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Bayer 04 Leverkusen: Florian Wirtz will mehr Tore, Vorlagen und Titel

Führungsrolle für Bayers Top-Talent : Wirtz will mehr Tore, Vorlagen und Titel

Bayer Leverkusens Top-Talent Florian Wirtz hat sich für die kommende Saison viel vorgenommen und will auf dem Rasen vorangehen. Trainer Gerardo Seoane ist von der Physis des 18-Jährigen beeindruckt.

Beim Abschlusstraining der Werkself in den Alpen fehlte Florian Wirtz. Wegen einer leichten Erkältung verbrachte das Top-Talent von Bayer 04 den Donnerstagvormittag vorsichtshalber im Team-Hotel „Tauern Spa“ in Kaprun, anstatt wie seine Teamkollegen noch einmal auf dem Rasen des Alois-Latini-Stadions in Zell am See zu schwitzen. Zur Medienrunde erschien der 18-Jährige dann trotzdem. In der machte er deutlich, dass er in seiner zweiten kompletten Saison in Leverkusen noch mehr Verantwortung als zuvor übernehmen möchte. Das soll sich dann auch in der Statistik niederschlagen. „Ich will mehr Tore schießen und mehr Vorlagen geben“, betont Wirtz.

Wer den Mittelfeldspieler in den vergangenen Tagen im Trainingslager in Österreich hat spielen sehen, dem wird neben den zweifelsfrei herausragenden Fähigkeiten am Ball vor allem der definierte Körper des Youngster aufgefallen sein. „Seine Physis hat mich positiv überrascht“, sagt Trainer Gerardo Seoane. In den vergangenen sechs bis acht Monaten habe sich Wirtz, was die Robustheit des Oberkörpers betrifft, noch einmal „extrem entwickelt. In den Zweikämpfen gibt er nie nach, ist total ehrgeizig. Er hat sich persönlich und mit der Mannschaft hohe Ziele gesetzt und ist auch bereit, dafür zu arbeiten.“

Der neue Bayer-Coach hat seinem Schützling bereits klar gemacht, dass er ihn in einer Führungsrolle sieht. Wirtz weiß also, was von ihm verlangt wird. „Der Trainer erwartet von mir, dass ich vorangehe, meine Leistung zeige und meine Mitspieler an ihr bestmögliches Niveau heranbringe, sie mitziehe“, sagt er. Überrascht habe ihn die Forderung des neuen Coachs nicht. 38 Pflichtspiele bestritt Wirtz bereits in der vergangenen Saison für die Werkself, erzielte dabei acht Tore und acht Vorlagen. Seoane sieht beim gebürtigen Pulheimer das Potenzial, dass er der „technische Leader“ der sich im Umbruch befindlichen Werkself wird. Längere Pausen auf dem Rasen dürfe sich Wirtz daher nicht erlauben – zu wichtig sei seine Rolle für die Offensive.

Einen weiteren Beweis, welch wertvollen Beitrag Wirtz trotz seines jungen Alters schon leisten kann, lieferte dieser zuletzt bei der U21-Europameisterschaft, als er die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes auf Anhieb zum Titel führte. Der Erfolg beim Nachwuchsturnier gebe zwar Selbstvertrauen, ein Grund, nun arrogant oder hochmütig zu werden, sei das aber freilich nicht. Wirtz stellt fest: „Da gibt es noch größere Titel, die man erreichen kann.“ Zum Beispiel den des Weltmeisters. Die nächste WM findet 2022 in Katar statt. Ende März dieses Jahres hatte Joachim Löw das Top-Talent aus Leverkusen bereits für Qualifikationsspiele zur A-Nationalmannschaft eingeladen. Eingesetzt hatte der inzwischen ehemalige Bundestrainer ihn dann aber noch nicht. Sollte sich Wirtz so weiterentwickeln wie bisher, dürfte es jedoch nicht mehr lange dauern, bis Löws Nachfolger Hansi Flick dem Leverkusener sein Länderspieldebüt ermöglicht.

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Für die A-Nationalmannschaft des DFB zu spielen, sei natürlich ein großes Karriereziel, erklärte Wirtz. „Ich würde mich freuen, wenn ich beim nächsten Turnier dabei sein dürfte“, sagt er. Sein Fokus liege aber auf dem Werksklub. „Wenn ich eine gute Saison in Leverkusen spiele, habe ich auch bessere Karten, berufen zu werden.“ Langfristig sei es das Ziel, „mit der A-Nationalmannschaft einen Titel zu gewinnen.“

Erst im Mai hatte Wirtz seinen bis 2023 gültigen Vertrag unter dem Bayer-Kreuz um weitere drei Jahre bis 2026 verlängert. „Ich habe keine Erwartungen an den Verein, sondern will einfach meinen Beitrag leisten, damit wir als Team erfolgreich sind und uns für die Champions League qualifizieren“, betont Bayers Nummer 27. Er habe nie bereut, dass er sich bei seinem Wechsel Anfang 2020 aus der Jugend des 1. FC Köln trotz Angebote mehrerer Bundesligisten für den Werksklub entschieden habe. „In Leverkusen habe ich die beste Möglichkeit gesehen, meine ersten Schritte als Profi zu machen.“ Wie er sich nun weiterentwickle, liege ganz allein in seiner Hand. „Und dafür werde ich alles tun.“

Dass ihm einige Kölner Fans den Wechsel zur Konkurrenz noch immer übelnehmen, nimmt er in Kauf. Aber: „Es ist manchmal schon schade, dass wenn ich in Köln unterwegs bin, ich den ein oder anderen Spruch zugerufen bekomme.“

Was den Fußball angeht, fällt Wirtz vieles leicht. Nicht ganz so einfach war es für ihn hingegen, das Leben als Profi und Abiturient in Einklang zu bringen. „Da musste ich mich ab und zu schon zwingen, Hausaufgaben zu machen“, sagt er. Das Abi hat er inzwischen in der Tasche – und auch fußballerisch stehen ihm alle Türen offen.