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Bayer 04 Leverkusen gibt Einblicke in Paulinhos Reha

Neue Doku über Bayer-Talent : Werksklub gibt Einblicke in Paulinhos Reha

In einer neuen Kurz-Dokumentation über den lange verletzten Paulinho bekommen die Fans von Bayer Leverkusen auch einen Eindruck, wie das Talent privat tickt – und welche Rolle seine Familie bei den Comeback-Bemühungen gespielt hat.

Es ist Dienstag, der 30. Juni 2020. Im Haberland-Stadion bereitet sich die Werkself auf das in wenigen Tagen in Berlin stattfindende Pokalfinale gegen München vor. Die Sonne scheint und die Intensität im Training ist hoch. Mittendrin: Paulinho. Der junge Brasilianer kommt an den Ball, dribbelt ein paar Meter – und bleibt nach einem Ausfallschritt plötzlich liegen. Während seine Teamkollegen nach kurzer Behandlungspause weiter trainieren können, muss Paulinho gestützt von den Mannschaftsärzten in die Kabine getragen werden. Dem Talent des Werksklubs schießen die Tränen in die Augen. Paulinho weiß: Das Endspiel um den Pokal würde er sicher verpassen. Und womöglich noch viel, viel mehr.

Die schlimmen Befürchtungen bestätigten sich. Der damals 19-Jährige hatte sich das vordere rechte Kreuzband gerissen, zudem war sein Knorpel in Mitleidenschaft gezogen worden. In der jetzt vom vereinseigenem TV veröffentlichten 13-minütigen Dokumentation „Never Stop Fighting: Paulinho – Vom Kreuzbandriss bis zum Comeback“ schildert Dr. Philipp Ehrenstein, wie es zu der Verletzung kommen konnte.

„Das Problem in dem Moment war, dass sein Körperschwerpunkt aufgrund der Größe des Ausfallschritts neben seinem Bein stand und er dadurch eine Scherkraft in das Knie reinbekommen hat, die das Ganze verdreht hat“, erklärt Bayers Teamarzt. Das Kreuzband sei zudem nie die erste Barriere des Kniegelenks. „Bei einem Kreuzbandriss hat man immer eine Kombinationsverletzung“, betont Dr. Ehrenstein. Zumeist würde auch mindestens eine Knochenprellung vorliegen und/oder das Innenband gerissen sein. „Und manchmal kommt sogar noch der Meniskus dazu. Dadurch hatten wir auch bei Pauli diese unglückliche Dreifachverletzung.“

Für Paulinho war die Diagnose freilich der bis dato größte Rückschlag in seiner noch jungen Karriere als Profi. Der Offensivspieler, der im Rheinland mit seinem Bruder und seinen Eltern lebt, betonte: „Es hat sich für mich angefühlt, als würde eine Welt zusammenbrechen.“ Den Kopf in den Sand zu stecken, war für ihn freilich keine Option. Schon wenige Tage nach der Operation im österreichischen Innsbruck hatte Paulinho wieder Trainingskleidung an. Stunden um Stunden verbrachte er fortan im dritten Stock der BayArena, der sogenannten „Werkstatt“. Im Trainings- und Rehazentrum schuftete er für sein Comeback.

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Dr. Ehrenstein zeigt sich vom Willen des Südamerikaners beeindruckt. „Brasilianer sind es gewohnt, dass sie Weihnachten bei 30 Grad an der Copacabana feiern. Er kommt aus Rio und hat hier im November drei Grad und Reha. Das ist schwer, aber er macht es super.“ Seine Familie stärkte Paulinho während der dunklen Tage den Rücken. „Das war für mich sehr wichtig, da ich in einem fremden Land mit einer fremden Kultur lebe“, sagt Paulinho. „Meine Familie hat mir während der Reha sehr geholfen – und mich mental stärker gemacht.“

Zehn Monate und 22 Tage nach dem Trainingsunfall war es dann soweit: Am letzten Spieltag der vergangenen Saison feierte Paulinho in Dortmund seine Rückkehr auf den Rasen. Seit seinem Wechsel 2018 von Vasco da Gama unters Bayer-Kreuz hat Paulo Henrique Sampaio Filho – wie Paulinho mit bürgerlichem Namen heißt – allerdings erst eine Bundesliga-Partie über 90 Minuten für Leverkusen bestritten. Spielpraxis könnte er womöglich demnächst in Japan sammeln. Am Donnerstag wurde Bayers Angreifer in den Kader der brasilianischen Olympia-Auswahl für die Spiele in Tokio berufen.