Bayer 04 Leverkusen: Exequiel Palacios tritt in Bernds Schneiders Fußstapfen

Bayer 04 im Trainingslager in La Manga : Palacios tritt in Schneiders Fußstapfen

Seit dem Karriereende von Bernd Schneider hatte kein Spieler der Werkself die Rückennummer 25. Nun tritt der junge Argentinier Exequiel Palacios zumindest numerisch die Nachfolge des Leverkusener Kultspielers an.

Leicht ist es Exequiel Palacios nicht gefallen, seine Heimat zu verlassen. Ganz und gar nicht. Seit seinem fünften Lebensjahr spielte er für River Plate Buenos Aires und gewann mit dem Verein unter anderem 2018 das südamerikanische Pendant zur Champions League, die Copa Libertadores, sowie im Dezember den argentinischen Pokal. Sein Abschied von River Plate verlief entsprechend tränenreich. „Den Verein zu verlassen, war sehr schwierig“, sagt er. „Ich habe bei meinem Abschied nicht nur auf dem Platz, sondern auch in der Kabine viel geweint.“ Nach langen Gesprächen mit seiner Familie und der Möglichkeit, zu einem großen Verein wie Bayer Leverkusen zu wechseln, habe er jedoch die wegweisende Entscheidung getroffen – und er ist glücklich damit.

Mittelfeldspieler Exequiel Palacios von Bayer Leverkusen hat auf seiner rechten Wade ein Tattoo von San Expedito, dem „heiligen Expedit“, der bei vielen Menschen in Argentinien eine besondere Wertschätzung erfährt. Foto: Bayer 04/Jörg Schüler/Bayer 04

Seit Samstag ist der 17-Milionen-Euro-Zugang bei seinem neuen Team, das sich in La Manga auf den Rückrundenstart vorbereitet. Am Sonntag sprach er erstmals ausführlich über seinen Wechsel zum Bundesligisten. Der 21-Jährige redete leise, aber entschlossen. Er wirkt fokussiert und selbstbewusst. Es ist ihm anzumerken, dass er sich nach seinem Sprung in den europäischen Vereinsfußball viel vorgenommen hat. Er bezeichnet sich als sehr gläubig. Ein großes Tattoo auf seiner Wade zeigt San Expedito, einen Heiligen, der in Argentinien verehrt wird.

Palacios hat sich sehr bewusst für Bayer 04 entschieden. „Ich habe gesehen, dass hier etwas zusammenwächst“, sagt er. Der Austausch mit seinem Landsmann Lucas Alario, der seit 2017 im Trikot der Werkself spielt, habe ihm bei der Entscheidung geholfen, ins Rheinland zu wechseln. „Ich bin froh, dass ich hier bin – auch, wenn ich die Sprache noch nicht verstehe. Bayer ist eine technisch sehr starke Mannschaft mit außergewöhnlich guten Spielern.“ Die Physis sei indes eine „ganz andere“ als in Argentinien. „Daran muss ich mich so schnell wie möglich gewöhnen.“ Er wolle in Leverkusen seinen nächsten Karriereschritt schaffen. „Alle Voraussetzungen dafür sind hier erfüllt.“

Seine Qualität hat Palacios bereits bei der ersten Trainingseinheit in Spanien angedeutet. Am Samstag spielte er trotz Jetlag einige feine Pässe in die Tiefe – unter anderem auf Joel Pohjanpalo. Genau so definiert er seine Spielweise: „Mein Ziel ist, dass ich den Stürmern den Ball mit dem finalen Pass vorlege. Dabei vergesse ich aber nicht die Arbeit nach hinten. Ich bin ein Spieler, der immer das Maximum gibt und bis zum Ende kämpft.“

Das wird nicht nur sein neuer Trainer Peter Bosz gerne hören. In der Hinrunde tat sich die Werkself vor allem gegen tiefstehende Gegner schwer. Ein Spieler, der mit Intelligenz und Intuition seine Teamkollegen in Szene setzen kann, sich dabei aber auch nicht für defensive Arbeit zu schade ist, kommt da gerade recht. Freilich bleibt abzuwarten, ob der Anfang 2019 vor seinem Wadenbeinbruch auch von Real Madrid umworbene Mittelfeldspieler sofort eine Hilfe sein kann.

Das liegt zum einen daran, dass noch unklar ist, ob der 1,77-Meter-Mann direkt spielen darf. Palacios bringt die Hypothek von zwei Roten Karten in seinem letzten Copa Libertadores- und Ligaspiel mit River Plate mit, die wettbewerbs- und verbandsübergreifend übertragen werden könnten. Der vierfache Nationalspieler bezeichnet die Platzverweise nach grobem Foul und einer Tätlichkeit als „nicht so schlimme Kurzschlussreaktionen“ und hofft auf Unterstützung. „Ich bin mir sicher, dass der Klub alles dafür tut, dass ich direkt spielen kann“, sagt er. Eine Entscheidung dazu wird es wohl zeitnah geben.

Zum anderen braucht ein junger Spieler aus Argentinien freilich Zeit, um in der Bundesliga Fuß zu fassen. Neue Sprache, neue Teamkollegen, neuer Wohnort, neues Wetter, neuer Fußball, dazu fernab der Heimat – das ist keine einfache Konstellation. Bei der Integration helfen seine Partnerin, Eltern und sein Bruder, die ihn nach Deutschland begleiten, und auch ihren Wohnsitz in die neue sportliche Heimat verlegen.

In Leverkusen wird Palacios die Rückennummer 25 tragen – als erster Feldspieler seit Bernd Schneider, der bei Fans Kultstatus genießt. Rund zehn Jahre spielte „Schnix“ für die Werkself. Nun tritt „Pala“ sein Erbe an. „Es ist mir bewusst, wer die Nummer getragen hat. Ich werde versuchen, sie so gut wie möglich zu repräsentieren. Es ist eine Ehre und eine Verantwortung, dieses Trikot zu tragen.“