Bayer 04 Leverkusen: Joel Pohjanpalos nächster Anlauf

Bayer-Angreifer kämpft sich zurück : Joel Pohjanpalos nächster Anlauf

Bayer-Angreifer Joel Pohjanpalo ist nach langer Leidensgeschichte wieder einmal dabei, sich zurückzukämpfen. Der Finne zeigt im Trainingslager von Bayer 04 Leverkusen, dass er das Toreschießen nicht verlernt hat.

Wer Joel Pohjanpalo bei den Übungen unter der spanischen Sonne beobachtet, sieht einen jungen Mann, der in diesem Jahr noch einiges vorhat. Der finnische Angreifer trainiert voll mit, agiert beherzt, engagiert, manchmal etwas ungestüm – und er zeigt, dass er das Toreschießen nicht verlernt hat. Noch sitzt nicht jede Aktion des 25-Jährigen perfekt. Aber er ist wieder da. Und das ist alles andere als selbstverständlich.

Um ein Gefühl dafür zu entwickeln, welche tiefen Täler der Stürmer bereits durchschreiten musste, hilft ein Blick in die Vergangenheit. Im September 2016 erlebte er etwas, was nur wenigen Bundesligaspielern vergönnt ist. Die Werkself spielte gegen den Hamburger SV und lag 0:1 zurück. In der Schlussphase wechselte der damalige Trainer Roger Schmidt Pohjanpalo ein – und der Joker stach nicht nur, er drehte das Spiel mit einem Hattrick.

Es war ein Auftritt, der seinen Kultstatus bei Bayers Fans untermauerte. Sie nennen den Finnen aufgrund seiner vermeintlichen Ähnlichkeit mit der von Max von der Groeben gespielten Figur aus den „Fack ju Göhte“-Filmen beim Spitznamen „Danger“. Nach seiner Gala gegen Hamburg bewies er bei Kurzeinsätzen immer wieder seinen Torinstinkt. Doch dann folgten ein Mittelfußbruch, zunehmend schwindende Spielminuten und schließlich eine Verletzung, die beinahe sein Aus im Profifußball bedeutet hätte.

Eine Durchblutungsstörung im rechten Sprungbein, einem Fußknochen, zwang ihn im Frühjahr 2018 zu einer Pause von insgesamt rund 20 Monaten. Die Zeit war geprägt von intensiver Reha, langwierigen Behandlungen, Fortschritten, Rückschlägen und dem Bangen um die Zukunft. Zum Karriereende haben Pohjanpalo zufolge nur fünf Millimeter gefehlt. „Wenn der Knochen durchgebrochen wäre, hätte ich an einen anderen Beruf denken müssen“, sagte er im März 2019 als er sich wieder einmal an das Teamtraining herangekämpft hatte. Im Oktober vergangenen Jahres stand er beim 2:2 gegen Bremen erstmals wieder in der Bundesliga auf dem Platz – wenn auch nur für eine Minute. Kurz danach hatte er in der EM-Qualifikation mit Finnland ein persönliches Erfolgserlebnis: Beim 1:4 gegen Bosnien-Herzegowina gelang ihm nach seiner Einwechslung sein erstes Tor seit einer gefühlten Ewigkeit. An der ersten Qualifikation seines Heimatlands für eine EM-Endrunde hatte er mit zwei Einsätzen seinen Anteil.

Im November folgte der nächste Schock: Im Training mit Finnland zog er sich einen Teilanriss des Innenbandes zu. Dieses Mal betraf die Verletzung aber das linke Sprunggelenk. Also kämpfte sich der damit bereits erfahrene Pohjanpalo erneut zurück. Im Trainingslager der Werkself in La Manga nimmt er nun den nächsten Anlauf. „Er ist auf einem guten Weg“, sagt Sportdirektor Simon Rolfes. „Mich freut es sehr, dass er nach seiner langen Leidensgeschichte wieder fit ist. Das Wichtigste ist, dass die Durchblutungsstörung kein Thema mehr ist.“

Auch die Innenbandverletzung ist längst auskuriert. Schon beim letzten Spiel in Mainz (1:0) war der 25-Jährige wieder Teil des Kaders. Rolfes traut dem treffsicheren Finnen zu, dass er in der Rückrunde ein Faktor werden könnte. „Das entscheidet der Trainer, aber ausgeschlossen ist das sicher nicht“, sagt der 37-Jährige. Acht Tore erzielte Pohjanpalo in bislang 22 Pflichtspielen für die Werkself. „Es ist wichtig, dass er gesund bleibt und in den Rhythmus findet. Klar ist der Konkurrenzkampf im Kader groß, aber er hat ja auch schon ein paar Mal gezeigt, dass er ein guter Joker ist.“

Bayer habe sich 2018 nach der Diagnose bewusst dafür entschieden, den endenden Vertrag mit Pohjanpalo bis 2022 zu verlängern. „Ich kann aus eigener Erfahrung gut nachvollziehen, wie wichtig es ist, dass man bei sehr langen Verletzungen die Unterstützung des Vereins hat“, betont Rolfes. „Es gehört zu unserem Selbstverständnis, dass wir immer zu unseren Spielern stehen.“