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Bayer 04 Leverkusen: Jonathan Tah ist wieder da

Abwehrspieler im Aufwind : Jonathan Tah ist wieder da

Jonathan Tah von Bayer Leverkusen macht mit einer guten Leistung gegen Prag und seinem Tor in Freiburg Werbung für sich. Die Rolle des Reservisten ist nicht einfach für ihn.

Wie nah Freud und Leid im Fußball liegen können, hat Jonathan Tah am Sonntag binnen weniger Minuten im Freiburger Dauerregen erlebt. Er begann wie so oft in dieser Saison auf der Ersatzbank, kam nach etwas mehr als einer Stunde für Sven Bender in die Partie und verpasste kurz darauf in einer entscheidenden Szene den Ball. Nils Petersen nutzte die Gelegenheit und verkürzte zum 2:3 aus Sicht der Gastgeber.

Dass die Freiburger trotzdem nicht für Zählbares in Frage kamen, lag vor allem an Tahs Entschlossenheit. Nur vier Minuten nach Petersens Anschlusstreffer stieg er bei einer Ecke von Kerem Demirbay am höchsten und köpfte den Ball ins lange Eck – die Entscheidung. Bayer nimmt drei Punkte aus dem Breisgau mit und bleibt bis zum nächsten Spieltag Tabellenvierter. Am Sonntag geht es gegen Borussia Mönchengladbach (18 Uhr) .

„Wenn ich reinkomme, versuche ich natürlich immer alles zu geben“, sagte Tah nach dem Schlusspfiff. Angesprochen auf seine Situation fügte er hinzu: „Es ist aktuell nicht einfach für mich. Ich bin Sportler, möchte spielen und immer auf dem Platz stehen. Dafür gebe ich alles im Training. Im Spiel will ich zeigen, dass ich bereit bin. Das habe ich in der Vergangenheit oft gemacht – und werde ich auch weiter machen.“

Das klingt beinahe ein bisschen trotzig. Die Karriere eines Fußballprofis nimmt meist einen sinuskurvenartigen Verlauf. Der Leistungsdruck ist groß, der Konkurrenzkampf hart – und wer nicht überzeugen kann, ist trotz aller vergangenen Verdienste schnell seinen Stammplatz los. Das ist eine Erfahrung, die Tah derzeit ebenfalls macht. Einst war der bullige Innenverteidiger eine unverzichtbare Größe in der Defensive der Werkself, doch inzwischen ist der 24-Jährige Edelreservist.

Trainer Peter Bosz attestiert Tah zwar in regelmäßigen Abständen Top-Leistungen im Training, stellt aber meist Sven Bender und Edmond Tapsoba in der Abwehrzentrale auf – ein Duo, das sich gut ergänzt und für Stabilität sorgt. Bei der 0:1-Niederlage in Prag vergangene Woche stand Tah rotationsbedingt erstmals in dieser Saison in der Startelf. Das Spiel ging zwar verloren, doch der Nationalspieler ist einer der wenigen Gewinner des tristen Abends in Tschechien. Er überzeugte mit kompromissloser Zweikampfführung und einem insgesamt konzentrierten Auftritt. Das wichtige Tor in Freiburg ist weitere Werbung in eigener Sache, doch Tah geht es um das große Ganze.

„Ich glaube, bei uns ist etwas zusammengewachsen“, kommentierte der Abwehrspieler die Tatsache, dass Bayer 04 in Freiburg die Partie drehen konnte und neben dem VfL Wolfsburg das einzige noch ungeschlagene Team der Bundesliga ist. „Unser Start mit drei Unentschieden war okay, die Siege tun aber gut“, sagte er.

Das dürfte auch für das fünfte Bundesligator seiner Karriere gelten.