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Bayer 04 Leverkusen: In 80 Sekunden zum Sieg im Topspiel

Von 2:3 auf 4:3 : Bayer schafft es in 80 Sekunden zum Sieg im Topspiel

Der 4:3-Erfolg von Bayer 04 gegen Borussia Dortmund hat viele Väter: Trainer Peter Bosz, der mit der Einwechslung von Leon Bailey goldrichtig lag, Kevin Volland, der doppelt traf – und Lars Bender, der das Siegtor erzielte.

Als Leon Bailey den Platz betrat, rechneten wohl nur noch die größten Optimisten mit einem Sieg. Die Werkself lag 2:3 gegen Borussia Dortmund zurück und viel deutete darauf hin, dass die Gäste die Heimreise mit drei Punkten antreten könnten. Doch der Jamaikaner setzte nur wenige Sekunden nach seiner Einwechslung ein Zeichen. Zwar zählte sein vermeintlicher Ausgleichstreffer wegen voriger Abseitsposition von Vorlagengeber Kevin Volland nicht, doch die Szene war der Startschuss für eine Druckphase, in der Bayer die Partie zum 4:3 (2:2)-Sieg drehte.

Dafür reichten der Mannschaft von Trainer Peter Bosz rund 80 Sekunden. Bailey erzielte das 3:3 (81.) und leitete kurz danach den Ball an Daley Sinkgraven weiter, der mustergültig auf Lars Bender flankte, dessen Kopfball an Roman Bürki vorbei ins Tor flog und damit das Spektakel in der BayArena komplett machte (82.). Als dann kurz vor dem Abpfiff Dortmunds Axel Witsel eine Großchance vergab, war klar, dass Bayer eine kleine Sensation gelungen ist. „Ich bin so stolz auf die Jungs“, sagte Bailey. Er ist offenbar ein Mann für die großen Spiele, überzeugte schon beim 2:1-Sieg in München mit einem Doppelpack. „Es war sehr hart, zurückzukommen, aber wir haben Charakter bewiesen.“

Der Siegtorschütze zog es vor, nach dem Abpfiff zu schweigen. Doch wer den Jubel des Kapitäns nach seinem Treffer gesehen hat, wusste um das Innenleben des 30-Jährigen. „Es war ein sehr leidenschaftliches Spiel von uns“, sagte Volland. Er war der dritte Held des Fußballabends. Der 27-Jährige erzielte das 1:0 und 2:2 und war an etlichen guten Offensivaktionen beteiligt. „Es ist nicht einfach, gegen Dortmund einem Rückstand hinterherzurennen, aber wir haben mutig gespielt und uns belohnt.“

Bayer habe den längeren Atem gehabt und das Spiel letztlich verdient gewonnen. „Wir hatten nach dem 2:3 nichts mehr zu verlieren“, sagte Volland. „Dass wir das Ding noch gedreht haben, ist der Wahnsinn.“ Den gab es nach Schlusspfiff auch in der Kabine der Werkself – sprichwörtlich. Denn Karim Bellarabi, mutmaßte Volland, legte zur Feier des Tages den ebenso einprägsamen wie mitgrölbaren Schlagerhit von Wolfgang Petry auf: „Das ist Waaaahnsinn…“

Für Lars Benders extraordinäre Sprungkraft beim 4:3 hatte Volland nichts als Anerkennung übrig. „Bis jetzt habe ich ihn nur beim Basketballspielen so hoch springen sehen“, sagte der Torjäger und grinste. „Es war ein überragendes Spiel von ihm. Nach dem Tor hat man gesehen, wie viel Druck von ihm abgefallen ist. Das sind echte Emotionen – und solche Typen braucht man als Mannschaft.“

Durch den Erfolg ist Leverkusen nun bis auf zwei Punkte an den BVB herangerückt. „Ich habe ein bisschen auf ein 3:3 gehofft, aber dass wir gegen Dortmund noch so gewinnen, ist für uns natürlich ein Traum“, sagte Sportgeschäftsführer Rudi Völler. „Wir haben super gekämpft und auch ein bisschen Glück gehabt. So ein Spiel haben wir gebraucht.“

War das also ein Wendepunkt für den bisher eher volatilen Saisonverlauf der Werkself? Völler: „Es hat gezeigt, dass wenn wir gegen ein Topteam wie Dortmund zurückliegen, aber trotzdem mutig weiterspielen und daran glauben, alles möglich ist.“