Bayer 04 Leverkusen ist eine Nummer zu klein

Frust nach Niederlage gegen Schalke: Bayer ist eine Nummer zu klein

Bayer 04 würde gerne ein Top-Team sein. Das gelingt aber aktuell noch zu selten. Was der Werkself im Detail fehlt, um wieder dauerhaft unter die Spitzenmannschaften der Fußball-Bundesliga vorstoßen zu können.

Der Frust über die verpasste Chance, zu Hause endlich eines der Top-Teams der Liga zu schlagen, war nach dem 0:2 gegen den FC Schalke groß unter dem Bayer-Kreuz. Hatte sich die Werkself in der Hinrunde peu à peu und mit teils sehenswertem Fußball auf die anvisierten internationalen Plätze hochgearbeitet, scheint mit Beginn der Rückserie die Leichtigkeit wie weggeblasen. Doch nicht nur das: Die verdiente Niederlage am Sonntag befeuert jene Stimmen, die Bayer Leverkusen nicht zur Riege der Spitzenteams zählen.

Sinnbildlich für den wenig euphorieverbreitenden Start in das letzte Saisondrittel steht Bayer-Stürmer Kevin Volland. Der mit zehn Treffern nach wie vor beste Bayer-Schütze in dieser Saison blieb auch gegen den Revierklub bemerkenswert blass. Er wartet seit nunmehr sieben Spielen auf ein Erfolgserlebnis - und sein 50. Bundesliga-Tor. "Wir müssen wieder einfacher spielen, vielleicht nicht immer ins Dribbling gehen", sagte der gefrustete 25-Jährige. Gegen Schalke habe jeder Leverkusener das Gefühl gehabt, "alleine am Ball zu sein", betonte Volland. "Da müssen wir wieder mehr investieren, mehr laufen und unsere Mitspieler besser unterstützen."

Die kritische Phase, die das Team von Trainer Heiko Herrlich derzeit durchlebt, hat viele Ursachen. Neben der Torflaute ihres besten Angreifers machen der Werkself auch die Ausfälle Lars Bender und Jonathan Tah zu schaffen. Kapitän Bender hat sein vorerst letztes Spiel Ende Januar bestritten und fehlt seitdem wegen eines Faserrisses im Adduktorenbereich. Tah, dessen vorzeitige Vertragsverlängerung bis 2023 vor der Pleite gegen Schalke bekannt wurde, ist beinahe unersetzlich in der Innenverteidigung. Nicht umsonst soll sich unter anderem Borussia Dortmund für einen Transfer des 22-Jährigen interessiert haben. Panagiotis Retsos, der den zuletzt grippekranken Tah gegen Schalke auf dessen Position vertrat, sah am Sonntag bei beiden Gegentoren nicht gut aus. "Das waren zwei große Fehler von mir", sagte der 19-jährige Grieche. Immerhin: Sowohl Tah als auch Lars Bender könnten schon am Samstag in Wolfsburg wieder auf den Platz zurückkehren.

Ein weiterer Stolperstein der Leverkusener auf dem Weg zum Spitzenteam ist die eigene Undiszipliniertheit. Die Gelb-Rote Karte, die sich Dominik Kohr gegen clever agierende Schalker schon vor der Pause einhandelte, war bereits der dritte Platzverweis für einen Leverkusener in einem Spiel gegen eines der Top-Teams. Gegen Dortmund (1:1) wurde Linksverteidiger Wendell vor dem Seitenwechsel mit Rot in die Kabine geschickt. Teamkollege Benjamin Henrichs sah gegen Leipzig (2:2) nur sieben Minuten nach seiner Einwechslung zur Halbzeit die Rote Karte.

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Bernd Leno fand nach dem Schalke-Spiel deutliche Worte. Er kritisierte: "Wir haben einiges vermissen lassen, uns kaum Torchancen erspielt und es viel zu kompliziert versucht." Dass sich seine Mannschaft erneut von einem Spitzenteam hat abkochen lassen, sorgte für Missmut beim Schlussmann. "Wir müssen in Wolfsburg punkten, sonst verpassen wir den Anschluss."

Bayer 04 steht mit 38 Punkten und dem fünften Rang weiterhin auf Tuchfühlung zu den Champions-League-Rängen, doch viele Ausrutscher darf sich das Herrlich-Team in den verbleibenden zehn Partien nicht mehr erlauben. Soll die Königsklasse erreicht werden, sind auch Spieler wie die hochveranlagten Kai Havertz und Julian Brandt gefordert, mehr als gegen Schalke zu zeigen. Schließlich darf sich die Werkself nicht zu sehr auf Shootingstar Leon Bailey verlassen, der am Sonntag eines seiner schwächeren Spiele zeigte - und trotzdem noch einer der besseren Leverkusener war.

Herrlich sprach von einem "Rückschlag" gegen einen direkten Rivalen. "Es ist wichtig, dass wir schnellstmöglich die Kurve bekommen", forderte der 46-Jährige.

(sb)