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Bayer 04 Leverkusen: Jonathan Tah geht beim Coronavirus mit gutem Beispiel voran

Aufruf zur Solidarität : Bayers Tah geht in der Corona-Krise mit gutem Beispiel voran

Der Innenverteidiger der Werkself ruft zur Solidarität auf und startet mit der Sepp-Herberger-Stiftung ein Hilfsprogramm für Menschen, die durch die Corona-Pandemie unverschuldet in Not geraten sind.

Vor etwas mehr als einer Woche spielte und siegte Bayer 04 noch im berühmten Ibrox-Stadion in Glasgow vor 47.494 Zuschauern. Inzwischen ist jedoch nichts mehr, wie es war. Die Corona-Krise hat den Spitzen- und Breitensport in beinahe der gesamten Welt binnen weniger Tage zum Stillstand gebracht. Das stimmt freilich auch Jonathan Tah nachdenklich. „Die Partie bei den Rangers ist echt nicht so lange her“, sagt der Nationalverteidiger aus Leverkusen am Freitag. „Es ist unglaublich, in welcher Zeit wir uns gerade befinden.“

Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Da niemand weiß, wann die Saison fortgesetzt werden kann, müssen die Profis der Werkself derzeit alleine trainieren. Dazu hat ihnen Coach Peter Bosz beim vorerst letzten gemeinsamen Treffen am vergangenen Mittwoch individualisierte Trainingspläne an die Hand gegeben.

„Mein Alltag besteht hauptsächlich aus Training“, sagt Tah. Er gehe laufen, mache daheim Kraft- und Beweglichkeitstraining mit einem privaten Fitnesscoach und jongliere zwischendurch mit einem Mini-Fußball. Es während der Zwangspause lockerer angehen zu lassen, sei keine Option für den 24-Jährigen. „Wenn ich zwei Wochen nichts machen würde, bräuchte ich vier Wochen, um wieder dieselbe Kraft wie vorher zu haben.“

Tah, der in dieser Saison bereits 32 Pflichtspiele für den Werksklub absolviert hat, rät dazu, in der aktuellen Lage die Ruhe zu bewahren. „Ich bin kein Freund von Panik, da trifft man falsche Entscheidungen. Aber wir müssen uns der Situation schon bewusst sein“, sagt er. „Wir sind alle keine Ärzte und dürfen uns daher auch kein Urteil darüber erlauben, wie schlimm die Lage ist.“ Der Verteidiger fühle mit den Menschen mit, die unter den Auswirkungen der Corona-Krise derzeit leiden müssen. „Ich kann sehr gut einschätzen, wie sich manche Leute aktuell fühlen“, sagt der neunfache Nationalspieler. Die derzeitige Ausnahmesituation fordere viele Menschen – auch mental.

Der gebürtige Hamburger geht mit gutem Beispiel voran. Durch seine Unterstützung hat die Sepp-Herberger-Stiftung ein Hilfsprogramm für „Mitglieder der Fußball-Familie“ gestartet, die durch die Corona-Krise unverschuldet in Not oder wirtschaftliche Bedrängnis geraten sind. 100.000 Euro stellt die Stiftung zur Verfügung. Tah beteiligt sich als erster privater Spender.

„Ich bin der Erste, damit ich nicht der letzte Spender bin. Es geht gar nicht darum, wie viel man spendet, sondern was man macht. Es geht um die Solidarität.“ Er selbst wolle vorangehen, um einerseits andere zu inspirieren, aber auch zu motivieren, selbst ihren Teil beizutragen, anderen in Not zu helfen. „Wir alle werden darauf sensibilisiert, dass die Menschen einander jetzt brauchen.“

Das Sportliche rückt freilich erst einmal in den Hintergrund – auch wenn sich die Werkself in einem Formhoch befunden und bereits über etwaige Titelchancen spekuliert wurde. Wann sich die Mannschaft wiedersieht, ist noch unklar. Niemand könne genau sagen, wie sich die Gesamtsituation entwickle, betont Tah. „Es ist ein ganz komisches Gefühl gerade. Du hast nichts, woran du dich festhalten kannst.“ Aber: „Die Situation darf uns jetzt nicht unglücklich machen. Wir müssen das Beste daraus machen.“