Bayer 04 Leverkusen: Emir Spahic - Bayers akzeptiertes Mysterium

Bayer Leverkusen: Emir Spahic - Bayers akzeptiertes Mysterium

Der Doppeltorschütze von Nürnberg umschifft seit seiner Vorstellung quasi jede Außendarstellung als Bayer-Profi. Der Verein nimmt es hin.

Eine mögliche Geschichte über Bayers 4:1 in Nürnberg lag nach Abpfiff vermeintlich offensichtlich da. Schließlich hatte Emir Spahic nicht nur sein erstes Bundesligator geschossen, sein erstes im Trikot von Bayer 04, nein, er hatte als Innenverteidiger sogar noch ein zweites nachgelegt, nach einem Konter, nach einem Sprint über das gesamte Feld. Es war der erste Doppelpack in der langen Laufbahn des Bosniers. Doch bei diesen Fakten endet diese Geschichte bereits. Ihr fehlt die Stimme des Protagonisten, denn wie immer seit seiner Vorstellung Anfang Juli durchstreifte Spahic auch am Ostersonntag in Nürnberg die Mixed Zone wortlos und mit einem jovialen Lächeln.

Öffentlichkeitsarbeit als Bayer 04-Angestellter lehnt er nachweislich ab. Das hat er seinem Arbeitgeber von Beginn an klar gemacht. Der akzeptiert es. Selbst Versuche vereinseigener Medien, Spahic zu einem Interview zu bewegen, scheiterten umgehend. Der 33-Jährige will nicht reden, will im Verein nur seine Leistung sprechen lassen. Die war lange top, dann folgten Platzverweise in Dortmund, gegen Paris und der 15 000 Euro teure Mittelfinger gegen Braunschweig. Jetzt, gegen Ende der Saison und mit Anlauf auf die WM scheinen sich seine Leistungen wieder auf gutem Niveau zu stabilisieren. Was über ihn durchsickert, sind Bruchstücke eines Bildes, vieles bleibt mysteriös. Die Mitspieler schätzen und achten Spahic, die Verantwortlichen werten das 400 000-Euro-Schnäppchen als Volltreffer-Transfer.

In seiner Heimat ist er ein Volksheld. Die WM mit Bosnien ist für Spahic ein Lebenstraum. Er ist Patriot. Und als Kapitän der bosnischen Nationalmannschaft der uneingeschränkte Chef. Als Bayer 04 am 17. September bei Manchester United gastierte, spielte Spahics Freund und Nationalmannschaftskollege Edin Dzeko parallel mit Manchester City in Pilsen. Zurück in Manchester, früh am nächsten Morgen, machte Dzeko seinem Freund im Leverkusener Mannschaftshotel noch schnell seine Aufwartung. Es war selbstverständlich für ihn.

Bei Bayer geht Spahic als einer der Führungsspieler durch. Auf dem Platz. Intern. Den Teil der Anführerrolle, der im heutigen Fußball die externe Kommunikation einschließt, überlässt er anderen. Teamkollege Sebastian Boenisch meinte in Nürnberg, der Sprint vor dem 2:0 zeuge von Spahics Überzeugung, dieses Tor unbedingt machen zu wollen. Diese Überzeugung tut Bayer gut. Wenn sie sich vornehmlich auch nur intern entfaltet.

(RP)
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