Bayer 04 Leverkusen: Fans Pfeifen Werkself nach Niederlage gegen Moskau aus

Bayer patzt gegen Moskau : Pfeifkonzert statt Festtag

Bayer Leverkusen hat den Auftakt in die Champions League gründlich in den Sand gesetzt. Der erschreckend schwache Auftritt beim 1:2 gegen Lokomotive Moskau lässt nichts Gutes für die Gruppenphase ahnen.

Nach 85 Minuten waren die Ränge in der BayArena bereits halbleer. Die Fans hatten genug von dem schwachen Auftritt ihrer Mannschaft. Wer nach 92 Minuten noch auf den Rängen verharrte, ließ nach dem Schlusspfiff von Schiedsrichter Pawel Raczkowski seinem Unmut freien Lauf. Ein gellendes Pfeifkonzert begleitete die Profis der Werkself in die Kabine. Im Vorwort des Stadionheftes hatte Sportgeschäftsführer Rudi Völler einen „Festtag“ angekündigt. Daraus wurde nichts. Die zwölfte Leverkusener Teilnahme an der Königsklasse beginnt mit einer herben Enttäuschung.

Die 1:2 (1:2)-Niederlage gegen Lokomotive Moskau war darüber hinaus ein eindrucksvoller Beleg dafür, dass Ballbesitz eine Währung ohne Wert sein kann, wenn sich der Gegner clever anstellt. Die Russen vollbrachten das Kunststück, mit 22 Prozent Spielanteil zwei Tore zu erzielen und drei Punkte mitzunehmen. Das weckt Erinnerungen an die beinahe schon legendäre 1:2-Niederlage des FC Barcelona bei Celtic Glasgow vor rund sieben Jahren.

Lokomotive beschränkte sich auf konsequente Defensive im Kollektiv und lauerte auf Patzer. Leverkusen tat den Gästen den Gefallen und agierte fehlerhaft wie lange nicht mehr. „Wir hatten vor dem Spiel einen Plan und wussten genau, wie wir spielen wollten. Das haben wir ausgeführt“, sagte Moskaus Trainer Yuri Semin nach dem gelungenen Coup. Zufall sei das nicht gewesen: „Wir haben gewonnen, weil wir diszipliniert gespielt haben.“

Ganz im Gegensatz zum Team seines Leverkusener Pendants Peter Bosz. Nach schlechten Auftritten seiner Elf beklagt der Niederländer meist wortreich die Ballverluste. Es gibt wohl nichts im Fußball, was den 55-Jährigen mehr auf die Palme bringt als unnötige Fehler im Spielaufbau. Umso erstaunlicher ist, wie viel Anlass die Spieler ihrem Coach gaben, sich aufzuregen – trotz der hohen technischen Begabung im Kader.

Zusammengeschnitten ergeben die Fehlpässe und Ballverluste alleine der ersten Halbzeit ein stattliches Video, dessen Analyse wohl niemanden in Leverkusen Freude bereiten wird. Einer von Leon Bailey führte zum 0:1 (16.), ein völlig missratener Pass von Schlussmann Lukas Hradecky zum 1:2 (37.). Dazwischen hatte Benedikt Höwedes einen Schuss von Charles Aránguiz unhaltbar ins eigene Tor abgefälscht (25.). „Ich möchte mich beim Team und den Fans entschuldigen. Das zweite Tor geht ganz klar auf meine Kappe. Ich habe leider eine falsche Entscheidung getroffen“, sagte Hradecky, der mit 29 Jahren ein deprimierendes Champions-League-Debüt hinter sich hat.

Bosz beschrieb im Anschluss seine Gefühlslage als „große Enttäuschung“. Auch in seinem siebten Spiel als Trainer in der Champions League gelang ihm kein Sieg – eine erstaunliche Bilanz. „Wir haben genau die Fehler gemacht, die Moskau wollte.“ Den Vorwurf, keinen Plan B gegen dicht gestaffelte, tief stehende Gegner zu haben, wollte er nicht gelten lassen. „Fast alle Gegner stehen gegen uns kompakt hinten drin und wir haben gegen sie trotzdem viele Tore gemacht. Das hat nichts mit Plan A, B oder C zu tun“, betonte der Trainer. Auch Fahrlässigkeit sei nicht der Grund für die Pleite. „Wir haben sehr hart für die Champions League gearbeitet und den Gegner ernst genommen. Aber Fehler passieren im Fußball.“

Mit Blick auf die Gruppe, in der noch Juventus Turin und Atlético Madrid als Gegner warten, gab sich der Niederländer beinahe trotzig. Die Champions League abhaken will er noch lange nicht. „Das war nicht das Bayer Leverkusen, das wir normalerweise sind“, sagte er. „Jetzt müssen wir die Punkte holen, wo es keiner von uns erwartet.“ Dann könnte es vielleicht doch noch etwas werden mit den Leverkusener Festtagen in der Königsklasse. Angesichts der Auftaktniederlage gegen den vermeintlich schwächsten Gruppengegner mutet das allerdings mehr denn je wie eine Herkulesaufgabe für die Werkself an.

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