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Bayer 04 Leverkusen: Flitzermagnet Cristiano Ronaldo überfordert die Sicherheitskräfte

0:2 gegen Juventus in der Champions League : Flitzermagnet Ronaldo strapaziert Bayers Sicherheitskräfte

Bei Bayer Leverkusens 0:2.Niederlage gegen Juventus Turin stürmen Fans mehrmals den Rasen, um dem portugiesischen Superstar näher zu kommen. Das erwartbare Aus in der Champions League bringt Sportgeschäftsführer Rudi Völler nicht aus der Ruhe.

Als unmittelbar vor dem Abpfiff der vierte Flitzer den Rasen der BayArena stürmte war klar, dass die Verantwortlichen ihr Sicherheitskonzept überdenken sollten. Schließlich hatten die überfordert wirkenden Leverkusener Ordner zuvor schon mehrfach üben können, wie man absperrungsüberwindende Fans einfängt, die unbedingt ein Selfie oder zumindest direkten Kontakt mit Cristiano Ronaldo haben wollten. Einem gelang gar eine kurze Umarmung des fünfmaligen Weltfußballers, der darüber alles andere als glücklich wirkte. Die 0:2 (0:0)-Niederlage und das Champions-League-Aus der Werkself geriet beinahe zur Nebensache.

Bayers Sportgeschäftsführer Rudi Völler nahm die wiederholte Eroberung des eigentlichen Hochsicherheitsbereichs dennoch mit Humor. „Naja, zumindest hatten sie was an“, sagte der 59-Jährige mit Blick auf die gerne auch mal nackten Platzstürmer und betonte: „Sowas darf normalerweise natürlich nicht vorkommen.“ Leverkusens Schlussmann Lukas Hradecky, der sich Ronaldo (75.) sowie Gonzalo Higuaín (90.+2) geschlagen geben musste und eigentlich alles andere als humorbefreit ist, reagierte auf die Flitzer-Attacken hingegen wortkarg: „Es nervt“, raunzte der Keeper.

Für ihn und seine Teamkollegen geht es im kommenden Jahr in der Europa League weiter. Die drei Auftaktniederlagen gegen Lokomotive Moskau (1:2), bei Juventus Turin (0:3) und Atlético Madrid (0:1) erwiesen sich als zu große Hypothek. So blieb nach den Siegen gegen die Spanier (2:1) sowie in Russland (2:0) durch Platz drei in Gruppe D nur der „Trostpreis“, der aber immerhin das Überwintern auf der europäischen Fußballbühne sichert.

Während Bayern München, Borussia Dortmund und RB Leipzig auch im kommenden Jahr den von Profifußballern immer wieder betonten Gänsehautfaktor der Champions-League-Hymne erleben dürfen, tritt Bayer eine Etage tiefer an. Für die italienischen Gäste ging es um nichts mehr, dennoch spielten sie nicht mit einer B-Elf. „Juventus ist eben eine Topmannschaft“, hob Völler zu einer wenig überraschenden Erkenntnis an. „Sie wollten auch hier nicht verlieren – und das hat man auch gemerkt.“

Bayer habe zwar vor allem in der ersten Halbzeit gut dagegengehalten und unter anderem durch Moussa Diabys Pfostentreffer (11.) die ein oder andere Chance gehabt, aber das gelte auch für Turin. Die zweiten 45 Minuten seien dann "nicht mehr ganz so prickelnd" gewesen. „Beim Sieg gegen Madrid haben wir am oberen Limit gespielt, aber jetzt hatten wir den ein oder anderen, der zwar alles gegeben, jedoch nicht seine Topleistung abgerufen hat“, analysierte Völler. So sei die 0:2-Niederlage letztlich verdient. „Das darf uns nach den starken Leistungen, die wir in den letzten Wochen gezeigt haben, nicht runterziehen“, betonte der Sportgeschäftsführer. Zuvor hatte Bayer fünf von sechs Pflichtspielen gewonnen, darunter die wichtigen Ligapartien in München und gegen Schalke.

Für den Flitzermagneten Ronaldo, um den ein beinahe schon surrealer Hype entsteht, wenn er irgendwo auftaucht, hatte der Weltmeister von 1990 ein indirektes Kompliment parat. Dass der 34-Jährige über 95 Prozent der Spielzeit weitgehend abgemeldet war, dann aber doch goldrichtig und von Leverkusens Defensive sträflich alleingelassen vor dem Tor auftauchte, um das 1:0 zu erzielen, habe Völler nicht überrascht: „Das soll bei ihm ab und zu mal vorkommen“, sagte er mit einem Augenzwinkern. Man könnte auch sagen, dass Ronaldo Leverkusens Abwehr in der entscheidenden Szene ebenso gekonnt entwischt ist, wie die mutmaßlich italienischen Flitzer den Ordnern.

Weiter geht es für Bayer mit einem brisanten Spiel: Am Samstag ist der Werksklub beim Schlusslicht und Erzrivalen 1. FC Köln zu Gast (15.30 Uhr). „Das wird ein offener Schlagabtausch vor einer tollen Kulisse“, ist Völler überzeugt. „Wir wissen alle, was ein Derby ist. Da ist egal, wer gerade vorne und wer hinten steht.“ Für das erwartbare Champions-League-Aus in einer schwierigen Gruppe hat er ein einfaches Rezept: „schnell abhaken“.