Bayer 04 Leverkusen geht auf dem Transfermarkt in die Offensive

Neue Einkaufspolitik : Bayer geht bei Transfers in die Offensive

Insgesamt über 50 Millionen Euro ließen sich die Verantwortlichen der Werkself Kerem Demirbay, Moussa Diaby und Daley Sinkgraven kosten. Auch Martin Ödegaard soll kommen. Die Zugänge bringen neuen Konkurrenzdruck ins Team.

Plötzlich ging es schnell: Kaum waren die Gerüchte über den Transfer von Moussa Diaby von Paris St. Germain zu Bayer 04 durchgesickert, machten Sportgeschäftsführer Rudi Völler und Sportdirektor Simon Rolfes bereits Nägel mit Köpfen. Für kolportierte 15 Millioenen Euro wechselte der 19-jährige Flügelspieler vergangene Woche ins Rheinland, wo er zur Begrüßung selbstbewusste Sätze verlauten ließ. Einen „entscheidenden Beitrag“ will der Franzose dabei leisten, die Saisonziele zu erreichen, die er mit „ganz oben mitspielen“ definiert. Er wolle sich bei dem Champions-League-Teilnehmer aus der Bundesliga beweisen.

Damit macht Diaby klar, dass er sich mittelfristig nicht auf der Ersatzbank sieht – eine Ansage an Positionskollegen wie Leon Bailey, Karim Bellarabi oder auch Paulinho, die sich jetzt wohl auf erhöhten Konkurrenzdruck im Team einstellen müssen. Das gilt auch für Wendell, der in den vergangenen Jahren als einziger nomineller Linksverteidiger im Grunde gesetzt war, aber sich nun intern mit Daley Sinkgraven messen muss. Für fünf Millionen Euro wechselt der 23-Jährige nach Leverkusen. Der 2016/17 von Bayers Trainer Peter Bosz in gemeinsamen Ajax-Zeiten vom Mittelfeldspieler zum linken Verteidiger umgeschulte Niederländer gilt als Lieblingsschüler des 55-Jährigen, der Sinkgraven bereits attestierte, das Zeug für die „absolute Weltspitze“ zu haben. Das klingt beinahe wie eine Einsatzgarantie.

Und dann ist da freilich noch Kerem Demirbay, der für die Rekordablöse von 32 Millionen Euro aus Hoffenheim zur Werkself wechselt, im zentralen Mittelfeld defensiv und offensiv spielen kann und als ballsicherer Stratege gilt. Ein deutliches „Signal für unsere Ambitionen“ sei der Transfer, betonte Völler. Man habe sich in Leverkusen für die kommende Saison „einiges vorgenommen.“

Da passt es ins Bild, dass in Martin Ödegaard der nächste Zugang auf dem Weg sein soll. Der Norweger gilt als Ausnahmetalent – wohl einer der Gründe, warum sein Verein Real Madrid ihn nicht verkaufen, sondern nur verleihen will. Der 20-Jährige könnte im offensiven Mittelfeld die Lücke schließen, die Julian Brandts Abgang Richtung Dortmund hinterlassen hat. Zuletzt war er an Vitesse Arnheim ausgeliehen und spielte eine gute Saison (39 Pflichtspiele, elf Tore, zwölf Vorlagen).

Die Transferpolitik ist nicht nur aus finanzieller Sicht ein Paradigmenwechsel. In den vergangenen Jahren begnügte sich Bayer 04 mit einem vergleichsweise schmalen Kader und moderaten Transfers. Nach der gelungenen Rückkehr in die Champions League ist offenbar „klotzen und nicht kleckern“ das Motto der Stunde. Das ist wohl auch eine Lehre aus der abgelaufenen Spielzeit, zu deren Beginn sich Julian Baumgartlinger schwer verletzte und Charles Aránguiz wegen anhaltender Knieprobleme nicht einsetzbar war. Die Folge: Zwei zentrale Spieler standen in der Hinrunde monatelang nicht zur Verfügung und jede weitere Verletzung minimierte die Möglichkeiten, das adäquat zu kompensieren.

Nun haben die Verantwortlichen der Werkself offensichtlich den Plan, den Kader qualitativ sowie quantitativ aufzustocken, um bei etwaigen Ausfällen genügend Optionen zu haben. Der interne Konkurrenzkampf dürfte zudem für eine höhere Spannung im Team sorgen. Auch die bislang bereits investierten gut 50 Millionen Euro sind eine Ansage: Nicht nur Völler und Diaby, sondern Bayer 04 insgesamt haben sich für die Saison 2019/20 viel vorgenommen.

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