Bayer 04 Leverkusen: Immer weniger Zuschauer wollen die Werkself sehen

Nur die Top-Klubs ziehen : Bayer 04 wirbt um mehr Zuschauer

Gegen München wird Leverkusens Stadion erst zum zweiten Mal in dieser Saison ausverkauft sein. Selbst gegen Gladbach blieben Plätze leer. Das soll sich bei Bayer künftig ändern.

Wenn der FC Bayern auf Reisen geht, klingeln bei gegnerischen Klubs die Kassen. Schließlich ist München ein Garant für volle Stadien. Zwischen 2007 und 2017 waren unglaubliche 361 Partien des Serienmeisters in Folge ausverkauft – ein Bundesligarekord. Auch das Gastspiel des FCB am Samstag in Leverkusen (15.30 Uhr) wird wie gewohnt vor der maximal möglichen Zuschauerzahl von 30.210 in der BayArena ausgetragen. Die Tickets für das Spiel sind seit Wochen vergriffen. Doch was für die Profis aus München längst Gewohnheit ist, stellt für die Spieler des Werksklubs keine Selbstverständlichkeit dar. Denn in dieser Saison war bislang einzig das Duell mit Spitzenreiter Borussia Dortmund ausverkauft.

Selbst zum Rückrundenauftakt und der Premiere von Trainer Peter Bosz unter dem Bayer-Kreuz (0:1 gegen Gladbach) blieben 600 Plätze frei. Zur Europa-League-Begegnung gegen Rasgrad Ende November spielte die Werkself vor einer Minuskulisse von 16.066 Fans. „Natürlich waren wir darüber nicht erfreut“, sagt Meinolf Sprink. „Aber wir müssen das auch in Relation setzen: In der Vorsaison waren gegen Gladbach zum Beispiel 27.721 Zuschauer da, also weniger als jetzt.“ Sprink ist seit 2015 Direktor für Fans und Soziales beim Werksklub. Als Gründe für die insgesamt rückläufigen Zahlen – nie war der Zuschauerschnitt in den vergangenen zehn Jahren niedriger als bislang in dieser Saison – sieht er eine „Melange an Themen“. Das sportliche Abschneiden des Teams, das immer größer werdende TV-Angebot oder auch der Frust der Fans über die zunehmende Kommerzialisierung im Fußball-Geschäft würden gewiss dazu beitragen. „Zudem dürfen wir nicht vergessen, dass wir im Vergleich zu den Metropolregionen ein kleiner Standort sind“, sagt Sprink.

Dass in der BayArena trotz eines offiziellen Zuschauerschnitts von 27.563 oft viele freie Plätze zu sehen sind, liegt zudem an dem Nichterscheinen einiger Kartenbesitzer. „Es gibt Menschen, die ihre Tickets nicht nutzen“, betont Sprink. Selbst einige der rund 18.000 Dauerkarteninhaber des Werksklubs lassen im Verlauf einer Saison Spiele aus und geben ihre Eintrittskarte auch nicht weiter. Um solche Fälle zu vermeiden, belohnt Bayer 04 diejenigen, die alle 17 Heimspiele besuchen. „Für sie gibt es einen Treueschal. Vergangenes Jahr haben wir 2800 davon verteilt, das waren rund 400 mehr als in dem Jahr zuvor.“

Wenn am Samstag Thomas Müller, Manuel Neuer, Serge Gnabry und Co. in Leverkusen auflaufen, wird wohl kein Platz frei bleiben. Allerdings werden dann sicher auch viele Anhänger der Werkself im Stadion sein, die an anderen Spieltagen dort nur selten anzutreffen sind. Die sogenannten „Rosinenpicker“ sind seit Jahren ein Ärgernis bei eingefleischten Bayer-Fans. Gemeint sind damit jene Zuschauer, die nur für Spiele gegen die Topklubs Karten kaufen – so wie eben zum Bayern-Spiel.

Nicht nur beim Jubel nach dem Spiel gibt es in der BayArena leere Plätze. Foto: REUTERS/WOLFGANG RATTAY

Meinolf Sprink ist optimistisch, dass der Werksverein in der Rückrunde noch einige weitere Partien als „ausverkauft“ vermelden kann. Die Duelle mit Schalke 04 und Fortuna Düsseldorf könnten dazugehören. Da das Bosz-Team zudem noch im DFB-Pokal vertreten ist und in der Europa League im Sechzehntelfinale steht, könnten weitere Partien vor 30.210 Zuschauern hinzukommen – selbst, wenn der Gegner dann weder aus Dortmund noch München kommt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Wolfsburg - Bayer 04: die Werkself in der Einzelkritik

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