Bayer 04 Leverkusen: Identifikation statt Söldnertum

Vertragsverlängerungen bei Bayer 04: Identifikation statt Söldnertum

Während Vereine wie Schalke 04 namhafte Spieler ziehen lass muss, haben bei Bayer 04 Leverkusen alle Leistungsträger langfristige Verträge. Das beweist, dass die jungen Spieler das Vertrauen in sie zurückzahlen. Ein Kommentar.

Erst Jonathan Tah, dann Lars Bender und nun Julian Brandt - Bayer 04 schafft es, in der entscheidenden Phase der laufenden Saison frühzeitig die Weichen für die nächste zu stellen. Alle Leistungsträger haben langfristige Verträge. Abgesehen von Torwart Bernd Leno, der den Verein im Sommer wohl dank einer Ausstiegsklausel verlassen könnte, ist vieles bereits in trockenen Tüchern. Da können andere Vereine nur neidvoll staunen.

Während beispielsweise der FC Schalke namhafte Spieler wie Leon Goretzka und womöglich auch Max Meyer wird ziehen lassen müssen, hat Bayer seine Stars trotz etwaiger Angebote aus dem In- und Ausland langfristig gebunden. Das gibt zum einen Planungssicherheit für Trainer Heiko Herrlich und zum anderen ist es ein Beleg dafür, dass junge Spieler das in sie gesetzte Vertrauen zurückzahlen, wenn man sie fördert und die Rahmenbedingungen passen.

Dass Bayer nun den nächsten Vertragscoup landen konnte, ist auch ein Zeichen gegen die Söldnermentalität, die Profis gerne pauschal unterstellt wird. Denen geht es nur noch ums Geld, sagen viele. Die Identifikation mit den Vereinen nimmt rasant ab, unken andere. Dass ausgerechnet Bayer 04, das unter Fußballromantikern trotz seiner 114-jährigen Geschichte nicht unbedingt als Traditionsverein gilt, nun das Gegenteil beweist, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

Freilich wird auch in Leverkusen gutes Geld gezahlt, aber wenn so viele Schlüsselspieler frühzeitig und mit lobenden Worten für den Verein und das Umfeld verlängern, muss das auch andere Ursachen als das eigene Bankkonto haben - zum Beispiel Identifikation mit dem großen Ganzen.

(RP)
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