Bayer 04 Leverkusen hat zu wenige Außenverteidiger im Kader

Kaum Optionen im Kader : Die Außenverteidiger sind Bayers Baustelle

Für die im System von Trainer Peter Bosz wichtige Position des Außenverteidigers gibt es nur wenige Alternativen im Kader von Bayer 04 Leverkusen. Sportgeschäftsführer Rudi Völler hält die Augen nach Verstärkungen offen, doch die sind rar.

Panagiotis Retsos ist der Pechvogel der Saison bei Bayer 04. Erst brach sich der Grieche zum Vorbereitungsstart die Hand, dann fiel er lange wegen einer Sehnenverletzung im Oberschenkel aus. Als die überstanden war, zog er sich nach nur 30 Minuten Spielzeit in der Europa League einen Muskelfaserriss zu. Mit Tränen in den Augen humpelte der 20-Jährige Grieche Ende November vom Platz. Seitdem ist es ruhig geworden um den als eines der größten Defensivtalente Europas gehandelten Nationalspieler. Ebenso vorsichtig wie beharrlich arbeitet er an seinem Comeback – und macht dabei Fortschritte.

Am Mittwoch stand er zeitgleich mit seinen Teamkollegen auf dem Rasen und absolvierte gut 60 Minuten lang eine individuelle Einheit am Ball. Die Integration in das Mannschaftstraining wird noch Zeit brauchen, aber das Ende seiner Leidenszeit ist immerhin in Sicht. Der langfristige Ausfall des Griechen, der in der Defensive im Grunde jede Position ausfüllen könnte, wiegt schwer.

Bayer 04 hat schon lange ein Problem auf den Außenverteidigerpositionen. Der seit Wochen formschwache und bisweilen vogelwild verteidigende Wendell ist auf der linken Seite weitgehend konkurrenzlos – abgesehen von Tin Jedvaj. Der Kroate hat beim 2:3 in Dortmund zwar in den ersten 30 Minuten gezeigt, dass er auch als gelernter Innenverteidiger der Aufgabe auf der linken Außenbahn gewachsen ist, sich dann allerdings einen groben Schnitzer vor dem 1:2 erlaubt. Beim 1:3 sah er ebenfalls nicht gut aus.

Auf der anderen Seite des Feldes hat Lars Bender lange eine gute Figur gemacht, doch auch der Kapitän laboriert nun schon seit Wochen an den Folgen eines Muskelfaserrisses. Er ist zwar schon deutlich weiter als Retsos und trainiert wieder mit der Mannschaft, aber ob er bereits am Samstag gegen Freiburg wieder spielen kann, bleibt offen (15.30 Uhr). Seine Vertretung ist seither Mitchell Weiser, der im Sommer für kolportierte 12 Millionen Euro von Hertha BSC an den Rhein wechselte. Seine erste Saison bei Bayer 04 ist bislang indes keine überzeugende. Zwar blitzt sein Talent vor allem offensiv immer wieder auf, doch bisher hat er sich auf eher durchschnittlichem Niveau eingependelt. Daran ändern auch seine Traumtore im Hinspiel gegen Dortmund sowie in der Europa League gegen Rasgrad nichts.

Die Spielzeit hat gezeigt, dass die Werkself ein Problem bei den Außenverteidigern hat. Sie haben im System von Trainer Peter Bosz eine wichtige Funktion. Bei eigenem Ballbesitz sind sie Aufbau- und Flügelspieler mit reichlich Offensivdrang, bei gegnerischen Ballbesitz Abfangjäger im Dauerangriffsmodus, die nicht nur Flanken verhindern sollen.

Rudi Völler ist das Manko im Kader klar. Allerdings kennt er auch die Tücken des Marktes. „Das ist eine Position, für die viele Vereine Spieler suchen“, sagt der Sportgeschäftsführer. Ein Transfer müsse für Bayer 04 Sinn ergeben. „Für die rechte Seite gibt es mehr Auswahl, aber Linksfüßer gibt es nicht so viele. Das ist eine Position, für die wir die Augen offen halten“, betont Völler.

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