Argentinischer Profi Palacios ist Bayers eifrigster Titelsammler

Leverkusen · Obwohl er erst 23 Jahre ist, hat Bayer Leverkusens Exequiel Palacios schon mehr Trophäen gesammelt, als manch ein Profi am Ende seiner Laufbahn. Nun will der zentrale Mittelfeldspieler auch beim Werksklub endgültig durchstarten.

Exequiel Palacios (r.) ist vor dem Italiener Giacomo Raspadori am Ball.

Exequiel Palacios (r.) ist vor dem Italiener Giacomo Raspadori am Ball.

Foto: IMAGO/NurPhoto/IMAGO/Action Foto Sport

Auf seine Titelsammlung dürften inzwischen nicht nur seine Teamkollegen beim Werksklub etwas neidisch schauen. Am Mittwoch bezwang Exequiel Palacios mit der argentinischen Nationalmannschaft den Europameister aus Italien im Londoner Wembley-Stadion verdient mit 3:0. So sicherten sich die Argentinier den interkontinentalen „Champions Cup“. Für Palacios ist es nach dem Gewinn der Copá America 2021 der bereits zweite Titel innerhalb eines Jahres mit der „Albiceleste“ – und der insgesamt sechste als Profi. Mit seinem Jugendverein River Plate holte sich der 23-Jährige bereits die Copa Libertadores, das südamerikanische Pendant zur Champions League, die Recopa Sudamericana und wurde zudem zwei Mal argentinischer Pokalsieger. Jetzt will er endlich auch unter dem Bayer-Kreuz sein volles Potenzial ausschöpfen.

Die Chancen, dass dem zentralen Mittelfeldspieler das gelingt, stehen gut. Bereits in der Endphase der abgelaufenen Saison unterstrich er mit zwei Toren und einer Vorlage in den letzten vier Partien, dass mit ihm künftig zu rechnen sein wird. Anfang 2020 aus Buenos Aires unters Bayer-Kreuz gewechselt lief es für den 1,77-Meter-Mann in Leverkusen zunächst aber alles andere als erhofft. Unter dem damaligen Trainer Peter Bosz hatte er einen schweren Stand. Ein Lendendwirbelbruch, den er sich beim Nationalteam zugezogen hatte, warf ihn in seinem ersten Jahr im Rheinland zudem um Monate zurück. Erst Interimscoach Hannes Wolf schenkte ihm wieder das Vertrauen.

Auch der Start unter Trainer Gerardo Seoane war vielversprechend. Ein im Auftakspiel der Europa League gegen Budapest erlittener Außenbandriss im Sprunggelenk durchkreuzte die Pläne von Bayers Nummer 25 aber jäh. Im Januar war es schließlich eine im Training zugezogene Rückenverletzung, die ihn für mehrere Wochen außer Gefecht setzte – viel mehr Pech geht kaum.

In Leverkusen glauben sie allerdings nach wie vor an die Fähigkeiten des 19-fachen Nationalspielers, und dass der Profi in seiner dritten kompletten Saison unter dem Bayer-Kreuz nun die Rolle einnehmen kann, die ihm die Verantwortlichen schon bei der Verpflichtung perspektivisch zugetraut hatten. Als „technisch starken Mittelfeldspieler mit Zug zum Tor und der Fähigkeit, seine Mitspieler einzusetzen“ hatte ihn der scheidende Sportgeschäftsführer Rudi Völler einst bei den Rheinländern vorgestellt. Noch hat Palacios das allerdings erst in Ansätzen zeigen können.

Mit Robert Andrich haben die Klubverantwortlichen im vergangenen Sommer einen weiteren Mentalitätsspieler in den Kader geholt. Auch Palacios besticht durch hohen Einsatz und viel Laufbereitschaft. Sollte der ehemalige Kapitän Charles Aránguiz zudem tatsächlich schon in diesem Sommer den lange kokettierten Wechsel zurück in seine südamerikanische Heimat vollziehen, würde beinahe automatisch mehr Verantwortung auf Palacios zukommen. Klar ist: In der kommenden Saison wird sich zeigen, ob Leverkusen langfristig auf Palacios als Nachfolger des Chilenen im defensiven Mittelfeld bauen kann, oder ob sich die Wege trotz seines bis 2025 gültigen Vertrags eventuell sogar schon eher trennen könnten. Die Hoffnung ist aber groß, dass Palacios noch viele Jahre in Leverkusen bleibt.

Denn wer an der Seite von Messi und Co. Titel um Titel abräumt, kann kein so schlechtes Vorbild fürs Team sein.

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