einmal einige Minuten auf dem Platz. In der Nachspielzeit wurde er eingewechselt. Die erste Partie in der neuen Saison der brasilianischen Meisterschaft war sein Abschied vom Profigeschäft. „Es wird das schwierigste Spiel meines Lebens sein – und mit Sicherheit ein besonderer Abend”, hatte der 40-Jährige im Vorfeld in einem emotionalen Brief an die Fans von Flamengo geschrieben.

Nachdem seine Mitspieler den gebürtigen „Carioca“, wie die Einwohner Rios genannt werden, in die Luft geworfen hatten, drehte er eine Ehrenrunde im Maracanã. Einst nahm seine Laufbahn in der Jugend des Traditionsvereins ihren Anfang. Es schien, als ob er sich bei jedem einzelnen der rund 30.000 Fans verabschieden wollte. Am Tag danach wachte Juan auf und hatte kein Training vor sich – ein seit früher Kindheit ungewohntes Gefühl. Das sei etwas, das ihm wohl eine Woche gefalle, doch dann werde ihm das Profidasein fehlen, sagt er. Die Entscheidung, seine Karriere zu beenden, war ein langer Prozess. Dabei spielten auch gesundheitliche Erwägungen eine Rolle. Denn bei jeder Verletzung dauerte es länger, bis er zurückkehrte.

Eigentlich sollte bereits Ende 2018 Schluss sein. Aber er verletzte sich erneut. Flamengo-Fans und die Verantwortlichen des Klubs baten ihn, weiterzumachen und noch einmal zurückzukehren, um seine Karriere als Spieler zu beenden. So kam der Innenverteidiger noch einmal dazu, einen Pokal in die Höhe zu stemmen, als Flamengo die prestigeträchtige Meisterschaft des Bundesstaates Rio de Janeiro gegen den Lokalrivalen Vasco da Gama gewann.

Er will nun anderweitig im Fußball weitermachen. Ab Juni will er ein Praktikum bei seinem Jugendverein Flamengo machen, von wo er 2002 nach Leverkusen wechselte. Welche Funktion er in seiner Zukunft ausüben wird, ist noch unklar. Aber er bringt fast alles mit, um erfolgreich zu sein. Lúcio, sein kongenialer Abwehrkollege in der brasilianischen Nationalmannschaft und in Leverkusen, sagt über Juan: „Er ist korrekt, engagiert, intelligent und hat Erfahrung in der brasilianischen Nationalmannschaft und bei europäischen Klubs gesammelt. Das ist eine gute Grundlage, um eine verantwortungsvolle Aufgabe zu übernehmen und die Widrigkeiten des Alltags zu kontrollieren.“

In Leverkusen hat Juan hartes Arbeiten verinnerlicht und Lúcio kennengelernt. Von dem Moment an bildeten sie auf dem Platz ein starkes Duo in der Innenverteidigung. Während Juan – sei es in Leverkusen oder in Rio de Janeiro – durch Technik und Stil überzeugte, zeigte Lúcio mit körperlicher Robustheit und Zweikampfstärke Präsenz. „Wir haben uns gut ergänzt”, sagt Lúcio.

Die Kombination sei einer der Gründe für den Erfolg des Duos gewesen. Lúcio erinnert sich noch lebhaft an markante Bundesliga-Spiele an der Seite seines Landsmannes – vor allem an die Klassiker gegen den FC Bayern München. Auch mit der Nationalmannschaft erlebte er nicht nur in der Copa América spannende Duelle. Neben dem Platz schlossen Juan und Lúcio sowie ihre Familien eine Freundschaft, die bis heute anhält.

Das Geschehen rund um Bayer 04 verfolgt Juan nach wie vor. Am kommenden Wochenende wird er im Rahmen des „Tag der Tradition“ anlässlich der 40-jährigen Bundesligazugehörigkeit noch einmal die Gelegenheit haben, ein Spiel in Leverkusen zu bestreiten. „Ich habe mich sehr gefreut über die Einladung und sehr geehrt gefühlt. Es wird super, die Fans, das Stadion und die Atmosphäre, die Teil meines Lebens waren, wieder zu erleben – und natürlich Freunde wiederzusehen.“

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