Bayer 04 Leverkusen: Havertz, Brandt und Tah im Visier der Spitzenklubs

Havertz, Brandt und Tah : Bayers Talente im Visier der Großen

Sollte der Werksklub den internationalen Wettbewerb verpassen, droht der Abgang mehrerer Profis. Kai Havertz wird mit dem FC Bayern München in Verbindung gebracht.

Wenn Bayer Leverkusen am Freitag (20.30 Uhr/Eurosport) bei der TSG Hoffenheim antritt, werden wohl nicht nur die jeweiligen Fans aufmerksam hinschauen, sondern auch die Scouts von Topklubs. Der Kader der Werkself ist gespickt mit Spielern, die Begehrlichkeiten bei anderen Vereinen geweckt haben. Julian Brandt wird nicht erst seit dem Bekanntwerden seiner Ausstiegsklausel mit einem Transfer im Sommer in Verbindung gebracht. Auch seine Nationalmannschaftskollegen Jonathan Tah und Kai Havertz sind im Fokus.

Letzterer soll beim FC Bayern weit oben auf der Wunschliste stehen. Schon länger kursiert das Gerücht einer Offerte des Rekordmeisters. Von Transfersummen um die 100-Millionen-Euro-Marke ist die Rede, bei denen Bayer 04 schwach werden könnte. Angesichts der scheinbar unaufhaltsamen Preisspirale im Fußball ist das keine unrealistische Summe für den Ausnahmespieler.

Der 19-Jährige geht mit den Spekulationen um einen Wechsel vergleichsweise gelassen um. Das sei eine Diskussion in der Öffentlichkeit, die ihn nicht besonders interessiere. „Generell wird viel geredet. Manche Dinge stimmen, manche nicht“, sagte er im Interview mit Eurosport. „Ich kann mit den Schlagzeilen gut umgehen, weil ich weiß, was ich will.“

In Leverkusen hat das Eigengewächs einen Vertrag bis 2022 – ohne Ausstiegsklausel. Abgesehen davon hat er nicht vergessen, wo er zu einem der vielversprechendsten Fußballer seiner Generation reifte. „Ich bin ein Mensch, der im Hier und Jetzt lebt“, betont Havertz. „Ich mache mir keine Gedanken darüber, was in Zukunft kommt und weiß, was ich Leverkusen zu verdanken habe und wie wichtig der Verein für mich ist.“ Allerdings fügt er mehrdeutig hinzu: „Im Sommer wissen wir mehr.“ Das gilt auch für die Zukunft der Werkself insgesamt.

Havertz will nach eigenem Bekunden alles dafür tun, damit die Saison auf einem internationalen Platz endet. Sollte es am Ende jedoch wie im Vorjahr „nur“ für die Europa League reichen, wäre es das dritte Jahr in Folge ohne Champions-League-Teilnahme. Doch selbst das Erreichen des im Vergleich mit der Königsklasse weitaus weniger glamourösen Wettbewerbs ist noch keineswegs sicher. Ambitionierten Spielern wie Tah, Brandt oder eben Havertz könnte das auf Dauer zu wenig sein. Immerhin war die Champions League für junge, hochveranlagte Spieler seit Jahren ein gewichtiges Argument, unters Bayer-Kreuz zu wechseln.

Insofern kommt dem Spiel in Hoffenheim eine besondere Bedeutung zu. Noch ist die TSG auf dem neunten Platz vier Punkte hinter Bayer, das Rang sechs belegt. Es geht also für die Werkself nicht nur darum, den Anschluss nach oben zu wahren. Ebenso wichtig ist, den Verfolger auf Distanz zu halten – eine Mission, die indes schon vor beim 1:3 gegen Bremen vor der Länderspielpause scheiterte.

Sollte auch die Mission europäischer Fußball scheitern, steht Sportdirektor Simon Rolfes wohl nicht nur wegen ausfallender Einnahmen ein heißer Transfersommer bevor. Denn neben Havertz wird auch Brandt immer wieder mit München oder Dortmund in Verbindung gebracht. Topklubs aus dem Ausland sind freilich ebenfalls in der Verlosung. Und auch Tah hat in dieser Saison einen Schritt in seiner Entwicklung gemacht und scheint bereit für höhere Aufgaben.

Die stehen vor allem auf der internationalen Fußballbühne an, wo aus Talenten Stars werden. Diesen Ehrgeiz hört man von Havertz vor allem zwischen den Zeilen: „Ich genieße derzeit einfach den Moment, ohne mir viele Gedanken darüber zu machen, was ich schon erreicht habe. Man will ja immer mehr.“ Und mit „man“ meint er vor allem: „ich“.

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