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Bayer 04 Leverkusen: Florian Wirtz ist für die Werkself unverzichtbar

Formstarker Youngster : Florian Wirtz hebt Bayer auf ein anderes Level

Bayer Leverkusens Florian Wirtz ist in dieser Saison alle 34 Minuten an einem Tor beteiligt. Trainer Gerardo Seoane und Kapitän Lukas Hradecky loben den 18-jährigen Leistungsträger.

Die Werkself begann schwerfällig gegen Ferencváros Budapest, wirkte fahrig, bisweilen auch lustlos, und lag nach acht Minuten mit 0:1 in Rückstand. Es dauerte ein wenig, doch Bayer berappelte sich, kam durch Exequiel Palacios noch vor der Halbzeit sehenswert zum 1:1, ehe Florian Wirtz nach knapp 70 Minuten den Siegtreffer erzielte. Die rund 11.000 Fans in der BayArena ließen sich von Leverkusens eher mühsamen Auftakt in die Europa League nicht beirren. Sie trieben ihr Team über 90 Minuten an, sangen unermüdlich und feierten dabei natürlich auch Wirtz, der allmählich zu Bayers sportlicher Lebensversicherung avanciert.

Die Statistik ist verblüffend: Der 18-Jährige ist in dieser Saison bis jetzt alle 34 Minuten direkt an einem Tor beteiligt. Drei Treffer und drei Vorlagen hat er in seinen bislang vier Pflichtspieleinsätzen beigesteuert – und das, obwohl ihn in der Vorbereitung wochenlang Adduktorenprobleme plagten. Noch erstaunlicher ist die Tatsache, dass er beim 4:0 gegen Gladbach nur neun Minuten spielte, die für eine Vorlage reichten. In Augsburg kam er 25 Minuten vor dem Abpfiff ins Spiel und war prompt mit einem weiteren Assist sowie dem Treffer zum 4:1-Endstand zur Stelle. Das 3:4 gegen Dortmund prägte der gebürtige Pulheimer ebenfalls mit zwei Scorerpunkten.

Dass ihn die Fans nach seinem Siegtor gegen Budapest ausgiebig feierten, ist Wirtz nicht entgangen. „Das ist ein Moment, von dem ich lange geträumt habe. Dass es jetzt so kommt, ist sehr schön“, sagte der Nationalspieler anschließend. Er hatte bis zum Start dieser Saison wegen der Pandemie nur Geisterspiele erlebt. „Ich freue mich einfach, dass die Fans wieder im Stadion sind und ich ihnen ein paar Tore schenken kann.“

Den Spielverlauf gegen die von Peter Stöger trainierten Ungarn fasste Wirtz eher diplomatisch zusammen. Bayer habe sich lange schwergetan, sich dann aber in die Partie reingearbeitet und mehr Zugriff und Kontrolle bekommen. „Ab da war es ein gutes Spiel von uns“, betonte der offensive Mittelfeldspieler. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass sich die Werkself gegen Ferencváros eine erschreckend schwache Anfangsphase geleistet hat, die angesichts der trotz dezenter Rotation hochkarätig besetzten Startaufstellung nur schwer zu erklären ist.

Die bemerkenswerte Statistik von Wirtz nötigt auch Kapitän Lukas Hradecky Respekt ab. Der 18-Jährige sei trotz seines Alters bereits ein Leistungsträger der Mannschaft. „Es ist echt beeindruckend, was der Junge momentan leistet und ich bin froh, dass er für uns spielt“, betonte der Finne. Auch Trainer Gerardo Seoane ist sich der herausragenden Qualitäten seines formstarken Schlüsselspielers bewusst. „Was ihn vor allem auszeichnet ist, dass er im letzten Drittel sehr, sehr klar ist. Er ist nervenstark, behält die Übersicht und hat die Qualität, die richtige Entscheidung zu treffen. Im Moment ist er sehr, sehr effizient“, sagte der Coach, fügte allerdings hinzu: „Wir dürfen uns nicht nur auf Florian verlassen. Wir haben Spieler, die ähnliche Anlagen haben, im Abschluss aber noch nicht diese Effizienz.“ Das Ziel müsse sein, dass ein anderer die Rolle übernehmen könne, wenn Wirtz mal nicht treffe.

  • Gerardo Seoane.
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  • Der 55-jährige Österreicher Peter Stöger war
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  • Florian Wirtz (vorne) ist eines von
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Geht es nach dem Youngster, soll seine rasante Entwicklung freilich möglichst so weitergehen. „Ich schieße gerne Tore oder bereite welche vor, weil es ein schönes Gefühl ist, wenn man direkt beteiligt ist. Aber im Endeffekt geht es nur darum, dass wir gewinnen“, sagte Wirtz.

Am Sonntag tritt die Werkself in der Liga beim VfB Stuttgart an (15.30 Uhr). Bei den Schwaben geht es für die Leverkusener vor allem darum, den Anschluss an die Spitzengruppe der Tabelle zu wahren. In seiner derzeitigen Verfassung ist der 18-Jährige im Grunde unverzichtbar für Bayer – oder wie Stöger es mit einem guten Schuss Wiener Schmäh kommentierte: „Schlecht isser ned.“