Wertvollster Profi im Kader Florian Wirtz ist der Mann für Bayers Zukunft

Leverkusen · Bayer Leverkusen hat den Vertrag des nun 18-jährigen Nationalspielers bis 2026 verlängert. Er soll zur prägenden Figur der Werkself werden. „Mit meinen Leistungen will ich dazu beitragen, dass wir in naher Zukunft Titel erreichen können“, sagt Wirtz.

Leverkusens Florian Wirtz (l.) und Frankfurts Makoto Hasebe im direkten Duell.

Leverkusens Florian Wirtz (l.) und Frankfurts Makoto Hasebe im direkten Duell.

Foto: dpa/Thilo Schmuelgen

Schnelligkeit ist im Fußball eine herausragende Qualität – auf und neben dem Platz. Bei Florian Wirtz haben die Verantwortlichen von Bayer Leverkusen nicht lange gefackelt. Am Tag seines 18. Geburtstags hat der offensive Mittelfeldspieler einen Vertrag bis 2026 beim Werksklub unterschrieben. Die Dauer des Arbeitspapiers ist ein klares Bekenntnis des Spielers zum Verein. Und umgekehrt. Der gebürtige Pulheimer soll zu einer der prägenden Figuren der Werkself werden. Sportgeschäftsführer Rudi Völler sieht ihn ihm mittelfristig einen „absoluten Führungsspieler“.

Schon bei der Verpflichtung des damals 16-Jährigen machte Bayer sehr schnell Nägel mit Köpfen. Ausgerechnet aus der Jugend des Nachbarn und Erzrivalen 1. FC Köln kam Wirtz nach Leverkusen, schon damals mit dem Ruf, eines der größten Talente im deutschen Fußball zu sein. Der Transfer sorgte im Januar 2020 für Unruhe zwischen den rheinischen Klubs.

Der Vorwurf von Köln und später auch Mönchengladbach war, dass die Verantwortlichen der Werkself gegen eine Übereinkunft der Vereine verstoßen hätten, sich nicht gegenseitig die talentiertesten Nachwuchsspieler abzuluchsen. „Das ist ein Transfer, den keiner von uns gerne sieht“, sagte damals Gladbachs Sportdirektor Max Eberl. Sein Kölner Pendant Horst Heldt stichelte gegen Bayer, deutete aber gleichzeitig an, dass sich jeder Klub um Wirtz bemüht habe, „wirklich jeder“. Das gelte auch für Vereine aus der unmittelbaren Nähe – inklusive des Klubs vom Niederrhein.

Bayers Sportgeschäftsführer Rudi Völler blieb gelassen und begründete den Vorstoß, Wirtz zur Werkself zu lotsen, wie folgt: „Wir haben Florian in den Gesprächen eine sportliche Perspektive aufgezeigt und sicherlich auch davon profitiert, dass wir in der Vergangenheit vielen jungen Spielern wie Kai Havertz, Julian Brandt oder Benjamin Henrichs sehr früh die Chance gegeben haben, sogar in der Champions League aufzulaufen.“ Horst Heldt hätte „umgekehrt ebenso gehandelt“, war Völler überzeugt.

Schließlich hatte es sich bei Wirtz nicht nur um einen überaus talentierten Spieler aus der Region gehandelt, sondern auch um einen wechselwilligen. Das wiederum ist das große Versäumnis des FC, der es verpasst hat, dem Offensivjuwel rechtzeitig eine entsprechende Perspektive zu bieten – ein inzwischen zigmillionenfach schwerer Fehler der Kölner. Denn der gebürtige Pulheimer schlug in Leverkusen ein.

Inzwischen hat er 44 Pflichtspieleinsätze für Bayer hinter sich, schoss dabei acht Tore und gab acht Vorlagen. Sein Marktwert wird auf rund 45 bis 50 Millionen Euro geschätzt. Das macht ihm zum derzeit wertvollsten Profi der Werkself. Zudem wurde er von Bundestrainer Joachim Löw im März erstmals in die Nationalmannschaft berufen. Die Ablöse bei seinem Wechsel von Kölns U17 in Bayers U19, wo er noch ein knappes halbes Jahr in der A-Junioren Bundesliga West spielte, betrug gerade einmal kolportierte 200.000 Euro.

Kein Wunder also, dass sich die Verantwortlichen des Werksklubs mit Lobeshymnen überschlagen. Einen derartigen Coup landet man nur selten. „Es ist beeindruckend, wie mutig und selbstbewusst er sich im Profifußball durchgesetzt hat“, sagt Sportdirektor Simon Rolfes, der in dem Youngster „ein Versprechen für die Zukunft“ sieht. Wirtz habe das Zeug, „in den kommenden Jahren zu einem Topspieler der Bundesliga zu werden – und auch zu einem wichtigen Element der deutschen Nationalmannschaft.“ Sportgeschäftsführer Rudi Völler stößt ins gleiche Horn. „Wenn Florian so weitermacht, kann er in den nächsten Jahren zu einem absoluten Führungsspieler, zu einer Stütze unserer Mannschaft werden“, ist der 61-Jährige überzeugt. Ohnehin sei es herausragend, wie sich der offensive Mittelfeldspieler bereits in der Profimannschaft bewiesen habe – zumal er derzeit auch noch im Abiturprüfungsstress sei.

Keine Frage: Wirtz gehört die Zukunft bei Bayer 04. Er ist schon jetzt Leistungsträger und eine der Säulen des Teams. Und er weiß zu schätzen, was er an dem Werksklub hat. „Ich konnte mich in einer tollen Mannschaft fußballerisch weiter verbessern – das ist und bleibt mein Anspruch. Mit meinen Leistungen will ich dazu beitragen, dass wir hier in naher Zukunft Titel erreichen können“, sagt er und bedient damit die größte Sehnsucht bei Verein und Fans gleichermaßen: Nach dem Pokalsieg 1993 endlich ein neues Exponat für den Trophenschrank zu gewinnen, in dem außerdem noch der Uefa-Cup von 1988 steht. Leverkusens magere Titelausbeute ficht Wirtz aber nicht an. „Ich spiele in einem super Verein, der zu den besten in Deutschland gehört und mit dem ich in den nächsten Jahren höchste Ziele in Angriff nehmen will.“