Bayers Trainer vor dem Aus Seoanes Nachfolger steht wohl schon bereit

Porto · Noch ist die Entscheidung nicht gefallen, aber nach dem 0:2 in Porto sind die Tage von Gerardo Seoane in Leverkusen wohl gezählt. Ein heißer Kandidat für seine Nachfolge als Trainer der Werkself soll Xabi Alonso sein.

Xabi Alonso.

Xabi Alonso.

Foto: dpa/Andreas Gebert

Während die Fans auf den Rängen des Estadio do Dragao noch den 2:0-Heimsieg des FC Porto gegen Bayer Leverkusen feierten, stand Jonathan Tah schon zum Interview beim Streamingdienst „Dazn“ bereit. Der Innenverteidiger der Werkself hatte einmal mehr die unangenehme Aufgabe, eine Erklärung für eine Niederlage seiner Mannschaft zu formulieren. „Ich glaube, in so einem Spiel ist es wichtig, dass du die Möglichkeiten, die du hast, auch nutzt“, sagte der 26-Jährige. Bayer hätte zum Pausenpfiff auch 2:0 führen können. „Wir haben uns ganz klar in der Halbzeit gesagt, dass wir die Köpfe nicht hängen lassen.“

Passiert ist allerdings das exakte Gegenteil. In der zweiten Halbzeit ging den Leverkusenern die Struktur verloren, die Abstände zu Gegenspielern wurden größer, nennenswerte Torchancen waren ebenfalls nicht mehr zu sehen. Stattdessen nutzte Porto die gewährten Freiräume für schnelles und effektives Umschalten – erst traf Zaidu (69.), dann Galeno (87.). „Am Ende wurde es dann ein bisschen wild“, fasste Tah das Durcheinander in Bayers Hintermannschaft zusammen.

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Aber auch vorne funktionierte das Zusammenspiel nicht wirklich. Daran ändern der verschossene Handelfmeter von Patrik Schick kurz vor der Halbzeit und das nach einer guten Viertelstunde per Videobeweis aberkannte Tor von Callum Hudson-Odoi nichts. Die Rheinländer spielten eine ordentliche erste Halbzeit, keine Frage, auch besser als zuletzt beim gruseligen 0:4 in München, aber mehr auch nicht.

Man kann kaum noch zählen, wie oft Seoane in dieser Saison den letzten Willen, den letzten Biss, die letzte Aggressivität, die letzte Konsequenz von der Mannschaft eingefordert hat. Mindestens ebenso häufig hat er mangelnde Durchschlagskraft in der Offensive und defensive Anfälligkeit diagnostiziert – ohne erkennbare Verbesserung. Die Bilanz des Erfolgstrainers aus der Vorsaison ist verheerend. Von bislang zwölf Spielen gingen acht verloren. Der Schweizer wirkt ratlos und wiederholt wie ein Mantra, aus Niederlagen die richtigen Schlüsse ziehen zu müssen.

Nach der Niederlage gegen Porto betonte er beinahe trotzig, dass Leverkusen eine deutlich bessere Leistung als beim 0:4 zuletzt in München gezeigt habe. Ob der in allen Belangen desaströse Auftritt beim Rekordmeister als Maßstab gelten sollte, ist die andere Frage. Er wolle jedenfalls jetzt „direkt nach vorne blicken und die positiven Dinge mitnehmen.“ Gut möglich, dass Seoane dazu gar nicht mehr die Gelegenheit erhält und nach der Landung in Köln von Bayer freigestellt wird.

Es geistert bereits hartnäckig der Name Xabi Alonso durch das Umfeld des Werksklubs. Der US-Sportsender „ESPN" hatte zuerst über das Gerücht berichtet. Die ebenfalls verfügbaren Kandidaten Adi Hütter und Domenico Tedesco sind hingegen wohl kein Thema unter dem Bayer-Kreuz, Thomas Tuchel soll abgewunken haben. Der 40-jährige Alonso war zuletzt drei Jahre lang für die zweite Mannschaft von Real Sociedad San Sebastian verantwortlich.

Auf ihn würde eine Menge Arbeit mit einer Mannschaft warten, die sich selbst ein Rätsel ist und trotz aller Betonungen der eigenen Stärke weit unter ihren Möglichkeiten bleibt. Im Sommer 2021 galt er bereits als möglicher neuer Trainer von Borussia Mönchengladbach. Es gab wohl auch Gespräche, doch aus einer Rückkehr des ehemaligen Weltklassespielers bei Real Madrid, dem FC Liverpool und Bayern München in die Bundesliga wurde nichts. Der Weltmeister von 2010 und zweimalige Europameister sowie Champions-League-Sieger hat einen klangvollen Namen, keine Frage, ist aber vergleichsweise unerfahren als Coach auf höchstem Niveau.

Tah betonte nach dem Spiel in Porto die intakte Beziehung zwischen den Spielern und Seoane. „Wir sind weiterhin überzeugt, der Trainer hat eine super Connection zu der Mannschaft. Wir wollen gemeinsam aus der Situation rauskommen“, sagte der Innenverteidiger. „Wir alle sind in der Verantwortung.“ Der Kader verfüge „auf jeden Fall“ über genug Führungsspieler, war indes eine gewagte These des 26-jährigen Innenverteidigers. Denn außer seinem Pflicht-Interview nach der Übertragung äußerten sich weder Spieler noch Verantwortliche zur Situation – was letzten Endes auch vielsagend war.

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